Veränderungen als Chance begreifen

Von: Elisa Zander
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Herzogenrath. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr Inkontinenz- als Babywindeln verkauft. Es ist ein Beispiel, an dem der demographische Wandel sehr deutlich wird. Und dennoch ist das Alter nur eine Facette der sich verändernden Gesellschaftsstruktur.

Das Thema, das in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, ist dennoch bisher kaum in den Kommunen und in den Köpfen der Menschen angekommen.

Dabei ist es keine nervige Thematik, die von den Medien ständig aufgegriffen wird, sondern eine Frage der Zukunftsgestaltung. „Wir brauchen eine vorausschauende, zielgerichtete Arbeit, denn der demographische Wandel ist eine feststehende Größe, die wir nicht wegdiskutieren können”, sagt Dr. Winfried Kösters, Journalist und Publizist aus Bergheim.

Das hat auch die Herzogenrather Stadtverwaltung begriffen. In Workshops, bei denen Politik und Verwaltung vor Augen geführt bekamen, was die strukturelle Gesellschaftsveränderung für Herzogenrath bedeuten, bildeten sich in einem zweiten Schritt Arbeitsgruppen.

Mit verschiedenen Themenschwerpunkten wie Statistiken, Bildung, Arbeitswelt, Senioren und Soziales oder Jugend wird der demographische Wandel „angenommen und angepackt”, wie Bürgermeister Christoph von den Driesch sagte. Nach diesen erfolgreichen Anfängen soll nun das Thema für die Herzogenrather begreiflich gemacht werden.

Dazu holte sich die Stadt jetzt Multiplikatoren ins Boot. Nach ausführlichen Information stand eine gemeinsame Ideenfindung auf dem Programm. Dabei wurde offensichtlich, dass die Multiplikatoren „ein ganz anderes Ideen- und Problembewusstsein haben, als Verwaltung und Politik”, sagt die Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann nach der Veranstaltung im Nell-Breuning-Haus.

Sinkende Geburtenzahlen

Der aufschlussreiche Vortrag von Winfried Kösters trug zu vielerlei „Aha-Erlebnissen” bei. Elementar war das Aufzeigen darüber, dass die älter werdende Bevölkerung künftig mehr Dienstleistungen im Gesundheitssystem in Anspruch nehmen muss - übrigens ein System, in dem künftig niedergelassene Ärzte fehlen werden.

Aber auch strukturell verändert sich die Gesellschaft so, dass sie immer mehr auch auf die Arbeitskraft von Menschen mit Migrationshintergrund angewiesen ist. Außerdem könne es sich Deutschland bei sinkenden Geburtenzahlen nicht leisten, dass 17 Prozent der Menschen keinen Bildungsabschluss haben. „Das Weniger ist programmiert, aber die Qualität der Bildung können wir ändern”, sagt Winfried Kösters.

Ältere Gesellschaft

Wie sehr sich die Bevölkerungsstruktur in Herzogenrath verändern wird, zeigte Jessica Lerche von der Stabsstelle Kultur der Städteregion anhand von Daten des Landesbetriebs Information und Technik Nordrhein-Westfalens. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der 5- bis 20-Jährigen um 16 Prozent sinken, die Anzahl der über 80-Jährigen hingegen wird voraussichtlich um nahezu 74 Prozent ansteigen.

Das sind 14 Prozent mehr, als es im Gesamtvergleich der Städteregion der Fall sein wird, wo die Prognose bei einem Anstieg von etwa 60 Prozent liegt. „Wir müssen diese Veränderung als Chance begreifen”, sagte Christoph von den Driesch.
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