„Unsere kleine Insel im Alltag“: Das „Marktcafé“ in Baesweiler

Von: Margret Nußbaum
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Das Team vom Marktcafé Setterich freute sich über den Besuch der Kindergartenkinder. Von links: Annemie Hacking, Christa Weber, Erzieherin Marlen Bahr, Kindergartenleiterin Käthe Esser, Erzieherin Tamara Gillich, Therese Mertens und Renate Weißenborn. Foto: Margret Nußbaum
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Maria Göbbels, Edith Kuhn, Anneliese Moss, Irene Zillekens, Udo Haak, Margret Zander, Maria Küppers, Beatrix Bartz und Renate Kuiff (von links) bewirten im Wechsel mit einem anderen Team alle 14 Tage ihre Gäste im Marktcafé Baesweiler. Foto: Margret Nußbaum

Baesweiler. Zehn Jahre lang Woche für Woche an die 100 Brötchen samt Butter, Wurst, Gehacktem und Käse einkaufen. Schmieren, belegen, unzählige Kannen Kaffee kochen, an die 90 Menschen zum Frühstück begrüßen und für Jede und Jeden ein freundliches Wort haben. Zuhören, gemeinsam lachen oder auch mal weinen, trösten und Kontakte ermöglichen: All dies geht auf das Konto von zwölf ehrenamtlich tätigen Frauen der Pfarrgemeinde St. Petrus in Baesweiler.

Seit Anfang 2007 betreiben die Damen das „Marktcafé“ im Pfarrheim neben dem Markt. Es entstand aus einer Idee heraus, die viele Frauen nach dem Berufs- und Familienleben antreibt: „Man müsste etwas fürs Allgemeinwohl tun“, bringt Beatrix Bartz es auf den Punkt. Sie selber war Inhaberin eines Spielzeug-Geschäftes in Baesweiler.

Nach der Übergabe in jüngere Hände fehlte ihr plötzlich der Kontakt zu anderen Menschen. Schnell fanden sich Mitstreiterinnen, denen es ähnlich erging. Gemeinsam dachte man nach, und bereits nach kurzer Zeit stand fest: „Wir bieten im Pfarrheim freitags morgens zeitgleich mit dem Markt auf dem Kirchplatz Kaffee und belegte Brötchen an – in lockerer, gemütlicher Atmosphäre“, erzählt Edith Kuhn, eine der Helferinnen.

„Hier gibt es für wenig Geld ein leckeres Frühstück“, meint Udo Haak, Diakon der Pfarrgemeinde St. Marien Baesweiler. Er ist von Seiten des Pastoralteams Ansprechpartner für die ehrenamtlich arbeitenden Frauen. „Das Café trägt sich selber. Einnahmen und Ausgaben halten sich in etwa die Waage“, sagt er. „Und Überschüsse werden für caritative Zwecke gespendet.“ „Wir haben hier Preise wie vor 20 Jahren“, sagt Anneliese Moss, die seit fast neun Jahren im Marktcafé mithilft. Wohl wahr, denn ein halbes belegtes Brötchen kostet gerade mal 50 Cent, ebenso die Tasse Kaffee. Kein Wunder, dass die „Belegschaft“ sich über so viele Stammgäste freut.

„Viele kommen Woche für Woche. Wir haben hier sogar Stammtische“, sagt Renate Kuiff, eines der Gründungsmitglieder. Maria Hermann trifft sich wöchentlich mit ihren Freundinnen Ilse Letmathe und Trudi Mülner. „Das Marktcafé ist unsere kleine Insel im Alltag“, lobt sie. „Es geht locker zu, und alle sind freundlich.“ Maria Küppers freut sich jedes Mal auf ihren „Dienst“ im Marktcafé.

„Unser Team ist so groß, dass wir uns abwechseln und nur alle zwei Wochen Einsatz haben“, sagt sie. Ihre Intention mitzumachen? „Ich möchte in meiner Freizeit etwas Sinnvolles tun. Und ich arbeite gern hier. Man bekommt so viel zurück – an Dankbarkeit und Menschlichkeit“, sagt sie. Die meisten der Frauen sind zwischen Anfang 70 und Mitte 80. „Ermüdungserscheinungen kennen wir nicht“, sagt Beatix Bartz, 85 Jahre.

Gleiches Konzept in Setterich

Dies gilt auch für die Frauen der Katholischen Frauengemeinschaft St. Andreas Setterich. Deren Leiterin Annemie Kochs bietet mit ihrem Helferteam Woche für Woche donnerstags zwischen 9.30 und 11.30 Uhr im Settericher Pfarrheim belegte Brötchen und Kaffee an – zu den gleichen niedrigen Preisen wie in Baesweiler übrigens. „Der Gewinn geht in unsere Kasse. Wir spenden ihn jedoch eins zu eins der Pfarrcaritas oder auch den örtlichen Kindergärten“, erklärt Annemie Kochs.

Mit dem benachbarten Katholischen Kindergarten gibt es sogar hin und wieder Begegnungen – etwa in der Weihnachtszeit. Die Kinder singen dann, tragen Gedichte vor und verkaufen selbst gebackene Plätzchen. Die Settericher Damen betreiben ihr Café seit nunmehr acht Jahren. „Wir legen Wert auf solche Begegnungen innerhalb unserer Pfarrgemeinde“, sagt Käthe Esser, Leiterin des Katholischen Kindergartens. „Das erweitert den Horizont der Kleinen, und den Cafébesuchern wird es jedes Mal warm ums Herz, wenn die Kinder sie in der Weihnachtszeit mit Liedern und Gedichten erfreuen.“

Das Angebot wird rege genutzt

Der große Pfarrsaal ist durchweg gut besetzt – und das nicht nur zur Weihnachtszeit. „Viele kommen Woche für Woche zum Frühstück, bevor sie dann auf dem Markt nebenan einkaufen“, erzählt Annemie Kochs. Auch die Settericher Frauen arbeiten in zwei Gruppen. Sogar von weiter her kommen die Besucher, etwa Werner Gröbner aus Erkelenz. Er fühlt sich so wohl im Marktcafé, dass er Woche für Woche kommt

„Mittlerweile kenne ich viele andere Besucher“, erzählt er. „Wir nennen wöchentliche Treffen mittlerweile Erzähl-Café“, meint Friedel Schlösser aus Setterich. Wie Werner Gröbner gehört auch er zu den Stammgästen. Ebenso Ursula Back. „Eine so tolle Sache muss man unterstützen“, findet sie. „Ich freue mich immer schon auf den Donnerstag, auf meinen Stammtisch. Den möchte ich nicht mehr missen.“ „Man kennt sich und fühlt sich gut aufgehoben“, lobt Horst Müller, der mit seiner Ehefrau Maria ebenfalls zu den Stammkunden gehört.

„Und ganz nebenbei bekommt man wertvolle Tipps, etwa für die Gartenarbeit oder für den Haushalt“, meint er. „Wir Rentner können uns oft keinen regelmäßigen Cafébesuch leisten“, sagt Katharina Haschke. „Da ist es gut, ein so tolles, preisgünstiges Angebot vor Ort zu haben und ganz nebenbei nette Leute zu treffen.“

Sogar ganze Familien treffen sich im Settericher Marktcafé, etwa die 35-jährige Daniela Lipka. Sie hat ihre sechs Wochen alte Tochter Nora mitgebracht – sehr zur Freude der stolzen Oma, des Uropas und der Tante.

„Ein richtiges Familientreffen, das wir alle sehr genießen“, meint Daniela. „Ein Höhepunkt ist es für uns, wenn auch Noras großer Bruder, der dreijährige Malik, mitkommt“, meint Ramona Baltes, die stolze Tante der beiden. „Aber da müssen wir uns wohl bis zu den Kindergartenferien gedulden.“

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