Unitech: Mehr Firmenansiedlung aus Südkorea möglich

Von: Karl Stüber
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Auf Südkorea eingestellt: Der Technologie Park Herzogenrath beherbergt bereits die koreanische Firma Unitech. Foto: Sevenich, Bienwald, Leisten
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Lee Suon-Hong, Unitech-Präsident, erläuterte bei der Eröffnung der Niederlassung vor drei Jahren anhand verschiedener Materialien das Betätigungsfeld der Firma. Foto: Sevenich, Bienwald, Leisten
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Beim Besuch in Südkorea im März sammelte die Delegation aus der Städteregion Impressionen. Foto: Sevenich, Bienwald, Leisten
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Arbeiten an weiteren Firmenansiedlungen: (v.l.) Frank Leisten (Agit), Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch und Robert Savelsberg, Wirtschaftsausschuss Herzogenrath. Foto: Stüber

Herzogenrath. Was hat Herzogenrath mit Südkorea zu tun? Da ist schon einiges – und es soll deutlich mehr werden, lautet die Antwort. Seit 2014 ist die koreanische Firma Unitech im Technologie Park Herzogenrath (TPH) untergebracht.

Unitech hat dort eine neue Forschungs- und Entwicklungsabteilung eingerichtet und nutzt die geografisch günstige Lage im Dreiländereck als „Tor zu Europa“, sagt Rodas Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU). „Die Mitarbeiter fühlen sich bei uns wohl.“

Die Firma entwickelt und produziert Klebe- und Dichtungsmaterialien, die vor allem in Autos, aber auch Schiffen und für elektronische Bauteile verwendet werden. Immer mehr klassische Schweißnähte werden durch Verklebungen ersetzt. Neue Betätigungsfelder gilt es zu erschließen und Märkte zu erobern.

Und diese Firma könnte nun als Referenzadresse dienen, um das Tor zu Südkorea noch ein gutes Stück weiter aufzumachen, um Firmen von dort in Herzogenrath und der Städteregion Aachen anzusiedeln. Denn Ende Mai kommt Herr Je aus dem südkoreanischen Ansan in die Region – und auch nach Herzogenrath. Das ist kein Zufall, denn der Hauptsitz der Firma Unitech befindet sich in Ansan.

Herr Je heißt mit vollem Namen Jong Geel Je und ist Bürgermeister dieses „Vororts“ von Seoul, wobei dieser Begriff über die tatsächliche Größe und Bedeutung dieser Kommune hinwegtäuscht. Denn Ansan hat rund 760 000 Einwohner. Da gibt es mehrere Hochschulen, so das Ansan College, das Ansan College of Technology, das Seoul Institute of the Arts und ein Campus der Hanyang-Universität.

Dort wird die höchste Dichte an Hochschulen in Südkorea verzeichnet, war im Herzogenrather Wirtschaftsausschuss zu hören, der unter Vorsitz von Robert Savelsberg befürwortete, dass die Stadt Herzogenrath jetzt gezielt eine strategische Partnerschaft mit Ansan „eruiert“ (ausfindig macht, prüft). Denn Ansan verfügt auch noch über ein Technologiezentrum, das im Grundsatz dem TPH entspricht.

Strategischer Stützpunkt

Herr Je kommt nicht allein in den Nordkreis. Er wird von Vertretern der Forschungseinrichtungen, der Wirtschaft und Wirtschaftsförderern aus Ansan begleitet. Es ist der Gegenbesuch zu einer aufschlussreichen Visite einer Delegation aus und von der Städteregion Aachen, die sich im März am Rand von Seoul aufhielt und sehr zuvorkommend aufgenommen wurde, wie von den Driesch erzählt.

Neu daran war, dass sich erstmals in Südkorea auf der lokalen und regionalen Ebene gemeinsam Vertreter von Wissenschaft, Wirtschaftsförderung und Politik aus der Städteregion Aachen vor Ort für eine Kooperation eingebracht haben, sagt der Bürgermeister.

Dazu gehörten Prof. Dr. Thomas Gries von der RWTH Aachen (Institut für Textiltechnik), Vertreter der Wirtschaftsförderung (Agit = Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer) und der Städteregion, also Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) und Herzogenraths Bürgermeister.

Die Gespräche über Hochschulen, bei Firmen, mit politischen und staatlichen Repräsentanten seien alle „von dem Geist eines hohen Willkommens und großen Interesses an weiteren Kontakten geprägt“ gewesen. Anders ausgedrückt: Da wurde Witterung aufgenommen, um Geschäfte miteinander zu machen. Warum auch nicht, wenn dabei zusätzliche Wirtschaftsunternehmen in der Städteregion angesiedelt werden und so zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Die Fäden zur laufenden Anbahnung für weitere Firmenansiedlungen aus Südkorea in der Städteregion gezogen hat Frank Leisten, Mitorganisator und „Initiativnehmer“, wie von den Driesch hervorhebt. Leisten ist Abteilungsleiter Investorenberatung der Agit. Die Rede ist von einer weiteren Firma aus Südkorea, die Interesse an einer Niederlassung in der Städteregion zeigt.

Namen werden aber wie Gold be- und gehandelt. Wirtschaftsförderung wird in der Anbahnungsphase in der Regel diskret betrieben, um nichts kaputt zu machen, heißt es. Leisten sagt, da brauche es einen langen Atem. Die Entscheidung der Firma Unitech, einen strategischen Stützpunkt in Herzogenrath einzurichten, fiel nach einem Investitionsseminar in Korea. Aus Kleinem kann also Großes erwachsen. Das lässt aktuell auf mehr aus Südkorea hoffen, und der Austausch läuft weiter.

„Wohlfühlfaktor“

RWTH-Prof. Gries gilt bei dem Austausch mit den südkoreanischen Partnern als wichtiger „Multiplikator“. Wenn sich Wissenschaftler beider Länder mit ihren Kontakten zu Wirtschaftsunternehmen einander näher kommen, werden Firmen hellhörig. Neueste Erkenntnisse in der Textiltechnik plus kommunale Forschungseinrichtungen plus Firmen führen oft zu guten Endergebnissen bei der Wirtschaftsförderung.

Die Rede ist vom Fuß in der Tür – und die Schuhgröße scheint zu wachsen. „Wir können punkten mit der Nähe zur RWTH Aachen und einer Reihe weiterer Forschungseinrichtungen“, sagt Leisten. Das war offenbar auch ausschlaggebend für die Ansiedlung der Firma Unitech in Herzogenrath. Dessen Bürgermeister fordert angesichts des Beispiels Unitech und des besonderen Engagements von Roda selbstbewusst auch weiterhin eine wichtige Rolle bei „Anbahnungen“ mit Firmen aus Südkorea ein.

Von den Driesch betont die Bedeutung von „weichen Standortfaktoren“. Mit der RWTH Aachen sei bereits gesprochen worden, um koreanische Studenten und Absolventen, die nach ihrem Studium Arbeit in der Städteregion gefunden haben, in das Bemühen, weitere Firmen aus Südkorea zu „gewinnen“, einzubinden. Es geht um das Vermitteln des „Wohlfühlfaktors“. Deutlich gemacht werden soll Herrn Je und seiner Delegation, dass im Umfeld der Aachener Forschungseinrichtungen gute Chancen bestehen, geeignete Fachkräfte zu gewinnen.

Aber von den Driesch sieht auch die Stadt Herzogenrath in der Pflicht, für geeignete Flächen zu sorgen, um Gastfirmen ansiedeln zu können. Mal sehen und hören, was Herr Je und die Seinen aus Südkorea sagen, wenn sie sich in der Städteregion und Herzogenrath umgesehen haben. Wahrscheinlich erst einmal nicht mehr als Höflichkeitsfloskeln. Denn Wirtschaftsförderung und -ansiedlung ist ein diskretes Geschäft.

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