Nordkreis - Umzüge: Nur zwei Reiter satteln die Pferde

Umzüge: Nur zwei Reiter satteln die Pferde

Von: Stefan Schaum
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„Podge“ ist dabei: Reiterin Sabrina Schmitt (3.v.l.) wird den schwarzen Wallach von Reitstallbesitzerin Marita Reinecke (3.v.r.) im Alsdorfer Rosenmontagszug für die Rot Weißen Funken präsentieren. Fotos (2): Stefan Schaum Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Sein englischer Spitzname passt richtig gut zu dem Irish-Tinker von Marita Reinecke: „Podge“, zu deutsch „Moppel“. Man kann leicht erkennen, warum das Pferd den bekommen hat. Noch einen zweiten hat die Alsdorfer Reitstallbetreiberin für ihn: „Prinz Valium“. So nennt sie das Tier auch nicht ohne Grund.

„Den bringt einfach gar nichts aus der Fassung.“ Deshalb hat sie auch nicht lang gezögert, das Pferd für den Rosenmontag an die KG Rot Weiße Funken Alsdorf zu vermieten. Denn die Gardisten wollen trotz Kritik seitens der Tierschützer, die vor allem den Einsatz von Beruhigungsmitteln anprangern, endlich wieder das tun, wozu sie sich unter anderem gegründet haben: In einem Narrenzug zu reiten!

Im vergangenen Jahr war nur der Gardist Dirk Biste auf seinem Pferd „Insider“ im Alsdorfer Umzug zu sehen. Und das war für ihn ein ziemlich heißer Ritt. „Als er auf dem Pferd in die Weinstraße geritten kam, hat jemand aus der Menge einen dicken Feuerwerkskörper gleich hinter das Pferd geworfen“, sagt Garde-Kommandant David Schmitt. Die Folge: Ein lauter Knall und ein Pferd, das sein Reiter nur mit Mühe und Not wieder unter Kontrolle bekommen konnte. „Der Wurf war geplant“, da ist Schmitt sich sicher. „Ein Unbekannter hatte uns vorher telefonisch mitgeteilt, dass was passiert, wenn wir reiten sollten.“

Ob der Täter nun ein übermotivierter Tierschützer war oder bloß jemand, der Aufmerksamkeit wollte, weiß David Schmitt nicht. Der Mann war seinerzeit in der Menge entwischt. Dass seine Tat den Gardisten das Reiten vermiest, dürfe aber nicht sein. Schmitt: „Unter normalen Bedingungen ist es für die Tiere nämlich überhaupt kein Problem, in einem Karnevalszug geritten zu werden.“ Zumal dieser Einsatz eine jahrzehntelange Tradition habe.

Das ist ein Zeichen

Dass neben Dirk Biste nun Sabrina Schmitt mit dem geliehenen „Podge“ dabei ist, ist auch als Zeichen zu verstehen: Wir lassen uns das nicht nehmen! Die Kinder müssen indes weiterhin warten. Die acht Kleinen der Nachwuchsreiterstaffel lassen ihre Ponys im Stall. „Die angespannte Lage ist für die Kinder zu heiß“, sagt David Schmitt, der sehr darauf hofft, dass bald mal wieder Ruhe in die Sache kommt. So etwas wie der Böllerwurf soll sich nicht wiederholen.

Schmitt: „Einige unserer Mitglieder werden ohne Uniform neben der Gruppe laufen und uns nach außen ein wenig abschirmen.“ Und bevor es eng wird am Zug – wenn der die Bahnhofstraße entlangzieht – sollen die Pferde komplett aus dem Lindwurm ausscheren. Sicher ist sicher.

Das denkt sich in Baesweiler auch Erich Theil. Und deshalb lässt der Vorsitzende des Festkomitees die Pferde wie im Vorjahr vorsorglich ganz aus dem Tulpensonntagszug raus. Gern tut er das freilich nicht. „Das war früher super, als bis zu acht Reiter der Ehrengarde dabei waren.“

Die Kritik der Tierschützer hält der passionierte Reiter für überzogen. „Eine leichte Beruhigung würde den Tieren nicht schaden“, glaubt er. Versuche, besonders gut trainierte Tier aus Reitställen zu leihen, sind am Geld gescheitert. „Die fordern derzeit bis zu 300 Euro für ein Tier. Das geht nicht.“ Auch er hofft, dass sich die Wogen wieder glätten. „Wenn keine Pferde mehr im Zug sind, stirbt wieder ein Stück Brauchtum. Die Tiere waren immer gern gesehen, ein echtes Highlight.“

In Alsdorf wollen sich die Rot Weißen Funken das nicht nehmen lassen. Die angekündigten Kontrollen seitens des Veterinäramtes fürchten sie nicht. Im Gegenteil. David Schmitt: „Die sollen sogar kommen und ihre Blutproben nehmen. Dann sehen sie, dass wir nichts benutzen und nichts zu verbergen haben.“ Und dann sattelt im kommenden Jahr womöglich die ganze Garde wieder auf.

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