„Unterfremden“: Kölner Kunst-Theater in Würselen

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Donia A. Touglo (links) und André Fängler erzählen sich in der Flüchtlingsunterkunft gegenseitig ihre Fluchtwege. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Würselen. „Dieses Theaterstück handelt von der Situation von Flüchtlingen in deutschen Flüchtlingslagern. Wir möchten gerne der Fremdenfeindlichkeit entgegen wirken“, so kündigte Natalie Thome, Präventionsbeauftragte des Jugendamtes, vor den Schülern von zehn 7. Klassen in Würselen die Aufführung „Unterfremden“ an.

In 70 Minuten überzeugte dieses Drei-Personen-Stück vom Kölner Künstler-Theater. Inhaltlich sollten fremdenfeindliche Positionen mit echten Menschen konfrontiert werden. Dabei wurden Informationen rund um das Thema Flüchtlinge mit einer packenden, teils humorvollen Geschichte verwoben, die sich an die Herzen und an den Verstand der Zuschauer richtete.

Darum ging es: Alkofa (Donia A. Touglo) aus Togo, und Kharim (André Fängler) aus Syrien lernen sich in einem Flüchtlingsheim kennen. Dort stehen ihnen Räume zur Verfügung, die wie in den meisten echten Unterkünften auch, nur mit Vorhängen voneinander getrennt sind. „So sieht es in den Turnhallen aus, in denen die Flüchtlinge zuerst einmal untergebracht werden.

Dort gibt es keine Privatsphäre. Und wenn die Flüchtlinge Pech haben, gibt es nicht mal Vorhänge, die ihre Feldbetten von den anderen abtrennen“, sagte der Schauspieler Marcel Eid nach dem Stück in einer Diskussionsrunde. Eid hat in dem Stück eine Doppelrolle. Zum einen spielt er Stefan, der im Flüchtlingsheim Sozialstunden machen muss, zum andern stellt er den Neonazi Mirko dar.

Stefan ist mit Leuten aus der rechten Szene befreundet, darunter auch Mirko. Während seiner Arbeit im Heim kommt Stefan jedoch den Flüchtlingen Alkofa und Kharim näher, die ihm die Geschichte ihrer Flucht erzählen. Sie schildern, wie sie ihre Angehörigen verloren haben – die Eltern von Alkofa sind tot – und wie sie sich auf lebensgefährliche Weise bis nach Deutschland durchschlugen. Sie erzählen von Tod und Leid, von Furcht und Angst, denn das alles haben sie auf ihrer Flucht erlebt.

Sechs Monate haben die Kölner für ihr Dokumentartheater in echten Unterkünften recherchiert. „Wir haben beispielsweise mit einem 15-Jährigen gesprochen, der mit seinem Bruder geflohen ist. Der Bruder ist auf der Flucht erschossen worden“, verriet Autor und Regisseur Georg zum Kley in der Publikumsdiskussion. Dass die Dialoge so authentisch wirken, ist kein Zufall: „Es ist alles so gesagt worden, wir haben uns wenig selbst einfallen lassen, nur die Mischung der Handlung“, sagte zum Kley.

Auch das Ende entspreche der Realität. Während Stefan in dem Theaterstück merkt, dass die Flüchtlinge ihm gar nicht fremd sind, plant Mirko einen Anschlag auf das Flüchtlingsheim. „Das war zunächst nur unsere Idee. Als wir das Stück geschrieben hatten, ging in Köln ein Flüchtlingsheim hoch – genauso, wie wir es uns ausgedacht haben“, erzählte zum Kley.

Geprägt von dieser Erfahrung baute er in den Text auch den wichtigen Tipp für die Zuschauer ein: „Glaubt niemandem, dass Menschen schlecht seien. Macht euch erst selbst ein Bild.“

Am Ende war der Applaus der Schüler des Städtischen Gymnasiums, der Realschule und des Heilig Geist Gymnasiums laut und lang. Das Stück hatte die Schüler so in den Bann gezogen, dass es die ganze Zeit über ganz ruhigs war.

„Wir unterstützen finanziell solche Themen, die wir von der Prävention und von der Schule als wichtige Themen ansehen“, sagte Natalie Thome. Und was lag da näher, als die Situation von Flüchtlingen zu thematisieren.

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