Verbundenheit per Gebet und Beamer

Von: Elisa Zander
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Segensreich: Gebannt verfolgen
Segensreich: Gebannt verfolgen die Jugendlichen in St. Gertrud die Worte des Papstes auf der Großbild-Leinwand. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Verstohlen tupft sich die Frau die Augen. Ihre Tränen sind keineswegs Ausdruck von Trauer, sondern von Freude. Ihr Glücksgefühl kehrt sich nach außen - und damit ist die Frau, die nun ihren schwarzen Blazer glattstreicht, nicht alleine.

Als Papst Benedikt XVI. das Gebet spricht, senken sich auch die Köpfe im Aufenthaltsraum des Hauses der offenen Tür (HoT) der Pfarre St. Gertrud. Auch sie nehmen an der Abschlussmesse des katholischen Weltjugendtags in Madrid teil. Mit einem Beamer wird die Live-Übertragung auf eine Leinwand projiziert.

„Auf diese Weise kann sich das Gemeinschaftsgefühl, das auf den Weltjugendtagen fast greifbar ist, besser übertragen”, sagt Angelika Ostlender. „Es ist ein Feuer, das die Begeisterung weiterträgt.”

Das, was die 28-Jährige aus Herzogenrath zu umschreiben sucht, ist, was über eine Million Jugendliche jetzt in der spanischen Hauptstadt erlebt hat: die Welle von Jubel und Begeisterung, überall dort, wo Papst Benedikt zu hören und zu sehen war. Die Feststimmung in den Straßen Madrids. Und die stets vorherrschende Meinung, die kurzen Sekunden, in denen der Papst an der Menge vorbeirauscht, seien mit das Beeindruckendste, das man bisher erlebt habe.

Und es sind Eindrücke, die Angelika Ostlender, Patrice Czichon und Sarah Essers 2005 vom Weltjugendtag in Köln mitgenommen hatten und bis heute davon zehren. Ein unbeschreibliches Gefühl sei es, wenn man den Papst sehe. „Das ist kein Personenkult, aber durch die Figur kommt man Gott näher”, sagt Sarah Essers.

Angelika Ostlender ergänzt: „Es ist, als wenn man dem Himmel ein Stück näher ist.” Gerne wären sie auch in Madrid dabei gewesen, doch neben den finanziellen Schranken „fehlte uns vor allem die Unterstützung durch das Bistum. Es gab Versuche, eine Reisegruppe auf die Beine zu stellen, aber das ist leider nicht gelungen”, sagt Patrice Czichon.

Dennoch wollten die Jugendlichen nicht bloß die Mess-Übertragungen im Fernsehen verfolgen, sondern wirklich teilnehmen. Und so organisierten die drei jungen Christen aus Herzogenrath mit Unterstützung von Pastor Dr. Guido Rodheudt ein „Public-Viewing” mit Übernachtung und morgendlichem Gottesdienst.

Gemeinsam schauten die Teilnehmer zwischen 15 und 33 Jahren die Vigil, verfolgten das Nachtgebet und feierten die Laudes. „Sehr stimmungsvoll”, empfand Patrice Czichon die gemeinsamen Stunden, die durch Abdunkelungen und Kerzen die Konzentration auf das Wesentliche erlaubten. Schließlich schaute die Gruppe nicht bloß die Übertragung, sie nahm aktiv an den Feierlichkeiten teil, auf Gebetshockern sitzend, die Hände zum Gebet gefaltet.

Immer wieder herrscht Freude, wenn Bilder von den Pilgern vor Ort erscheinen: „Wir haben Freunde, die in Madrid waren und uns mehrmals täglich eine SMS schickten, um über die Erlebnisse zu berichten”, erzählt Angelika Ostlender.

Von den Gegendemonstrationen sei darin allerdings nie die Rede gewesen. „Das ist wohl zum Großteil an den Teilnehmern vorbei gegangen”, schätzt Sarah Essers. Den Unmut der Demonstranten kann sie zum Teil nachvollziehen. „Es ist für die Jugendlichen eine Plattform, um auf ihre Problematik aufmerksam zu machen.”

Dennoch sei der so präsentierte Unmut über den Jugendtag bedauerlich gewesen; umso wichtiger, die Veranstaltung wie gewohnt zu zelebrieren. „Wir haben versucht, die negative Stimmung ins Positive zu kehren”, sagt Angelika Ostlender. „Wir haben für die Demonstranten gebetet und versucht, eine Basis für jene zu schaffen, die nicht an die Kirche glauben.”

Das gemeinsame Schauen der Mess-Übertragungen sei „wiederholungswürdig”, darin sind sich die drei Organisatoren einig. Und beginnen dennoch schon jetzt mit Überlegungen, beim nächsten katholischen Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro dabei zu sein.
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