Herzogenrath - Übergangswohnheim: erst abbruchreif, jetzt wieder bewohnbar

Übergangswohnheim: erst abbruchreif, jetzt wieder bewohnbar

Von: Beatrix Oprée
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Jetzt fehlt nur noch der ochsenblutrote Anstrich, abgesetzt in Grau: Sobald die Witterung es zulässt, werden auf das Gebäude an der Bierstraße Farbproben aufgetragen. Foto: Stefan Schaum

Herzogenrath. Erstaunlich, aber wahr: Das seit Jahren eigentlich als völlig marode diskutierte Übergangswohnheim an der Bierstraße steht Ende April wieder in vollem Umfang zur Verfügung. Große Teile des Obergeschosses waren schon vor Jahren aus Sicherheitsgründen gesperrt worden, auch von Pilzbefall war die Rede.

Ein Sanierungsaufwand von rund 600.200 Euro (inklusive Solaranlage und Holzpelletanlage zum kostengünstigen Betrieb des Hauses gar 800.000 Euro) hatte zuletzt im Raum gestanden, angesichts des Haushaltssicherungskonzepts eine völlig illusorische Summe. 50.000 Euro waren im vergangenen Jahr letztlich für die nötigsten Reparaturen im bewohnbaren Teil bereitgestellt worden. Quasi im stillen Kämmerlein hat das Technische Dezernat daraufhin gearbeitet.

Und siehe da: Die Mitglieder des Sozialausschusses waren bei der nichtöffentlichen Ortsbesichtigung angenehm überrascht von dem, was sie vorfanden. Und die Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses gaben sich entsprechend irritiert, als das ihrer Auffassung nach eigentlich zuständige Gremium nur fraktionsintern von der erfreulichen Tatsache informiert zu werden. Ob der Weihbischof bei seinem Besuch jüngst an der Bierstraße ein Wunder bewirkt habe?, fragte CDU-Fraktionschef Reimund Billmann im Bau- und Verkehrsausschuss provozierend nach.

Bei der Besichtigung der Kleinen Kommission des Bauausschusses vor Jahresfrist hätten sich manche gar nicht in die oberen Etagen getraut, fühlte sich Parteikollege Herbert Aretz gar über Jahre hinweg „betrogen“. Asbest sei in der Fassade, habe es immer geheißen, jetzt plötzlich könne das Haus in Ochsenblutrot gestrichen werden?

In der Bringschuld sieht SPD-Fraktionschef Gerd Neitzke die Verwaltung: Menschen würden in dem Gebäude untergebracht, da müsse eine gute Bewohnbarkeit eindeutig geklärt sein. Und Toni Ameis (Linke) hätte sich bei der Besichtigung Rede und Antwort durch einen Mitarbeiter des technischen Dezernats gewünscht.

Aufklärung gefordert

Lieber positiv als negativ überraschen lässt sich Dr. Bernd Fasel (Grüne). Alles, was sich seit der Besichtigung der Kleinen Kommission seinerzeit geändert habe („Da konnte man noch durch die Decke gucken“), sei ein neuer Beigeordneter, stellt er im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Ausdrücklich dankt er für Eigeninitiative und pragmatisches Vorgehen des Fachbereichs 4. Die „Merkwürdigkeiten“ aber müssten natürlich aufgeklärt werden – das „Wunder von Bierstraß“, wie Herbert Aretz es betitelt hatte.

Sukzessive habe sein Fachbereich die Dinge abgearbeitet, erläuterte der neue Technische Beigeordnete Ragnar Migenda im Ausschuss. Vor seiner Amtszeit getroffene Einschätzungen zum Zustand des Gebäudes könne er nicht beurteilen, sagt er auf Anfrage und betont die „guten Leistungen seines Fachbereichs“.

Die als einsturzgefährdet eingestufte Decke im rechten Gebäudeteil wurde abgestützt, neue Balken eingezogen, die Schadensbilder durch den Schimmel analysiert: Ursachen seien eine undichte Stelle in der Fassade gewesen und Feuchtigkeit unter Efeubewuchs. Letzterer wurde entfernt, das Mauerwerk von innen saniert.

Ebenso die von Stockflecken befallenen Duschen, die auf falsches Nutzerverhalten zurückgingen. Neue Fußbodenbeläge und Anstriche sowie neue Durchlauferhitzer gehören ebenfalls zum Renovierungsumfang, getragen aus dem 2013 bereitgestellten Etat. 70 Quadratmeter Wohnfläche werden bis Ende der Woche fertig, weitere 62 Quadratmeter bis Ende April.

Der Bedarf ist da, Herzogenrath stehe bei der Aufnahme von Flüchtlingen, deren Zahl immer noch wächst, derzeit im „Minus“, erläutert die Erste Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann. Die Zahlen ändern sich fast täglich. Da das Haus an der Bierstraße als Übergangsheim konzipiert ist, sei die Fluktuation sehr hoch. Die Stadt sei bemüht, dezentrale Wohnungen für Flüchtlinge zu finden.

Einer bleibt skeptisch – FDP-Fraktionschef Björn Bock: „Das heißt ja nicht, dass das Haus in Topzustand ist.“ Und: „Die Menschen werden an den Stadtrand abgeschoben.“

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