Trotz Schulden leben können

Von: Daniel Gerhards
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Neue Broschüre für eine komp
Neue Broschüre für eine komplizierte Materie: Jutta Wedrich (l., Aachen) und Ulrike Ermert (Nordkreis) von der Verbraucherzentrale beraten Schuldner auch zum Thema Pfändungsschutzkonto. Foto: Daniel Gerhards

Alsdorf. Auch wer hohe Schulden hat, muss nicht das gesamte Einkommen an die Gläubiger fließen lassen. Schließlich muss auch der Lebensunterhalt bestritten werden können.

Durch ein so genanntes Pfändungsschutzkonto (P-Konto) können Schuldner seit Juli 2010 über ein Guthaben verfügen. Denn wenn das Girokonto den P-Konto-Vermerk trägt, ist ein Grundfreibetrag von der Pfändung ausgeschlossen.

Wer ein P-Konto einrichtet, hat viele Vorteile, erklärt Jutta Wedrich, Schuldnerberaterin der Verbraucherzentrale Aachen. „Man sieht dem Konto von außen gar nicht an, dass es ein P-Konto ist.” Die Inhaber können Überweisungen tätigen und die EC-Karte normal benutzen.

Das ist bei einem herkömmlichen Pfändungskonto meist nicht möglich. „Die Leute mussten etwa das Geld für die Miete bar abheben und dann auf das Konto des Vermieter wieder einzahlen”, sagt Wedrich. Das sei aufwändig und verursache zusätzlich Gebühren.

Grundsätzlich steht jedem Schuldner ein Freibetrag von 1028,89 Euro zu. Die meisten Betroffenen können diesen Betrag durch Unterhaltsverpflichtungen oder Kindergeld erhöhen. So ist der pfandfreie Betrag für eine Familie leicht doppelt so hoch wie der Sockelbetrag. Dies ist vielen Schuldnern allerdings nicht bekannt.

Kindergeldbezug und unterhaltspflichtige Personen müssen der Bank mit einer Bescheinigung nachgewiesen werden. Diese werden vom Sozialleistungsträger, Familienkassen, Arbeitgebern oder anerkannten Schuldnerberatungsstellen ausgestellt. „Ohne Bescheinigung wird alles über dem Grundfreibetrag weggepfändet”, erklärt Ulrike Ermert, Schuldnerberaterin der Alsdorfer Verbraucherzentrale. Viele Schuldner seien diesbezüglich aber nur schlecht informiert.

So habe das erste Jahr gezeigt, dass trotz des P-Kontos für seine Inhaber längst noch nicht alles rund laufe. Manche Banken versuchten, den Schuldnern Steine in den Weg zu legen. In vielen Städten in NRW akzeptierten die Banken selbst „wasserdichte” Bescheinigungen nicht. In der Städteregion gebe es allerdings nur wenige Kreditinstitute, die sich quer stellten. Das liege vielleicht an dem „Runden Tisch” zwischen Banken, anerkannten Schuldnerberatungsstellen und dem Amtsgericht. „Das gibt es nur in wenigen anderen Kommunen. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut”, sagt Wedrich.

Wer Sozialleistungen bezieht brauchte bisher kein P-Konto. Denn Transferzahlungen sind pfändungsfrei, sofern sie innerhalb von zwei Wochen abgehoben werden. Zudem kann das Amtsgericht einen Teil des Arbeitseinkommens von der Pfändung befreien. Diese beiden Möglichkeiten aber entfallen zum 31. Dezember 2011. Wer zu Beginn 2012 kein P-Konto hat, läuft Gefahr, dass Gläubiger das Konto unbehelligt leeren können.

Eine Umfrage der Verbraucherzentrale hat gezeigt, dass die Bescheinigungen für das P-Konto in der Mehrzahl von Schuldnerberatungsstellen ausgestellt werden. Daher rechnen Ermert und Wedrich mit einem Ansturm auf die Verbraucherzentrale. „Ich befürchte, dass wir im Herbst nur noch Bescheinigungen ausfüllen.” Manche Banken wollen sogar alle drei Monate einen neuen Beleg...
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