Umstellung zur Sommerzeit verärgert die Bürger

Von: Annika Kasties
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Einmal Hand anlegen: Auch Uhrenverkäufer Hans-Jürgen Römer muss am Sonntag seine Uhren umstellen. Foto: Annika Kasties

Nordkreis. Es ist wieder soweit: Die Sommerzeit klopft in der Nacht zum Sonntag an die Tür. Und das mit zunehmend lauter werdendem Gepolter. Gewollt ist der halbjährliche Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit nur noch von den wenigsten.

Nur 26 Prozent der Deutschen halten die Zeitumstellung für sinnvoll. Die große Mehrheit (73 Prozent) fordert ihre Abschaffung. Das ergab eine aktuelle Umfrage, die von der DAK Gesundheit beim Forschungsinstitut „Forsa“ in Auftrag gegeben wurde. Während sich die meisten Menschen nach wenigen Tagen an den neuen Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnen, sei die Umstellung für einige mehr als eine lästige Unannehmlichkeit. Drei von zehn Befragten gaben an, nach der Zeitumstellung mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Auch steige laut DAK-Gesundheit das Herzinfarkt-Risiko.

Dr. Heribert Fritz, stellvertretender Direktor des Zentrums für innere Medizin am Medizinischen Zentrum Würselen, erklärt: „Durch die Zeitumstellung verschiebt sich der menschliche Biorhythmus. Gesunde Menschen haben eine ‚innere Uhr‘, die im Gehirn im Hypothalamus sitzt und das vegetative Nervensystem steuert.“ Die fehlende Stunde bringe den Hormonhaushalt durcheinander. Die Folge: Der Körper sende Stresshormone aus, die wiederum die Herzfrequenz erhöhen.

Auch für Babys in der Stillzeit kann der plötzliche Zeitumschwung unangenehm sein. Das heißt, vielmehr für ihre Eltern. „Für die Kinder ist die Zeitumstellung kein Problem. Die laufen nach ihrer inneren Uhr“, erklärt Ilona Bassen, Mitarbeiterin der Hebammenpraxis Storchengruß in Alsdorf. „Die merken einfach: Ich habe Hunger. Ich bin müde. Ich bin wach. Eine Belastung wird das nur für die Mütter.“ Bassen rät deshalb, die Kleinen langsam an die Umstellung zu gewöhnen und die Mahlzeiten täglich um circa 15 Minuten zu verschieben.

Nicht nur der Mensch reagiert auf das halbjährliche Drehen am Uhrzeiger. „Tiere haben einen gewissen inneren Rhythmus und merken, wenn sie plötzlich eine Stunde früher oder später gefüttert werden“, sagt Elisabeth Küppers vom Gnadenhof der Arche in Würselen. „Dann sind sie erst einmal etwas irritiert.“

Einen Anhänger findet die Sommerzeit auch nicht in Hans-Jürgen Römer. Und er muss es wissen, schließlich hat er von Berufs wegen ein besonders enges Verhältnis zur Zeit. „Schön ist das mit der Umstellung nicht. Das bringt die innere Uhr ganz durcheinander“, berichtet der Herzogenrather Uhrenhändler. In seinem Geschäft sind 70 bis 80 Uhren, die umgestellt werden müssten. Da freue er sich über jeden einzelnen Kunden, der seine Uhr noch vor der Umstellung abhole.

Glück haben hingegen diejenigen, die in der Nacht zum Sonntag ihren Schichtdienst antreten. Deren Arbeitszeit verkürzt sich um eine Stunde. Wenn die Uhr wieder nach der Winterzeit gestellt wird, müssen die Schichtarbeiter dann eine Stunde länger schuften. Stephan van Pey von der Freiwilligen Feuerwehr Herzogenrath gibt zum Wohle des Betriebsklimas jedoch Entwarnung: „Durch unseren Drei-Tages-Rhythmus trifft das die Kollegen jeweils alle drei Jahre. So gibt es also ausgleichende Gerechtigkeit.“

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