Unterkunft für Asylbewerber: Sanierung duldet keinen Aufschub

Von: Georg Pinzek und Nina Krüsmann
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Freut sich auf seinen Umzug: Der 32-jährige Iraker Sarmad Jakob (l.) lebt seit zwei Jahren an der Jülicher Straße 24. Er teilt sich mit zwei anderen Männern ein Zimmer in der städtischen Unterkunft in Broichweiden. Jürgen Hohlfeld vom „Freundeskreis“ bemängelt die katastrophalen Zustände an der Jülicher Straße 24: Seit 20 Jahren leben Asylbewerber in der ehemaligen Schule. Foto: Nina Krüsmann/Georg Pinzek

Würselen. Die Fenster sind undicht, der Schimmel an den Wänden ist nicht zu übersehen, die sanitären Anlagen sind teils unzumutbar. Die Liste der baulichen Mängel ist lang, sehr lang. Problematisch ist der Zustand der Unterkunft für Asylbewerber an der Jülicher Straße 24 in Broichweiden – und das nicht erst seit gestern.

Das Gebäude ist teils gar nicht mehr bewohnbar und stark renovierungsbedürftig. Diese Einschätzung ist amtlich bestätigt. Denn die Baufachleute im Rathaus haben eine umfangreiche Bestandaufnahme gemacht. Eine Sanierung des maroden Gebäudes wird auf rund 650.000 Euro taxiert. Das ist der Knackpunkt: Das Geld ist im Haushalt 2013 der Stärkungspakt-Kommune nicht eingestellt. Mit großer Energie versucht der „Arbeitskreis Jülicher Straße 24“ Asylbewerber in Privatwohnungen unterzubringen.

Kein leichtes Unterfangen beim angespannten Wohnungsmarkt. „Alles andere als menschenwürdig ist die Unterbringung von Asylbewerbern derzeit an der Jülicher Straße 24. Wir suchen dringend privaten Wohnraum, um die Asylbewerber aus diesem Ghetto herausholen zu können“, appelliert Jürgen Hohlfeld vom Freundeskreis an Wohnungseigentümer. Dringend gesucht wird bezahlbarer Wohnraum.

98 Asylbewerber leben derzeit in Würselen. 45 von ihnen sind in einer der städtischen Unterkünfte untergebracht. Im Haus an der Kreuzstraße sind aktuell noch zwei freie Plätze, in den Immobilien an der Neustraße gibt es sechs freie Plätze und in dem Gebäude an der Jülicher Straße sind es vier.

Ob die Zahl der Asylbewerber in Zukunft steigen wird, dazu gibt es keine Prognosen. Falls die Kapazitäten für die Unterbringung von Asylbewerbern nicht mehr ausreichen, wird im Rathaus darüber nachgedacht, Wohncontainer aufzustellen. Aber auch Immobilien der Stadtentwicklungsgesellschaft an der oberen Kaiserstraße sind im Gespräch, um die Renovierung des Gebäudes an der Jülicher Straße zu überbrücken. Mit dem Thema wird sich der Sozialausschuss am Donnerstag, 14. März, 18 Uhr, im Rathaus befassen.

Für den Freundeskreis ist die Situation an der Jülicher Straße nicht akzeptabel. Sie soll schnellstens ein Ende finden. So wohnten etwa bis vor Kurzem noch fünf Tamilen aus Sri Lanka gemeinsam in einem Dachgeschossraum, nur getrennt durch Kartons und Decken, und das mehrere Jahre lang. Inzwischen hat der Freundeskreis zwei Tamilen in einer privaten Wohnung unterbringen können.

Insgesamt 21 erwachsene Männer leben in dem Haus mit erheblichen baulichen Mängeln, teilen sich größtenteils eine Toilette. Vor Kurzem waren es sogar noch 25 Männer. Manche von ihnen sind schon längst nicht mehr Asylbewerber. Ihre Anträge wurden positiv beschieden. Sie finden allerdings keine bezahlbare Wohnung und müssen weiter in der ehemaligen Volksschule hausen, die seit 20 Jahren als städtische Unterkunft genutzt wird.

„Die Menschen leben in einem Ghetto ohne Kontakt zu der sie umgebenden Gemeinschaft, haben keine Beschäftigung, da während des oft mehrere Jahre währenden Anerkennungsverfahrens ein Arbeitsverbot besteht“, erklärt Hohlfeld. Das verheiße tägliche Langeweile und Perspektivlosigkeit.

Der 32-jährige Iraker Sarmad Jakob etwa teilte sich über lange Zeit einen kleinen Raum mit einem Iraner und einem dritten Asylbewerber. Nun endlich hat Jakob eine eigene Wohnung in Würselen gefunden, ist überglücklich. In seiner Heimat wurde er als Christ verfolgt, mit dem Tod bedroht. Er hofft, nun endlich in Würselen „anzukommen“.

Ziel des Freundeskreises sind Beratung, Betreuung und Begleitung der Asylsuchenden auf ihrem Weg in die Gemeinschaft. „Besonders wichtig sind uns im Augenblick die Aufhebung der Ghettoisierung durch Unterbringung in privaten Wohnungen in enger Zusammenarbeit mit der kommunalen Politik und der städtischen Verwaltung, die unsere Bemühungen nach Kräften unterstützen“, sagt Hohlfeld.

Miete und Kaution sind dadurch gesichert. „Um die augenblickliche katastrophale Unterbringung der Asylsuchenden aufzuheben, brauchen wir preiswerte Wohnungen in der Größenordnung bis maximal 50 Quadratmeter für eine einzelne Person und bis maximal 65 Quadratmeter für zwei Personen“, sagt Hohlfeld. Ihm gehe es auch um den Abbau der Vorurteile und Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern in der Öffentlichkeit. „Das sind freundliche und fleißige Männer“, betont Hohlfeld, der sich gern auf eine Tasse Tee mit den jungen Männern verabredet, um die derzeitigen Probleme zu besprechen.

Seit März 2012 unternimmt er mit dem Freundeskreis Jülicher Straße 24 Versuche, die Lebensumstände der Asylbewerber zu verbessern. Mitstreiter sind bis heute die evangelische Pfarrerin Dorothea-Elisabeth Alders, Hildegard Hüring, Hermann Hoch, Alfred Dubois und Hans Peter Clahsen. Die Treffen finden monatlich, jeweils am ersten Mittwoch, im Gemeindezentrum der evangelischen Kirche an der Jülicher Straße 109 in Vorweiden statt. Am selben Ort sind Vertreter des Freundeskreises jeden Dienstag ab 18 Uhr für Asylbewerber und Interessierte direkt zu sprechen.

Kontakt: Hans Peter Clahsen, Telefon 0173/9905712 oder E-Mail freundeskreis-wuerselen@gmx.de.

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