Würselen - Trend: Milde Weinsorten werden immer beliebter

Trend: Milde Weinsorten werden immer beliebter

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Armin und Martina Eckardt haben zusammen mit ihrer Tochter Anja ihren Stand auf dem Morlaixplatz aufgebaut. Foto: K. Toussaint

Würselen. Armin und Martina Eckardt führen ein Weingut in Aspisheim bei Bingen am Rhein. Ihre Weine präsentieren sie nun in Würselen. Im Interview mit Kristina Toussaint sprechen sie über ihre Arbeit und über die Trends in diesem Sommer. Annika Thee hat das Gespräch verschriftlicht.

 

Wie groß ist Ihr Weingut?

M. Eckardt: Unser Weingut ist 50 Hektar groß. Damit ernten wir 500.000 Liter pro Jahr. Den Großteil verkaufen wir an Kellereien. Wir haben auch Verträge mit Supermärkten und beliefern Kunden persönlich.

Welche Arbeitsabläufe finden auf ihrem Weingut statt?

A. Eckardt: Wir stellen Weine und Traubensaft her und auch Sekt und Prosecco. Dafür ziehen wir die Reben auf, bis die Früchte für die Produktion geeignet sind. Dann verarbeiten und veredeln wir die Trauben selber.

Welche Sorten von Wein stellen Sie her?

M. Eckardt: Von Rotwein über Weißwein bis hin zu Weißherbst produzieren wir verschiedene Sorten. Darunter fällt der Regent, eine kräftige Sorte mit frankophilem Charakter, der besonders bei jungen Leuten gefragt ist. Aber wir stellen auch leichtere Weine her, wie Spätburgunder oder Portugieser und fruchtige Weißweine.

Wie kamen Sie zu dem ungewöhnlichen Beruf?

M. Eckardt: Meine Familie hat ein Weingut. Mir wurde das also in die Wiege gelegt und seit meinem fünften Lebensjahr wollte ich Winzerin werden. Nach langer Ausbildung bin ich nun Weinbautechnikerin. Auch mein Mann ist in einer Winzerfamilie groß geworden.

Was fasziniert sie an dem Beruf?

M. Eckardt: Besonders die Verbindung mit der Natur. Das Gefühl etwas aufzubauen und selbst mit den Händen zu arbeiten, damit am Ende Ertrag dabei herauskommt, ist sehr schön.

Ist der Beruf etwas für Quereinsteiger?

A. Eckardt: Die haben es sehr schwer. Ein Weinberg und die benötigten Maschinen sind ein großer Kapitalaufwand. Man bräuchte ein Startkapital von einer Million Euro. Deswegen wird der Beruf meist von einer Generation zur nächsten weitergegeben.

Was sind die Herausforderungen bei Ihrer Arbeit?

A. Eckardt: Man muss Höhen und Tiefen mitmachen, so wie uns das die Natur jedes Jahr schenkt. Dieses Jahr hatten wir im April noch Frost. Wir schätzen, dass die Ernte 50 Prozent kleiner ist als sonst.

Wirkt sich das auf die Qualität aus?

A. Eckardt: Qualitativ wird das vermutlich ein guter Jahrgang, weil es kontinuierlich warm war und von Zeit zu Zeit geregnet hat. So gelangen die Mineralstoffe vom Boden in die Rebe.

Warum sind sie beim Weinfest?

M. Eckardt: Wie sind schon seit acht oder neun Jahren dabei. Hier ist es so gemütlich. Einige Kunden kennen wir von den letzten Jahren. Es gibt sogar einige, die sich hier an unserem Stand kennengelernt und später geheiratet haben. Und es gibt auch Kunden, die wir hier kennen lernen und die uns dann auf unserem Weingut besuchen. Die persönliche Bindung zu den Kunden ist uns wichtig.

M. Eckardt: Der Gewürztraminer! Der wird heute immer seltener angebaut, weil die Reben nur alle drei Jahre einen Ertrag bringen. Das ist für manche Betriebe nicht wirtschaftlich genug. Dabei bringt er so filigrane, fruchtige und leicht säuerliche Weine, die auch für Schorlen geeignet sind. Für den Sommer ideal.

Was ist auf dem Weinfest gefragt?

A. Eckardt: Weißwein geht immer besser als Rotwein. Wir verkaufen milde Gewürztraminer, aber genauso gut trockenen Chardonnay oder Grauburgunder. Bei kühlerem Wetter wird mehr Rotwein getrunken. Aber die Tendenz geht in den letzten Jahren deutlich in Richtung milde Weine.

Bieten Sie Trend-Getränke an?

M. Eckardt: Wir haben einen Secco, den wir mit eigenem Pfirsichlikör anbieten. Andere Mischgetränke wie Wein mit Cola oder Limonade gibt es bei uns nicht. Das kann jeder trinken, wie er möchte, aber wir sind da doch eher traditionell.

Wie sieht es mit Bio-Weinen aus?

M. Eckardt: Ohne Spritzmittel geht es nicht und wir versuchen so umweltfreundlich wie möglich anzubauen. Trotzdem spritzen wir mit künstlich hergestellten Produkten, die eine Halbwertszeit von zwölf bis 20 Tagen haben. Im Bio-Anbau wird mit oxidiertem Kupfer gespritzt. Das ist ein Schwermetall, das sich kaum abbaut und im Boden absetzt.

Was unterscheidet Sie von der Konkurrenz?

A. Eckardt: Es gibt keine Konkurrenz. Wenn wir anfangen würden, die Nachbarstände als Konkurrenz zu sehen, gäbe es kein harmonisches Weinfest. Wir unterstützen uns gegenseitig. Aber unsere Weine sind etwas fruchtiger als die manch anderer Winzer und wir versuchen bestmögliche Qualität zu bieten, indem wir wenig Schwefel einsetzen. Außerdem versuchen wir vernünftige Ware zu guten Preisen zu produzieren. Damit sind wir seit 30 Jahren sehr erfolgreich.

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