Verbraucherberatung: Mit Augenmaß gezielt sparen

Von: Karl Stüber
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Von Sparflamme bis Energiefres
Von Sparflamme bis Energiefresser: Die Kosten schlagen immer stärker zu Buche. Foto: imago stock&people

Nordkreis. Wie soll angesichts der rasch steigenden Energiekosten der „Otto-Normalverbraucher” noch zurecht kommen, flattert ihm die fette Nachzahlung in den Briefkasten. Die „zweite Miete” droht ihm das Genick zu brechen.

Zumindest muss er sich einschränken, um die Strom- und Heizkosten auszubringen. Was kann der Hausbesitzer tun, um sein Domizil energietechnisch aufzurüsten, ohne sich dafür das letzte Hemd auszuziehen? Welche Maßnahmen sind in seinem ganz speziellen Fall sinnvoll?

Es gibt Leute, die Antworten mit Augenmaß geben, dabei nicht nur den Gas- und Stromzähler berücksichtigen und Umweltschutz um jeden Preis predigen, sondern die Lebensumstände ihrer Klientel berücksichtigen. Zu dieser Gruppe gehört Gerhard Weiß, Energieberater bei der Verbraucherzentrale in Alsdorf, die für den gesamten Nordkreis zuständig ist.

Der erfahrene Architekt und Energieberater weiß bestens, wie Häuser „ticken”, und hört genau zu, was ihm die Ratsuchenden sagen, wie sie bestellt sind, welchen (Lebens-)Plan sie haben.

Oft wird er hinzugezogen, wenn der Kauf eines älteren Hauses ansteht. Was müssen die Interessenten zum Beispiel in ein Haus aus den 1920er Jahren stecken, um es energietechnisch zu sanieren? Das ist wichtig, um beim Kaufpreis entsprechend mäßigend gegenüber dem Verkäufer argumentieren zu können. „Es geht mir bei meiner Arbeit nicht um Energieoptimierung um jeden Preis”, sagt Weiß. Muss die komplette Heizung ersetzt werden, wie steht es um die Leitungen? „In der Regel hält das Netz 40 bis 50 Jahre. Dann muss es ersetzt werden.”

Bei Hausbesitzern geht es um Aspekte des Werterhaltes und Maßnahmen zum Senken des Verbrauchs, um sparen zu können. Sparsam sein zu wollen kann sehr teuer werden. Nicht selten fallen bei umfänglichen Arbeiten Kosten an, die in der verbleibenden Wohnzeit nicht mehr herausgeholt werden können. Und will eines der Kinder wirklich das Haus übernehmen? Haben die Sprösslinge nicht schon längst den Lebensmittelpunkt woanders gefunden? Werterhalt und Wertsteigerung gilt es realistisch zu betrachten, meint Weiß. So kann der Hausbesitzer nicht davon ausgehen, dass er seine Investitionen beim Verkauf auch wieder angemessen herausholt.

Neben dem Sinnvollen steht natürlich das Machbare im Mittelpunkt. Nicht bei jedem Haus kann zum Beispiel ohne Zustimmung der Kommune die Außenwand gedämmt werden. Wenn direkt davor ein öffentlicher Gehsteig verläuft, wird so der Weg schmaler werden, öffentlicher Verkehrsweg also überbaut. Der Teufel steckt nicht nur im Mauerwerk, sondern auch im bürokratischen Detail. Das will bedacht sein.

Einen immer größeren Raum nimmt bei der Verbraucherzentrale „Energiearmut” ein. Mieter, aber auch nicht so gut gestellte Hausbesitzer, oft Rentner mit schmalem Ruhegeld, können die Zahlungen nicht mehr leisten, geraten in Rückstand, machen Schulden. Hier gilt es zunächst, die Abrechnungen mit Hilfe des Fachmanns zu prüfen. Nicht selten hilft der Anruf beim Energieversorger, um die Schulden in Raten zu tilgen und gegebenenfalls den Tarif zu verändern. „Oft sind da schon die Fronten aufgeschaukelt”, lautet seine Erfahrung. Da müssen Wogen geglättet werden.

Verhaltensänderungen beim Energieverbrauch und Optimierung der Verhältnisse vor Ort („Energiefresser” abstellen) spielen ein große Rolle. Verhalten ist auch bei Feuchte- und Schimmelproblemen Thema. „Im Sommer ist der Schimmel im Keller, im Winter während der Heizperiode im ganzen Haus”, beschreibt Weiß die oft zu stellende Analyse. Woran liegt es? Nicht selten schieben Hauseigentümer und Mieter sich gegenseitig die Schuld zu. Der eine stellt nicht genügend Heizleistung zur Verfügung, der andere lüftet nicht ordentlich. „Oft liegt die Wahrheit in der Mitte”, schmunzelt der Berater.

„Wir beraten den privaten Verbraucher und Vermieter von kleineren Objekten bis zu zehn Wohneinheiten”, beschreibt Weiß den Aufgabenbereich der Verbraucherberatung. Die achtet auch mit Blick auf die finanzielle Förderung der öffentlichen Hand darauf, keine Konkurrenz zu niedergelassenen Architekten, Ingenieuren oder Energieberatern zu sein.

Wie finanziert der Energiesparwillige sein Projekt, wie findet er Fachbetriebe. Auch da muss die Verbraucherberatung zurückhaltend sein. Verwiesen wird auf Listen, die zum Beispiel auch der Verein Altbau plus in Aachen bereithält. Verwiesen wird auf Verzeichnisse der Architektenkammer und auf Netzwerke von Energieberatern. „Wir geben keine Einzelempfehlung. Wir stehen als Verbraucherberatung am Anfang, leiten dann weiter. Alle sollen etwas davon haben”, sagt Weiß. Er ist gerne Energieberater und geht gerne mit Menschen um. „Probleme suchen, finden und beseitigen helfen, das macht mir Spaß”, sagt der ruhig und besonnen auftretende Mann.

Ist Energiesparen gut für uns? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Geht Ihre Heimatstadt in den öffentlichen Gebäuden sorgsam mit Gas, Strom, aber auch Wasser um? Wo liegt etwas im Argen? Was liegt Ihnen am Herzen? Worüber ärgern Sie sich beim Thema Energie, was freut Sie in Ihrem Umfeld?

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Untergebracht ist die Verbraucherzentrale an der Bahnhofstraße 36-38, 52477 Alsdorf, Telefon 02404/93901, Fax 02404/20233.

Öffnungs- und Beratungszeiten sind montags 9-13 und 14-16 Uhr; mittwochs 10 bis 15 Uhr; donnerstags 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr; freitags 9 bis 13 Uhr.

Zum in der Regel kostenpflichtigen Beratungsangebot der von der öffentlichen Hand bezuschussten Verbraucherzentrale gehören unter anderem „Energieberatung bei Ihnen zu Hause”, „Solarstromcheck” und „Feuchtdiagnose”. Kampagnen wie zum Beispiel „Thermografie-Aktion” oder „Hydraulischer Abgleich” kommen hinzu.

Der Verein Altbau plus befindet sich am AachenMünchener-Platz 5, 52064 Aachen, Telefon 0241/413888-0; Fax 0241/413888-0; Kontakt und Informationen per Mail unter info@altbauplus.de
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