Türken im Nordkreis zeigen wenig Interesse an der Wahl

Von: gp/hob/be a/ssc
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Nordkreis. An der Wahl zum türkischen Präsidenten haben auch die in Deutschland lebenden Türken teilnehmen können. Doch das Angebot ist auf eine schwache Resonanz gestoßen.

Die Wahlbeteiligung lag lediglich bei neun Prozent. Für die Integrationsräte im Nordkreis sind die Gründe dafür leicht ausgemacht.

Üstün Gözler vom Würselener Integrationsrat weiß, „dass das Interesse auch bei den in Würselen lebenden türkischen Staatsbürgern an der Wahl überhaupt nicht groß war.“ Das liege am komplizierten Verfahren. Um in Düsseldorf seine Stimme abgeben zu können, wären für viele zwei Fahrten nötig gewesen: einmal, um sich registrieren zu lassen, denn nicht jeder hätte die Möglichkeit, das über das Internet zu erledigen, und ein weiteres Mal bei der Wahl. Wenn die Wahl zeitgleich am Tag der Europa-, Kommunal- und Integrationsratswahl am 25. Mai gewesen wäre und die dafür eingerichteten Wahllokale vor Ort hätten mitbenutzt werden können, „wäre die Beteiligung garantiert stärker gewesen“.

„Die meisten sind Pro-Erdogan“

Seine türkische Staatsangehörigkeit hat Mevlüt Zorlu gegen eine deutsche eingetauscht. Trotzdem interessieren den Vorsitzenden des Alsdorfer Integrationsrates auch die Entwicklungen in seiner ehemaligen Heimat: „Wäre ich noch Türke, hätte ich mein Wahlrecht ganz bestimmt wahrgenommen“, sagt er. Er räumt ein, dass dies wegen der Online-Registrierung im Wählerverzeichnis und dem Weg bis ins für den Nordkreis zuständige Wahllokal in Düsseldorf eine etwas beschwerliche Prozedur sei. Darin sieht auch er in Deutschland die geringe Wahlbeteiligung begründet. „Sein Bürgerrecht muss man aber wahrnehmen. Das gilt in Deutschland wie in der Türkei.“ Der Großteil seiner türkischen Bekannten sieht das genauso. „Viele von ihnen sind auch wählen gegangen“, hat Zorlu erfahren. Die meisten seien Pro-Erdogan eingestellt. „Viele positive Veränderungen der vergangenen Jahre in der Türkei sind in den Augen meiner ehemaligen Landsleute sein Verdienst. Sie wünschen sich ihn als Staatspräsidenten.“

Kazim Karakök, der stellvertretende Integrationsratsvorsitzende in Baesweiler, ist nicht nach Düsseldorf gefahren. Er wäre gerne, doch habe es zeitlich nicht gepasst. „Mein Vater und meine Tochter sind aber zur Wahl gefahren“, sagt er. Und das könne er gut verstehen. Wenn man diese Gelegenheit bekommt, sollte man sie auch nutzen sagt er mit Blick darauf, dass er im Urlaub viel Zeit in der Türkei verbringt. „Uns ist sehr daran gelegen, dass es der Türkei gut geht“, sagt er, doch die Rolle, die Erdogan dabei spielt, mag er lieber nicht kommentieren.

Auch Fehmi Tarasi, Vorsitzender des Integrationsrats in Herzogen-rath, ist nicht nach Düsseldorf gefahren, um seine Stimme abzugeben, „es war mir viel zu zeitaufwendig, ich habe es nicht geschafft“, sagt er. „Wenn es eine andere Möglichkeit gegeben hätte, ware ich wählen gegangen.“ Tarasi lebt seit 35 Jahren in Deutschland, an den Integrationsratswahlen haben er und seine Familie stets teilgenommen. Von den rund 250.000 Türken, die jetzt in Deutschland an den türkischen Wahlen teilgenommen haben, seien viele bestimmt zum ersten Mal dabei gewesen. Einige hätten dies sogar über Facebook verkündet, stolz darauf, den Präsidenten mit gewählt zu haben. Tarasi: Demokratie lebt ja durch Wahlen. Den türkischen Migranten fehlt in Deutschland allerdings dieses Wahlrecht. Deswegen fühlen sich hier viele als nicht dazugehörig. Es fehlt im Leben etwas.“

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