Alsdorf - Tschernobyl-Kinder: Gelbe Helme und Fahrt „unter Tage“ sind der Renner

Tschernobyl-Kinder: Gelbe Helme und Fahrt „unter Tage“ sind der Renner

Von: ust
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Die gelben Helme im Energeticon hatten es den Kindern aus Tschernobyl besonders angetan. Foto: Ute Steinbsuch

Alsdorf. Im übertragenen Sinne war es ein ganz besonderer Moment, als die 19 Kinder und zwei Begleiterinnen das Energeticon betraten. Die Kinder waren zum Teil mit ihren Gasteltern zu dem Energie-Museum auf dem Annagelände gekommen. Sie verbringen eine Zeit in unserer Region, unterstützt durch den Verein Helft den Tschernobyl-Kindern.

„Die Kinder sollen sich hier einfach erholen und Kind sein können“, erklärt Vorsitzender Otto Stöcker. Der Bezirk Uljanovo, aus dem die Kinder stammen, ist ein ländlicher Landkreis in Russland, rund 300 Kilometer südwestlich von Moskau. Rund 8000 Menschen leben dort, wo der radioaktive Niederschlag nach dem Reaktorunfall 1986 in größter Konzentration niederging.

Nichtsdestotrotz gehört der atomare GAU heute nicht zur Lebenswelt der Kinder. Die Folgen werden kaum thematisiert. Selbst von oberster Stelle kommen verharmlosende Statements, wie Stöcker kopfschüttelnd berichtet. In der Schule lernen die Kinder, welche erneuerbaren Energieformen es gibt. Dass kurz nach der Katastrophe gar Ackerflächen in ihrer direkten Nähe abgetragen wurden, dass die Menschen aus Uljanovo bis heute zu einen finanziellen Zuschlag erhalten und offiziell fünf Jahre früher in den Ruhestand gehen dürfen, ist für die Kinder kein Thema.

Sie freuen sich wie Bolle, als die bei der Fahrt mit dem Aufzug „unter Tage“ die Helme der früheren Bergarbeiter aufziehen dürfen – alle in Gelb, nur einer mit einem weißen Helm, der ist „Chef“. Jürgen Kohlhöfer, der die Gruppe durchs Museum geleitet, scherzt: „Alle rein in den Aufzug, im Bergbau war immer alles eng.“

Bergbau-Utensilien bestaunt

Selbst die 19-jährige Polina, die als Begleiterin der Kleinen dabei ist, empfindet das Museum als spannend und informativ, aber mit dem Atomunfall mag sie diesen aufregenden Besuch nicht in Verbindung bringen. Sie hat Tschernobyl noch nicht einmal mehr erlebt.

Im Sonnenraum des Museums aalen sich die Kleinsten auf dem Boden, lassen sich von der nachgestellten Sonne bescheinen. Sie staunen über die zahllosen Utensilien aus der Steinkohlezeit, greifen zum alten Kabeltelefon, was für ein Ungetüm. „Die letzte Messung, die in der Gegend von Uljanovo 2010 durchgeführt wurde, hat ergeben, dass das Grundwasser von der Katastrophe belastet ist“, berichtet Stöcker. Das Grundwasser wird dort zur Trinkwasseraufbereitung verwendet.

Ob es neuere Studien gibt, weiß er nicht. Es sei nicht leicht, an Informationen zu kommen. Die Bevölkerung werde erst recht nicht damit konfrontiert. So überlässt Stöcker die Kinder, einige gerade erst acht Jahre, ihrer Faszination für die Technik, die gewaltige Kraft, die bei der Energiegewinnung offenbar wird, und das Eintauchen in eine für sie neue Welt.

Selbst die Übersetzerin weiß auf Anhieb nicht, wie sie „Steinkohle“ übersetzt. Es war ein Vorschlag, ein zusätzliches Bonbon von Bürgermeister Alfred Sonders, die Kinder ins Energeticon einzuladen. Sie haben ihren Besuch auf jeden Fall genossen.

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