Turnhalle wird zu Erstaufnahmestelle

Von: Beatrix Oprée
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Ein alter Bierdeckel weist auf den eigentlichen Verwendungszweck des Festzeltes hin: Wo bisher getanzt wurde, werden ab kommender Woche in Herzogenrath Flüchtlinge in Empfang genommen. Foto: Markus Bienwald
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Und die Turnhalle An der Waidmühl soll ihnen als Unterkunft dienen. Foto: Markus Bienwald
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Da sich hier wie in Bochum die Deckenkonstruktion als unsachgemäß installiert erwiesen hat, mussten die Platten vorsorglich entfernt werden. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Kurzfristige Unterbringungsersuchen für große Gruppen an Hilfesuchenden aus Kriegsgebieten werden wohl die Regel werden in den Städten und Gemeinden landauf landab. So hat die Bezirksregierung Köln jetzt verfügt, dass Herzogenrath schnellstmöglich eine Erstaufnahmestelle für bis zu 150 Flüchtlinge einrichtet. Bereits ab Beginn der kommenden Woche sollen die ersten Menschen eintreffen.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, berichtet Bürgermeister Christoph von den Driesch auf Anfrage unserer Zeitung. Nach eingehender Prüfung sei eine vorübergehende Unterbringung der hilfesuchenden Menschen in der Turnhalle An der Waidmühl in Merkstein vorgesehen. Ein besonderer Kraftakt, da diese Halle auch zu jenen gehört, in denen die Deckenabhängung nachgrüstet werden muss (siehe Seite 23). Ein Krisenstab ist eingerichtet, auch die Flüchtlingshilfe der evangelischen Kirche und die ehrenamtlichen Helfer des Arbeitskreises „Hand in Hand“ stehen bereit und haben mit den Vorbereitungen begonnen, um die Neuankömmlinge gut in Empfang zu nehmen, wie Anne Fink vom AK berichtet.

Infoveranstaltung für Anwohner

Um vorab auch die Anwohner in Kenntnis zu setzen, lädt Bürgermeister Christoph von den Driesch zu einer Infoveranstaltung ein am Montag, 17. August, 19.30 Uhr, in die Feuerwache Sebastianusstraße in Merkstein. Hier können die Bürger alles über die organisatorischen und sonstigen Abläufe erfahren. „Ich darf Sie bitten, von diesem kurzfristigen Angebot Gebrauch zu machen, um eventuelle Unsicherheiten zu dieser neuen Situation im Vorfeld klären zu können“, appelliert der Bürgermeister.

Zusätzlich hat er alle Anwohner im Umkreis von 500 Metern mit Handzetteln informieren lassen und zur Veranstaltung eingeladen.

Überdies ins Bild gesetzt worden sind die diversen Vereine, die die Halle gewöhnlicherweise nutzen. „Bei den Vereinsvertretern bin ich auf großes Verständnis gestoßen“, sagt von den Driesch. „Darüber bin ich sehr froh!“

Indessen werden an der Waidmühl alle Maßnahmen ergriffen, um die Flüchtlinge menschenwürdig empfangen zu können. Einen Bereitschaftsdienst über das Wochenende werde die Stadt nicht vorhalten müssen, um Neuankömmlinge unterzubringen, habe von den Driesch bei der Bezirksregierung noch erfragt. Froh über die Luft, die der Verwaltung und den vielen einsatzbereiten Ehrenamtlern bleibt, um alles Nötige zu organisieren.

So wird die Turnhalle mit Trennwänden und Feldbetten ausgestattet, Material, das bundesweit allmählich knapp wird. „Mittlerweile gibt es richtige Verteilungskämpfe“, sagt von den Driesch. „Wir hatten Glück und haben rechtzeitig ausreichend Betten gebunkert. So können wir den Menschen ersparen, auf bloßen Matratzen liegen zu müssen.“

Neben der Halle ist ein Zelt errichtet worden, um die Registrierungen und die medizinische Erstuntersuchung vornehmen zu können, aber auch, um den Menschen Aufenthaltsmöglichkeiten zu bieten. Von den Driesch: „Wir wollen eine menschenwürdige Umgebung schaffen, so gut es geht!“

Decken, Erstausstattungspakete mit Zahnbürste, -pasta, Seife und Handtuch werden zusammengetragen, die Halle mit zusätzlichen Brandmeldern und Feuerlöschern ausgerüstet.

Was die ärztliche Versorgung angeht, ist von den Driesch sehr beruhigt, im Medizinischen Zentrum der Städteregion „einen guten Partner zu haben, mit dem wir eng zusammenarbeiten“. Viele Details sind noch zu klären, etwa wie genau die Registrierung und die Auszahlung der Leistungen vonstatten gehen soll. Auch wer die neuen Aufnahmestelle künftig betreiben soll, wird noch verhandelt. Von den Driesch verweist auf die Hilfs- oder Spezialorganisationen: „Wir als Kommune können die nötige 24-Stunden-Betreuung vor Ort nur eine bestimmte Zeit leisten.“

So froh der Bürgermeister über die viele ehrenamtliche Unterstützung ist, die bereits jetzt schon avisiert worden ist, so klar richtet er seine Forderungen an die Politiker in Bund und Land: „Wir vor Ort geben gerne unser Bestes.“ Doch das derzeitige System, Menschen kurzfristig auf Kommunen zu verteilen, könne auf Dauer nicht funktionieren. „Zwischen Bund und Land muss besser koordiniert werden. Und auf Bundes- und Landesebene müssen weitere Erstaufnahmestätten eingerichtet werden!“

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