Unbekannten Komponistinnen eine Bühne geboten

Von: ehg
Letzte Aktualisierung:
6644752.jpg
Sie zeigten, was Komponistinnen musikalisch geleistet haben: Ina Otte, Regina Heyne und Susanne Schrage (v.l.) wählten nur Werke von Frauen für ihr Konzert. Foto: W. Sevenich

Würselen. Mit „KomponistinnenLeben“ war ein außergewöhnliches Konzert überschrieben, zu dem das Kulturforum (KuFo) anlässlich des Jahresabschlusses 2013 in das Alte Rathaus eingeladen hatte. Gestaltet wurde es von drei virtuosen Musikerinnen, Ina Otte (Klavier), Maria Regina Heyne (Sopran) und Susanne Schrage (Flöten). Mit Worten und musikalischen Darbietungen machten sie die zahlreichen Besucher bekannt mit für sie bis dato recht unbekannten Komponistinnen.

Dabei spannten sie facettenreich den Bogen von der Mystikerin Hildegard von Bingen über Clara Schumann und Lilli Boulanger bis hin zu Ursula Wawroschek und der 1959 geborenen Heike Beckmann. Die gelungene Performance gab eine Antwort sowohl auf die Frage, ob Männer anders komponieren als Frauen, als auch, ob früher anders komponiert worden ist als heute.

Solo zur Einstimmung

Zur Einstimmung in das Konzert bot die Sopranistin das „Ave Maria“ von der 1098 geborenen und 1179 verstorbenen Hildegard von Bingen im Solo dar, eine erste Kostprobe ihrer stimmlichen und gestalterischen Qualitäten. Dann ein Abstecher des Trios in das 17. Jahrhundert. Die Konzertbesucher machten Bekanntschaft mit der Belgierin Elisabeth Jacquet de la Guerre, die als erste Frau eine Oper zur Aufführung brachte und als freischaffende Künstlerin zu ihrer Zeit wohlhabend wurde. Dramatisch-ausdrucksstark wurde ihre Kantate „Semelé“ dargeboten.

Für Clara Schumann war die Musik ein Stück ihres Leben. Für sie ging nichts über eigene Kompositionen. Und so schrieb die Frau von Robert Schumann 139 Konzerte in 16 Ehejahren. Unter anderem die Romanze in G-Moll für Klavier, mit der Ina Otte in diesem Konzert als Solistin brillierte. Mit „Un poète disait“ für Sopran und Klavier sowie „Cortège“ für Flöte und Klavier von Lili Boulanger, die wegen schwerer Lungenerkrankung keine Schule besuchte, aber als Musikern berühmt wurde und als Frau den ersten Kompositionspreis gewann, legte das Damen-Trio die musikalische Messlatte noch höher. Meisterinnen ihres Genres waren am Werk, die die Konkurrenz mit dem männlichen Geschlecht nicht scheuen brauchten.

Um den Vorurteilen gegenüber komponierender Frauen zu begegnen, hatte sich die nächste Komponistin einen Pseudo-Vornamen, Claude, zu gelegt. Bis in die höchsten Töne hinein brillierte die Querflöte beim „Concerto en Sol“ von Claude Arrieu (Belgien), die mit fünf Jahren schon komponierte. Mit Liedern zu Gedichten von Robert Gernhardt meldete sich Ursula Wawroscheck, eine äußerst vielseitige Künstlerin, zu „Wort“, die ihren eigenen Weg geht. Das auch für Neues aufgeschlossenen Publikum ging ihn mit.

Musik hat Jacqueline Fontyn, eine ausgebildete Jazzpianistin, den Menschen auf den Leib geschneidert. „3 Galgenlieder“ sprachen dafür. Mit Witz und Charme „serviert“, in der ersten Begegnung ungewöhnliche Kompositionen. Mit ihrer Kontrabassflöte setzte sich neben den beiden anderen Solistinnen Susanne Schräge ein weiteres Mal in Szene. Selbstironisch zeichnete das Trio „Frau von heute“ nach. Heike Beckmann hatte zu dieser komödiantischen Einlage die musikalische Vorlage geliefert. Vom begeisterten Publikum gefeiert, ließ die Zugabe nicht lange auf sich warten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert