Über 150 Jahre alte Fahne landet im Archiv

Von: ehg
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Übergabe der Fahne des Orchesters der Stadt an das Kulturarchiv: (v.l) Heinz-Josef Küppers (Leiter des Archivs), Dirigent Manfred Kremer, Norbert Pütz (Sohn des langjährigen Vorsitzenden), Helga Schneider (Geigerin) und Peter Frohn (Notenwart). Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Beim Orchester der Stadt Würselen ist der allerletzte Vorhang gefallen. Nachdem die Formalitäten der Auflösung erledigt waren, machten die mit der Abwicklung beschäftigten Mitglieder des Orchesters, Manfred Kremer, Helga Schneider, Peter Frohn und Norbert Pütz, dem Kulturarchiv im Alten Rathaus ihre Aufwartung.

Sie überbrachten dessen Leiter Heinz-Josef Küppers als Erinnerungsstück die im Jahr 1860 von Schwestern vom Armen Kinde Jesu mit der heiligen Cäcilia, der Patronin der Kirchenmusik, bestickte Vereinsfahne samt Fahnenschleifen. Gegründet worden war der Instrumentalverein Würselen, der Anfang der 1980er Jahre in Orchester der Stadt Würselen umbenannt wurde, 1846 als Prozessionskapelle.

Beim festlichen Akt der Übergabe weckte das wertvolle historische Dokument, das in einem erstaunlich guten Zustand ist und wie Heinz-Josef Küppers bemerkte, vor allem die Wirren des Zweiten Weltkriegs überlebt hat, vielfältige Erinnerungen.

Helga Schneider, die von 1956 an mit einigen Unterbrechungen ein halbes Jahrhundert lang im Orchester Geige spielte und auch im Vorstand aktiv war, erzählte in bewegten Worten, wie sie von Johann Gorgels (Trommel) noch rechtzeitig vor dem Beschuss aus dem Vereinslokal Lynen an der Kaiserstraße gerettet worden war.

Norbert Pütz (Schlagzeug) steuerte zu den vielfältigen Erinnerungen ein Erlebnis aus Kindertagen bei, als er dem jungen Dirigenten Manfred Kremer das erste Mal begegnet war. Trompeter Peter Frohn, der 35 Jahre im Orchester als Notenwart seine Pflicht treu erfüllte, wartete mit einer Anekdote zur allgemeinen Erheiterung angesichts des traurigen Anlasses auf.

Für Manfred Kremer schlug 1974 mit dem Bariton Karl-Heinz Lippe und dem Lambertus-Chor Kerkrade die große Stunde der Gala-Konzerte. Viele namhafte nationale und internationale Sängerinnen und Sänger erfreuten über die Jahre mit Arien und Liedern aus Opern, Operetten und Musicals.

Lob und Anerkennung gebührte in dieser Runde posthum dem Vorsitzenden Albert Pütz, der bis zu seinem Tode von 1963 an das Amt des Vorsitzenden des Instrumentalvereins bekleidete und in dieser Zeit die Triebfeder des Musikvereins war. Nicht unerwähnt erließ Peter Frohn, dass Albert Pütz fünf Jahrzehnte mit „seiner“ Bläsergruppe am Heiligen Abend vor St. Sebastian und später im Seniorenzentrum an der Klosterstraße weihnachtliche Lieder intonierte.

Eine Tradition, die Manfred Kremer mit seinen Freunden, der polnischen Sopranistin Jolanta Kosira und dem niederländischen Bariton Robert Pluymen, fortführt. So ganz sang- und klanglos wollte das Orchester nicht von der Bühne abtreten. Im April 2016 sagte es in seiner Salon-Besetzung im Alten Rathaus „leise Servus“.

Die mit der Auflösung betrauten Musiker hatten neben der Fahne, die bei allen Auftritten des Orchesters mehr als 150 Jahre mit von der Partie war, auch noch vier Fahnenschleifen im „Gepäck“. Zwei riefen Erinnerungen an die Konzertreisen des Orchesters in die bretonische Partnerstadt Morlaix im Jahre 1986 und 1992 wach.

Die älteste Schleife stammt aus dem Jahr 1896, ein Geschenk der Musikerfrauen anlässlich des 50-jährigen Bestehens. Die vierte Schleife stammt aus dem Jahr 1971, als der Instrumentalverein 1846/Orchester der Stadt Würselen den 125. Geburtstag feiern konnte. Fahne und Schleifen werden im Kulturarchiv in der Fahnengalerie an der Seite von vier anderen historischen Stücken einen würdigen Platz finden. Der Leiter des Kulturarchivs weiß den Wert der überbrachten Vereinsdokumente hoch zu schätzen. Er bedankte sich für das wertvolle Geschenk.

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