Baesweiler - Über Jahrzente hat sich Jorge Trigoso für die Ärmsten der Armen eingesetzt

Über Jahrzente hat sich Jorge Trigoso für die Ärmsten der Armen eingesetzt

Von: mn
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Drei, die Jorge Trigoso viel zu verdanken haben. Von links: Balde Souleymane aus Guinea, Jorge Trigoso selbst, Nasrin Sasclabady aus dem Iran und Shukrullah Khan aus Afghanistan. Foto: Margret Nußbaum

Baesweiler. Sie kommen mit leeren Händen, nur mit dem, was in einen kleinen Koffer oder Rucksack passt. Sie sind fremd hier, vermissen Familie und Freunde, die in einem der vielen Krisengebiete weltweit leben. Von dort mussten sie fliehen – oft unter schwersten Strapazen und dem Einsatz ihres Lebens.

Viele sind auch nach Baesweiler gekommen im Laufe der letzten Jahrzehnte. Und alle strahlen vor Freude, wenn sie den Namen des Mannes hören, der ihnen geholfen hat, hier Fuß zu fassen und ihre Traumata zu verarbeiten, auf Menschen zu stoßen, die selbstlos und aus christlicher Nächstenliebe Unterstützung leisten.

Der Mann, der für viele Flüchtlinge und Asylbewerber zum Rettungsanker geworden ist, heißt Jorge Trigoso. Jetzt wurde sein Lebensweg und sein Jahrzehnte langes Engagement für die Ärmsten der Armen im Pfarrheim St. Andreas gefeiert.

Eingeladen hatten der Nachbarschaftstreff Setterich und der Bezirksverband Aachen-Land der KAB.Der Sozialanthropologe Jorge Trigoso hatte – während seines Studiums in Lima, Peru, oder später an der Bonner Universität, an der er ein Aufbaustudium zur Promotion im Fachbereich Ethnologie aufnahm – immer das Ziel vor Augen, Menschen in zuweilen ausweglosen Situationen zu helfen.

Menschen in den 1980er Jahren

Den berühmten Satz des antiken Philosophen Konfuzius hat er sich zu eigen gemacht: „Gib einem Mann einen Fisch, und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen, und du ernährst ihn für sein Leben.“

Jorge Trigoso lernte in den 1980er Jahren in der Aachener Region Menschen kennen, die ähnlich dachten und sich in verschiedenen Sozial- und Kulturprojekten engagierten, etwa der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB oder seit 1989 der Gruppe für Ausländerfreundlichkeit in Baesweiler, zu deren Mitbegründern er zählt. „Die ehrenamtliche Arbeit ermöglichte mir, Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende in Baesweiler kennenzulernen. Ich bekam hautnah ihre Ängste und Probleme mit“, sagt Jorge Trigoso.

Beispiele: Shukrullah Khan, 22, aus Afghanistan, der seit 15 Monaten in Baesweiler lebt, oder Balde Souleymane, 25, aus Guinea. Die beiden jungen Männer lernen im Nachbarschaftstreff Deutsch. Hier wird ihnen das Gefühl vermittelt, willkommen zu sein.

„Er ist ein guter Mensch“, sagen sie wie aus einem Munde. „Jorge Trigoso hat mir geholfen, hier Fuß zu fassen“, erklärt die 54-jährige Nasrin Sasclabady aus dem Iran, die bereits seit 15 Jahren in Baesweiler lebt und hervorragend Deutsch spricht. „Jorge ist und war für mich der Fels in der Brandung“, sagt sie. Eine von Trigosos Mitstreiterinnen, die Sozialberaterin Luise Kube von der KAB, kennt den charismatischen Deutsch-Peruaner schon lange. Die beiden arbeiten als Team im Nachbarschaftstreff zusammen.

„Er hat das Haus stets mit Herz und Leben gefüllt“, lobt sie ihren Kollegen. Neben den Deutschkursen, der regelmäßigen Hausaufgabenbetreuung und Sprachförderung für ausländische Schülerinnen und Schüler und einer Nachhilfegruppe an der Barbaraschule stehen etliche Hausbesuche auf dem Programm der im Nachbarschaftstreff Tätigen.

Hinzu kommen die Mitarbeit beim Café Willkommen im Pfarrheim St. Andreas Setterich sowie die Koordination des Kleiderladens der KAB in der Settericher Hauptstraße. „Menschen wie Jorge - mit Ideen und der Hartnäckigkeit, diese auch umzusetzen – braucht die Welt“, sagt sein Mitstreiter Klaus Peschke aus dem Leitungsteam des Nachbarschaftstreffs. „Aber zuweilen mussten wir ihn bremsen, um ihn vor sich selber zu schützen.“

„Stellt seine eigenen Bedürfnisse zurück“

Angnes Schnieders, KAB-Sekretärin der Region Aachen-Land schließt sich den Komplimenten an: „Jorge Trigoso hat über viele Jahre das Gesicht des Nachbarschaftstreffs Setterich geprägt und immer nach dem Motto gelebt und gehandelt: ‚Wir wollen da sein, wo der Schuh drückt‘.“

Beeindruckt zeigt sich auch Bürgermeister Dr. Willi Linkens: „Für Jorge Trigoso ist es nie zuviel, einen Flüchtling in einer schwierigen Situation zu begleiten – ganz gleich, zu welcher Tageszeit. Hier stellt er stets seine eigenen Bedürfnisse zurück.“

Jorge Trigoso selber blickt voller Dankbarkeit auf 27 ereignisreiche Jahre der Gruppe für Ausländerfreundlichkeit und des Nachbarschaftstreffs Setterich zurück: „Es war Pionierarbeit - nicht nur in Baesweiler, sondern in der ganzen Region. Und es war immer wieder schön, wenn wir entwurzelten Menschen, die alles verloren hatten, einen Ort der Zusammenkunft, Hoffnung und Hilfe bieten konnten. Ohne die vielen Helfer – Bistum, Caritas und KAB Aachen, die christlichen und muslimischen Gemeinden, die VHS Nordkreis, die Städteregion, die Stadt Baesweiler und Schulen vor Ort – hätten wir das alles nicht stemmen können“, lobt er.

Jorge Trigoso, mittlerweile 79 Jahre alt, möchte nun Adieu sagen und sich mehr Zeit gönnen – nicht zuletzt für seine Familie. Doch angelehnt an das Lied von Trude Herr „Niemals geht man so ganz“ wird er dem Nachbarschaftstreff treu bleiben – zumindest in der Beratung von Flüchtlingen.

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