Unfallzahlen: Polizei setzt jetzt auch auf Fleißkärtchen

Von: Beatrix Oprée
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Schnelle Hilfe: Rettungkräfte versorgen eine verletzte Person. Symbolfoto: dpa

Nordkreis. Die Grengrachtschule war mit ihren „Verkehrszähmern“ bundesweit ganz vorne am Start. Grundschullehrerin Angela Baker-Price hatte das Projekt nach australischem Vorbild für Baesweiler entwickelt, das seit 2008 beispielhaft ist.

Das Prinzip ist einfach: Zu Fuß gehen wurde angesagt, um das alltägliche höchst unfallträchtige Bring- und Hol-Chaos vor dem Schulgebäude möglichst zu vermeiden. Und Eltern wurden aufgefordert, auf Geschwindigkeitsbegrenzungen und Zebrastreifen besonders zu achten. Der Clou: Zum Konzept gehören auch „Zaubersterne“ für jedes Kind, das auf dem Schulweg einen reflektierenden Sicherheitskragen trägt. Denn gute Sichtbarkeit ist das A und O.

Kooperation mit Schulen

Buchstäblich Schule machen soll diese Form der Prävention, so möchte es die Polizei, die nun ihrerseits mit Fleißkärtchen für kleine Sicherheitswestenträger aufwartet. Das versprochene „Hausaufgabenfrei“, das man sich so erwerben soll, lässt sich natürlich nur in Kooperation mit den Grundschulen umsetzen, die sich hoffentlich in großer Zahl beteiligen. Einen „Erreichungsgrad“ von 100 Prozent schwebt den „Schupos“ dabei vor. Denn Schulweg- und Unfälle mit Kindern generell bereiten der Polizei immer noch große Sorgen. Vor allem in Alsdorf und Würselen ist die Zahl verunglückter Kinder wieder gestiegen.

Die in 2004 im Zuge eines Maßnahmenkatalogs angepeilte Halbierung der Verkehrsunfallzahlen in der Aachener Polizeibehörde sei zwar „nicht ganz“ erreicht worden, wie Polizeipräsident Dirk Weinspach und Polizeirat Bernhard Kleefisch, Leiter der Direktion Verkehr, am Montag bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik darlegten. Doch viel ist erreicht worden, dem „Rückschlag“ in Form von teilweise gestiegenen Unfallzahlen in 2014 möchte man daher durch entsprechende Präventions- und repressive Maßnahmen begegnen – „um die Zehnjahresbilanz weiter zu sichern und auszubauen“.

Auch Radfahrer gefährdet

Radfahrer und Führerscheinneulinge gehören ebenfalls zu den Sorgenkindern, wenn auch im Nordkreis nicht so ausgeprägt wie andernorts in der Städteregion. Hinsichtlich der jungen Erwachsenen sieht die Polizei das aufrüttelnde Präventionsprojekt „Crash-Kurs“ noch nicht flächendeckend umgesetzt. Und in Bezug auf die Zahl der verunfallten Radler stach Würselen mit einer Steigerung von über 20 Prozent hervor. Zehn der Radfahrer verursachten den Unfall durch Fehlverhalten selbst, der Rest wurde beim Abbiegen von Pkw-Fahrern übersehen beziehungsweise deren Vorfahrt missachtet.

Drei Unfalltote hatte der Nordkreis im vergangenen Jahr zu verzeichnen, junge Erwachsene waren allerdings nicht unter ihnen: Am frühen Abend des 18. November geriet ein 58-Jähriger mit seinem Pkw in Alsdorf auf der B 221 im Bereich eines Feldwegs unter den hinteren Anhänger eines Traktorgespanns (Bild oben). Er starb an den Folgen der Kollision.

In der Nacht zum 6. September stieß ein 45-jähriger Kradfahrer auf Höhe der Kaiserstraße 83 in Kohlscheid aus unbekannten Grünen mit einem geparkten Pkw zusammen, stürzte und starb noch am Unfallort.

Und am Mittag des 24. Mai kam ein 57-jähriger Pkw-Fahrer auf der B 57 auf gerader Strecke bei Puffendorf in Fahrtrichtung Setterich ebenfalls aus nicht geklärter Ursache von der Fahrbahn ab. Er stieß frontal gegen einen Baum und erlag seinen schweren Verletzungen.

Die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten ist in Alsdorf und Baesweiler gestiegen. Örtliche Schwerpunkte gab es dabei nicht.

Schwerpunkt Bahnhofstraße

In Alsdorf verunglückten auch mehr Fußgänger als in 2013, die Zahl stieg von 21 auf 29. Hier hat die Polizei die lebhafte Bahnhofstraße mit Geschäften und dem Einkaufszentrum als Schwerpunkt ausgemacht. In 25 Prozent der Fälle trügen die Verunglückten selbst die Schuld, wie die Polizei darlegt. Sie seien etwa plötzlich hinter „Sichthindernissen“ hervorgetreten oder hätten die Fahrbahn überqueren wollen, ohne auf den Verkehr zu achten. In 75 Prozent allerdings trifft die Verantwortung die Pkw-Fahrer, aufgrund überhöhter Geschwindigkeit oder unachtsames Abbiegen.

Unfälle mit Kradfahrern sind besonders in Alsdorf angestiegen (+120 Prozent). In acht von elf Fällen wurden Biker von Pkw-Fahrern beim Abbiegen, Überholen oder Ein- und Anfahren in den Verkehr übersehen. 

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