Würselen - Verdi beklagt Mobbing bei Toys‘R‘Us

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Verdi beklagt Mobbing bei Toys‘R‘Us

Von: Verena Müller
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Wird an diesem Samstag Ziel einer Protestaktion, deren Hintergrund der Kampf um eine Tarifbindung und – aus Sicht von Verdi – Mobbing der Belegschaft sind: Die Toys`R`Us-Niederlassung in Würselen. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Die Vorwürfe, die Mitarbeiter, Gewerkschaft und Interessenverbände gegen die Geschäftsführung von Toys‘R‘Us erheben, wiegen schwer: Die Betriebsratsvorsitzende der Würselener Niederlassung des Spielwarenhändlers werde gezielt gemobbt, zuletzt sei ihr wegen ihrer Betriebsratstätigkeit kein Lohn gezahlt worden.

„Das geht jetzt vors Gericht“, sagt der zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Kay Mühle. Außerdem habe man versucht die Behinderung der Betroffenen auszunutzen, indem man sie vom Arbeitsmediziner habe für arbeitsunfähig erklären lassen wollen. „Aber so geht das nicht“, sagt Mühle. Die Rechtslage sei da eindeutig.

Über diesen Fall hinaus liefen mehrere Kündigungsschutzklagen. Mitarbeitern sei gekündigt worden, nachdem ihnen Fehler oder Fehlverhalten an Tagen vorgeworfen worden sei, an denen sie nachweislich nicht gearbeitet hätten.

„Eine Kollegin wurde am 6. November 2017 grundlos freigestellt und ab dem 14. November bekam sie eine Kündigung. Zwei weiteren Kollegen wurde zum 30. November gekündigt, und ab dem 7. November wurden diese freigestellt. Auch ein Azubi wurde ab dem 11. November freigestellt“, listet die Betriebsratsvorsitzende Mona El-Tahwagi die Fälle auf. All diese Mitarbeiter hätten sich zuvor über die Marktleitung, insbesondere den stellvertretenden Marktleiter, beschwert. „Wir haben als Betriebsrat am 13. November ein Verfahren zur Entlassung der Marktleitung eingeleitet“, sagt sie.

Aus Sicht des Betriebsrats wird der betreffende stellvertretende Marktleiter immer dann gezielt an Standorten eingesetzt, wenn psychischer Druck auf Arbeitnehmer ausgeübt werden soll. „Dieser hat die Belegschaft in einer früheren Besetzung bis 2012 dermaßen psychisch krank gemacht, dass einige sogar körperliche Schäden davontrugen“, so die Betriebsratsvorsitzende. „Er hat außerdem unter anderem ausländische Mitarbeiter beleidigt und sie als ,Gastarbeiter, die froh sein sollen, in Deutschland zu arbeiten‘ beschimpft.“

Der Arbeitgeber drohe nun dem Betriebsrat mit der Kürzung der Lohnfortzahlung und übe mit Anschuldigungen Druck auf den Betriebsrat aus, damit dieser nicht seiner Arbeit nachgehe.

Die Geschäftsführung von Toys‘R‘Us lässt sich durch eine Bonner Anwaltskanzlei vertreten. Seitdem, so der Verdi-Gewerkschaftssekretär, könne man den Eindruck gewinnen, dass hinter den Vorgängen ein System zum Nachteil der Arbeitnehmer dahinterstecke. Die Kanzlei wollte gegenüber unserer Zeitung keine Auskünfte bezüglich der Vorwürfe erteilen und verwies auf die Pressestelle des Konzerns.

Deren Antwort auf unsere schriftliche Anfrage lautet, dass Toys‘R‘Us sich grundsätzlich nicht an Spekulationen rund um laufende Verfahren, Personalien und betriebsinterne Angelegenheiten beteilige. „Generell ist festzuhalten, dass Wechsel von Marktleitern/Marktleiterinnen in verschiedene Filialen daraus entstehen, dass Personalplanungen und Arbeitsaufwand aufeinander abgestimmt werden. Hierbei handelt es sich keinesfalls um eine Provokation seitens der Geschäftsleitung“, schreibt Sprecherin Marie-Charlotte von Heyking. „Wir nehmen Hinweise und Anschuldigungen, egal welcher Art, sehr ernst und sehen uns hier in der Verantwortung für das Wohl unsere Mitarbeiter. Bei Toys‘R‘Us haben alle Mitarbeiter dieselben Rechte.“

Parallel zu dieser Auseinandersetzung bemühen sich der Würselener und andere Betriebsräte von Toys‘R‘Us um eine flächendeckende Tarifbindung für die Angestellten. Dieser Kampf währt schon länger. Bereits im Mai des vergangenen Jahres hatte es am Standort Würselen dazu eine Protestaktion gegeben.

Wie die Betriebsratsvorsitzende erläutert, besteht die Stammbelegschaft aus 24 Arbeitnehmern. Toys‘R‘Us lasse aber keine Vollzeitbeschäftigung zu. Alle Mitarbeiter seien in Teilzeit beschäftigt, für 20 beziehungsweise 30 Stunden die Woche. „Für einen Stundenlohn von 8,90 Euro, 9,50 Euro und 12,50 Euro Höchstgehalt.“ Aufgrund des niedrigen Lohnniveaus drohe den Angestellten, im Alter auf Sozialhilfe angewiesen zu sein.

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