Ungebetene Gäste: Junge fängt sich 36 Zecken ein

Von: Verena Müller
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Zecke, Zecken, Holzbock
Laut Pressestelle der Städteregion Aachen ist zwar gerade „Zeckensaison“, dass überproportional viele Fälle gemeldet worden seien, kann sie aber nicht bestätigen. Foto: Patrick Pleul/dpa

Alsdorf. Mit 36 Zecken am Körper ist ein zwölfjähriger Junge am Wochenende vom Spielen in einem Feld bei Alsdorf-Busch nach Hause gekommen. Die Eltern handelten schnell und fuhren mit ihrem Sohn nach Bardenberg ins Krankenhaus, um die Zecken von einem Arzt entfernen zu lassen.

Am Montag musste das Kind noch mal zum Hausarzt, nachdem die Eltern weitere Tiere entdeckt hatten. Sie seien sehr klein gewesen, sagte der Vater am Montag am Telefon. Und: „Die saßen an den unmöglichsten Stellen.“

Die Summe klingt zunächst dramatisch und auch die Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI), Susanne Glasmacher, spricht von einer „ungewöhnlich hohen Zahl“. Sie gibt aber zugleich Entwarnung: Selbst bei einer so hohen Zahl sei die Gefahr, sich mit Borreliose zu infizieren, gering, solange man die Zecken schnell zieht. „Es dauert in der Regel sieben bis acht Stunden, bis der Erreger aus dem Darmtrakt der Zecke bis zum Mundwerkzeug vorgedrungen ist“, so Glasmacher. Und das FSME-Risiko ist in den hiesigen Regionen eh verschwindend gering.

Laut Pressestelle der Städteregion Aachen ist zwar gerade „Zeckensaison“, dass überproportional viele Fälle gemeldet worden seien, kann sie aber nicht bestätigen. Wie kann es dann aber zu rund 40 Zeckenbissen kommen? Ist es das feucht-warme Wetter, das lokal zu einem sprunghaften Anstieg der Population geführt hat?

„Nein“, sagt die Parasitologin an der TU Braunschweig, Dr. Dania Richter, auf Nachfrage unserer Zeitung: „Der Lebenszyklus einer Zecke beträgt drei bis fünf Jahre. Sie vermehren sich bei veränderten Klimaverhältnissen nicht schlagartig. Sie sind aber bei feuchtem Wetter aktiver.“ Die „optimalen Witterungsverhältnisse“ für Zecken seien noch nicht abschließend geklärt, deshalb könne sie nur eine Tendenz nennen. „Bei Trockenheit sucht sich die Zecke eher feuchte Bodenschichten.“

Richter vermutet, dass der Junge aus Alsdorf schlicht das Pech hatte, auf ein Nest getroffen zu sein. „Larven bewegen sich nicht weit vom Eigelege weg“, sagt Richter. Da könne man sich „locker mal 100 Stück einfangen“. Die Parasitologin erklärt die unterschiedlichen Entwicklungsstadien eines Gemeinen Holzbocks (der am weitesten verbreiteten Zeckenart hierzulande) und den Zusammenhang mit Infektionsrisiken: „Ein Weibchen legt 1000 bis 2000 Eier. Daraus schlüpfen sechsbeinige, einen halben Millimeter große Larven. Diese tragen den Erreger noch nicht automatisch als Erbmasse der Mutter in sich, sie müssen sich erst infizieren.“ Verkürzt kann man also sagen, dass Larven noch ungefährlich sind.

Zwischen drei und 13 Millimeter

Nach einer solchen „Blutmahlzeit etwa an einem Vogel oder an einer Maus“ lasse sich die Larve fallen und entwickele sich in der Bodenschicht zu einer anderthalb Millimeter großen Nymphe. Diese zähle acht Beine. Wie alle Zecken gehört auch der Gemeine Holzbock, nebenbei bemerkt, deshalb zu den Spinnentieren. Nach erneutem Blutsaugen und anschließender Häutung setze das dritte Stadium ein, bei dem sich auch das Geschlecht herausbilde. Eine ausgewachsene weibliche Zecke sei rund drei Millimeter groß, vollgesogen kann sie 13 Millimeter erreichen.

„Das gefährlichste Stadium ist also die Nymphe, die sich schon infiziert haben kann, aber kaum zu sehen ist. Sie ist sehr klein und sieht fast wie ein Leberfleck aus“, sagt Richter.

Ob eine Zecke Erreger übertrage oder nicht, hänge alleine von den Wirtstieren in der Umgebung ab. „Vögel, Ratten und Mäuse gibt es überall“, sagt Richter, „Wiederkäuer hingegen nicht, sie mindern das Risiko.“

Für den Zwölfjährigen heißt es jetzt erst einmal: vier Wochen abwarten und beobachten. „Der Arzt hat uns aber schon beruhigt und gesagt, dass da wahrscheinlich nichts nachkommt“, so der Vater. Eine Behandlung sei laut Arzt trotz der Menge nicht nötig gewesen.

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