Unbekannte stehlen den Bronze-Moses

Von: Georg Pinzek und Wolfgang Sevenich
Letzte Aktualisierung:
7590095.jpg
Die Moses-Skulptur auf dem Kreisverkehr an der Bahnhofstraße ist verschwunden: Unbekannte haben in der Nacht zum Donnerstag das Wahrzeichen der Stadt mit brachialer Gewalt vom Sockel getrennt und gestohlen. Die Stadt hat Absperrgitter aufgestellt. Foto: Wolfgang Sevenich
7589915.jpg
Die Stadt hat Absperrgitter aufgestellt. Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath. Das bronzene Moses-Denkmal – ein Wahrzeichen von Herzogenrath – ist in der Nacht zum Donnerstag von Unbekannten vom Sockel auf dem Rondell in der Nähe des Bahnhofs demontiert und gestohlen worden. Bei den Tätern handelt es sich wohl eher um Metalldiebe als Kunsträuber.

Dabei ist der ideelle Wert, den dieser „Moses“ für die Stadt und ihre Historie hat, gar nicht abzuschätzen.

„Ich bin schockiert über den dreisten Diebstahl“, erklärte Bürgermeister Christoph von den Driesch auf Anfrage unserer Zeitung. „,Moses‘ als Bronze-Figur, gestiftet von der Familie Schmetz, prägte seit 1962 das Herzogenrather Stadtbild. Ohne Respekt vor dem Herzogenrather Wahrzeichen sind die Diebe mit brachialer Gewalt zu Werke gegangen. Wir setzen alles daran“, versicherte der Bürgermeister, „dass die Straftat aufgeklärt wird und Moses hoffentlich zurückkehren wird.“

Bei der Polizei wurde Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Der bronzene „Moses“ hatte einst einen Vorgänger: Die Geschichte dieses „Moses“ beginnt in den Sandwerken von Nivelstein, die von dem Geschäftsmann Dunkel im Auftrag gegeben und von dem Bildhauer Wings geschaffen wurde. Kaufmann Dunkel wollte diesen Stein in aller Welt bekannt machen. So reiste „Moses von Herzogenrath“ mit der neu gebauten Eisenbahn zur Weltausstellung im Jahre 1856 nach Paris.

Das Kunstwerk erhielt eine Auszeichnung, aber es gab niemanden, der die fast vier Meter große und 750 Kilogramm schwere Figur kaufen wollte. „Moses“ kam nach Herzogenrath zurück. Er fand seinen Platz am Bahnhof und wurde von den Reisenden jahrzehntelang bewundert. Im Februar 1934 berichtete die Herzogenrather Zeitung: „Dienstagnacht wurde die Moses-Statue zerstört, die seit 1856 in der Nähe des Herzogenrather Bahnhofs stand und eine beliebte Sehenswürdigkeit für Besucher von nah und fern war. Man kennt sie unter dem Namen ,Moses von Herzogenrath‘.

Ein Teil hiesiger Geschichte ist uns hiermit verloren gegangen und wir sind überzeugt, dass die Attentäter nicht in unserer Gemeinde zu suchen sind. Kein hiesiger Bürger kann wegen solcher Grausamkeit und eines derartigen Mangels an Traditionsgefühl angeklagt werden. Wir hoffen sehr, dass die Zerstörer gefasst werden.“ Die Zerstörer wurden nicht gefasst. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in Herzogenrath mehr und mehr der Wunsch nach einem neuen „Moses“ laut. Die Bürger mussten fast zwei Jahrzehnte warten. Als der Nadelfabrikant Ferdinand Bernhard Schmetz zum Ehrenbürger von Herzogenrath ernannt wurde und die Bürger am 28. April 1962 mit einem Fackelzug feierten, kündigte er im Garten seines Anwesens an, dass die Stadt Herzogenrath einen neuen „Moses“ bekommen würde.

Als Schmetz Monate später das weiße Laken vom Bronze-Moses zog, waren nicht alle begeistert, es gab Kritik, aber auch viel Zustimmung. Ferdinand Bernhard Schmetz und der Schöpfer der Statue, Künstler Kurt Wolf von Borries, hatten ihre Vorstellungen vom „Moses“, die einen energischen Propheten zeigen sollte, der voller Zorn auf die Israeliten blickt, die um das Goldene Kalb tanzen. Die einzige Verbindung zu der Vorkriegsstatue war das Fundament. Der Künstler hatte „Moses“ mit Hörnern auf dem Kopf dargestellt. Die seltsame Auffassung von „Hörnern“ auf dem Kopf der Skulptur ist wahrscheinlich, so wurde später gemutmaßt, durch einen Bibel-Übersetzungsfehler aus dem He-bräischen entstanden. „Keren“ in der hebräischen Sprache bedeutet nicht nur „Horn“, es kann auch mit „Strahl“ übersetzt werden. Das Fest „Moses Wiederkehr“ wurde trotzalledem drei Tage lang groß gefeiert. Sogar internationale Presse in den USA und Israel berichtete.

Kein Platz für Rassismus

Jahre vergingen, der „Moses“ mit den Hörnern blieb standfest: Im Rahmen des Projektes „Herzogenrath hat keinen Platz für Rassismus“ stellten die Ratsfraktionen auf Initiative des Arbeitskreises vor über zehn Jahren den Antrag, das Denkmal mit einer Tafel zu versehen, auf der die Geschichte des „Moses“ samt Intention eingehauen werden sollte. Die Lösung von Peter Esser und Robert Simon fand Gefallen. Seit 2003 ist auf der einen Seite des Sockels ist das Relief des „alten Moses“ eingraviert, auf der anderen die Geschichte in Kurzform verewigt.

Leserkommentare

Leserkommentare (13)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert