U3-Plätze: Arbeit für die Quote läuft auf Hochtouren

Von: Markus Bienwald
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Kommt gut an: Wie hier im Städtischen Kindergarten in Pannesheide, ist die Betreuung für Kinder unter drei Jahren sehr gefragt. Foto: M. Bienwald
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Arbeit für den Ausbau: Der Neubau des Städtischen Kindergartens in Merkstein ist durch den langen Winter stark verzögert, dennoch bewegt sich einige ganze Menge. Foto: M. Bienwald

Herzogenrath. 41,3 Prozent: ein tolles Ergebnis. Da waren sich die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses am Donnerstagabend sicher. Mit dieser Zahl liegt die Stadt Herzogenrath auf einem Spitzenplatz in Sachen „Kinderbetreuungsbedarfsplanung“ in der Region. Umgangssprachlich ist damit „KiBiz“ gemeint, das bereits am 1. August 2008 in Kraft getretene Kinderbildungsgesetz, das ab 1. August dieses Jahres einen Rechtsanspruch auf die Tagesbetreuung von Kindern unter drei Jahren (U3-Plätze) zusichert.

Es gibt drei buchbare Stundenpakete – 25, 35 oder 45 Betreuungsstunden pro Woche. So müssen die Träger von Kindertagesstätten im Stadtgebiet neben den Stunden auch entsprechende Plätze und die zusätzlichen räumlichen Bedingungen für Ruhezonen oder Wickelbereiche vorhalten. Das bedeutet mal mehr, mal weniger umfangreiche Um- und Neubaumaßnahmen in den einzelnen Einrichtungen.

Mit den 41,3 Prozent liegt Herzogenrath deutlich über der von Bund (35 Prozent) und Land (32 Prozent) geforderten Deckungsquote für die Betreuung dieser Kinder. Konkret sind es insgesamt 470 Betreuungsplätze in der ganzen Stadt, davon 318 in Kindertageseinrichtungen und 152 in der Tagespflege. Selbst nach einzelnen Stadtteilen aufgeteilt, liegt die Betreuungsquote über den Vorgaben. Spitzenreiter ist hier der Stadtteil Mitte, einschließlich Straß, mit 44,3 Prozent, gefolgt von Merkstein mit 40,06 Prozent und Kohlscheid mit 39,7 Prozent. In diese Quoten sind allerdings bereits beschlossene Erweiterungen beziehungsweise Gruppenumwandlungen eingeschlossen. So wird die umgebaute städtische Kindertagesstätte (Kita) Merkstein künftig 22 U3-Plätze und 28 Ü3-Plätze bieten. Allerdings verzögern sich dort aufgrund der herrschenden Witterung die Bauarbeiten, so dass nicht wie geplant zum 1. August gestartet werden kann.

Auf Nachfrage bestätigte Jugendamtsleiter Andreas Heine, dass hier mit „circa vier bis sechs Wochen“ Verzug zu rechnen sei. Eventuell, so Heine weiter, könne eine Überbrückungslösung im Streiffelder Hof stattfinden, bis die Räumlichkeiten dann zur Verfügung stehen.

Nachfrage-Fragen

Ein Sonderfall ist die Tageseinrichtung St. Katharina in Kohlscheid: Dort gibt es eine sehr große Nachfrage der Eltern nach U3-Plätzen, bislang besteht allerdings nur die Möglichkeit, sechs U3-Kinder aufzunehmen. Gleichzeitig ist die Nachfrage für Kinder zwischen drei und sechs Jahren geringer, so dass in diesem Teil der Kita 21 Plätze nicht belegt werden können. Ein Anbau und eine Umwandlung würden hier sechs weitere U3-Stellen schaffen, nach Bedarfslage würde dann 2014 über die Schaffung weiterer zehn Plätze entschieden. Der katholische Träger erhält für die Schaffung von zunächst sechs Betreuungsplätzen 108 000 Euro an Fördermitteln.

Insgesamt zeigten sich die Ausschussmitglieder mit dem Erreichten und Geplanten sehr zufrieden. „Wir dürfen uns nicht auf diesem Zahlenwerk ausruhen“, fand SPD-Vertreter Bruno Barth, „denn wie der tatsächliche Bedarf ist, kann man seriös nicht sagen.“ Vielmehr sei davon auszugehen, dass der Bedarf steigen werde, trotz „Herdprämie“ und teils rückwärtsgewandter Familienpolitik. Renate Gülpen (CDU) freute sich darüber, dass die Roda-Stadt bereits „seit längerem“ einen Spitzenplatz einnehme, was auf einer vernünftigen Arbeit von Rat und Verwaltung fuße.

Marcel Offergeld erinnerte daran, nicht die Tagespflege außer Acht zu lassen. Damit könne flexibler auf die Bedürfnisse reagiert werden. Das Wort „Herdprämie“, von Bruno Barth nach eigenen Angaben nur genutzt, weil es in der politischen Diskussion auftauche, sorgte dann noch für ein paar Wellen in der Diskussion. „Eine Unverschämtheit“, fand Renate Gülpen, sie sprach sich eindringlich dafür aus, verschiedene Lebensentwürfe von Menschen mit oder ohne Kindern zu respektieren. „Das hat nichts mit Lebensentwürfen zu tun“, konterte Walther Mathieu von Bündnis 90/Die Grünen, „denn das, was unsere Kitas zu bieten haben, kriegen die meisten Eltern nicht gebacken“.

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