Ulrich Harbecke liest in der Pfarrkirche in Straß

Von: Christoph Hahn
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Zog die Zuhörer mit Balladen
Zog die Zuhörer mit Balladen und augenzwinkerndem Humor in den Bann: Journalist Ulrich Harbecke. Foto: Christoph Hahn

Herzogenrath. Ulrich Harbecke (69) ist ein Fernsehgesicht, immer noch: Obwohl er seit 2004, zuletzt als Leiter der WDR-Redaktion „Religion und Bildung” schon lange nicht mehr den Fernsehzuschauern das Wie und Warum in Kirche und Gesellschaft erklärt, besitzt der Journalist einen großen Wiedererkennungswert.

Im Herzogenrather Stadtteil Straß gehört der Gast aus Erftstadt sowieso schon fast zu den vertrauten Figuren. Jetzt hat er dort zum inzwischen dritten Mal gelesen - nach der Sonntagsmesse. Auf dem Programm: „Geballte Balladen” aus dem Buch „Heller Wahn”.

Von Gemeindereferent Wilfried Hammers willkommen geheißen, der an seinem Gast „Tiefe, Hintergründigkeit und Schelmenhaftes” schätzt, nahm Harbecke ohne große Umschweife an dem neben dem Altar aufgestellten Lesetisch Platz.

Von der freundlichen Neugier der rund 20 Zuhörer getragen, ließ er rhythmisch strukturierte Versmaße der Reime wie einen kleinen, murmelnden Bach dahinfließen - und offenbarte hinter dieser vordergründigen Leichtigkeit der Sprache einen nicht zu verkennenden Tiefgang und vor allem viel verschmitzten Humor.

Strauß an Balladen

Denn hinter den Zeilen lauert bei Harbecke immer wieder die Erkenntnis. Je mehr er seinen „kleinen Strauß von Balladen” - so der Autor - ausbreitet, um so mehr hat er zu erzählen. Szenen aus dem Mittelalter, die wirklich wahre Geschichte von der wunderbaren Brotvermehrung und dem Bauern Kendenich, die verlockenden Birnen in des Pfarrers Garten, Bischof und Banker im Zwiegespräch und Geschichte von Maria, dem „einfachen Mädchen aus Nazareth”: Das alles und noch mehr hatte Harbecke im literarischen Gepäck mitgebracht.

Immer mehr stellte sich im Verlauf der rund einstündigen Lesung heraus: Dieser Journalist im Unruhestand ist nicht nur ein flotter, begnadeter Reimer und augenzwinkernder Humorist. In ihm steckt auch ein Poet, der die Auferstehung als „Wunder in einer großen Stille” sieht, gläubig ist, und dabei Dogma und Frömmigkeit kritisch sieht.

So lässt sich seine Bemerkung zur Verehrung der Muttergottes verstehen: Harbecke warnt davor, „Maria zu verkleinern durch Überladen mit Kitsch und Getue”. Er will nicht nur unterhalten; Ideen und Ideale sind ihm mindestens ebenso wichtig. Der Mix machts, auch und gerade bei Ulrich Harbecke. Und das hat dem Publikum merklich gut gefallen.
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