Trauernetzwerk möchte Betroffene begleiten

Von: Andrea Thomas
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Wertvolles Angebot: Mit den neuen Plakaten will das Team des Trauernetzwerkes noch einmal verstärkt auf den im September startenden Trauergesprächskreis und das monatliche Trauercafé aufmerksam machen. Foto: Andrea Thomas

Nordkreis. Trauern gehört nicht gerade zu den Gefühlen, die man in unserer Gesellschaft offen ausleben darf. Meist weiß die Umwelt nicht recht, wie sie mit einem Menschen in Trauer umgehen soll, erinnert uns das doch an unsere eigene Sterblichkeit, die wir lieber verdrängen.

Im Trauernetzwerk Nordkreis haben sich haupt- und ehrenamtliche Vertreter der Alsdorfer Unio-Gemeinden, der GdG Würselen, der evangelischen Gemeinde Alsdorf und des Hospizdienstes St. Anna, Alsdorf zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, Menschen, die trauern, zu begleiten und zu stabilisieren.

Trauer sei nichts, was vorübergeht, sondern man müsse ihr einen Platz im Leben geben, sie zulassen und nicht verdrängen, so die Erfahrung. Dafür brauchen Betroffene Orte an denen sie und Menschen mit denen sie trauern können.

Die vier Netzwerkpartner bieten dazu individuelle Trauergespräche und -begleitung an. Vor allem aber haben sie mit den zweimal im Jahr stattfindenden Trauergesprächskreisen und dem offenen Trauercaf „Zuversicht” solche Trauerorte geschaffen.

Der Trauergesprächskreis, der wechselweise in St. Castor und im Seniorenzentrum St. Anna angeboten wird, geht über acht Abende.

Betreut wird er von Trauerbegleiterin Manuela Macko und dem evangelischen Pfarrer Ulrich Eichenberg (Gruppe in St. Castor) sowie Trauerbegleiterin Brigitte Schröder (Gruppe Hospizdienst St. Anna). Sie geben an jedem Abend einen Impuls in die Runde, der zum Austausch anregen soll.

Dabei geht es um die ganze Palette an Gefühlen, die zur Trauer dazugehören, um die Frage, wie man seinen Alltag neu strukturiert oder wie man seinen oft überforderten Mitmenschen begegnet. „Wenn das aus der Gruppe heraus gewünscht ist, ist auch der Glaube ein Thema”, erklärt Manuela Macko.

Auch, wenn das Angebot von den christlichen Kirchen getragen wird, ist den Mitgliedern des Netzwerkes nicht wichtig, ob und wie jemand glaubt. „Wir knüpfen an die inneren Ressourcen jedes Einzelnen an und versuchen sie zu stärken, bekehrt werden soll niemand”, so Pfarrer Eichenberg. Das liegt ihm und den anderen schon deshalb fern, weil sie nicht für sich in Anspruch nehmen, Lebensrezept anzubieten.

Seinen Schmerz, seine Wut und all die anderen Gefühle, die man nach einem Verlust empfindet, mit Fremden zu teilen, sei sicher nicht ganz einfach, räumt er ein. „Aber, Trauerarbeit in der Gruppe ist viel effektiver, weil man merkt, man ist nicht anormal, andere durchleben das Gleiche.”

Belastendes aussprechen

Das empfindet auch Beatrix Hillermann, Leiterin des Hospizdienstes St. Anna, so. „Trauernde untereinander können sich so viel Hilfestellung geben”, wirbt sie dafür, keine Scheu vor der Gruppensituation zu haben.

Meist, so die Erfahrung der Trauerbegleiter, öffneten sich auch die erst zurückhaltenden nach einer Weile und empfänden es als hilfreich, Dinge, die sie belasten, aussprechen zu können.

Ein Ort zum Reden, Schweigen, Weinen und Austauschen, ist auch das Trauercafé. Es findet einmal im Monat (immer am zweiten Samstag) im Luthersaal unter der Alsdorfer Martin-Luther-Kirche statt.

Der Treff ist offen, ohne Verpflichtung. Gesprochen werde über alles Mögliche nicht nur über Trauer und Verlust, erzählt der evangelische Pastor Joachim Geis.

Das Team aus Ehrenamtlichen gestalte einen liebevollen Rahmen, indem die Besucher sich geborgen fühlen sollen, alles weitere ergebe sich. Beide Angebote werden gut angenommen, doch haben die Organisatoren den Eindruck, der Bedarf sei noch größer, viele wüssten nur noch nicht, das es diese Angebote gebe.

Darum sollen ab sofort Plakate an Plätzen, wo Menschen sich informieren vom Kindergarten über das Gemeindezentrum bis zur Apotheke, darauf aufmerksam machen.

Das offene Trauercafé findet jeweils am zweiten Samstag im Monat von 15 bis 17 Uhr im Luthersaal unter der Martin-Luther-Kirche, Albrecht-Dürer-Straße, Alsdorf statt.

Der nächste Gesprächskreis beginnt am 2. September im Seniorenzentrum St. Anna, Bettendorfer Straße 30, Alsdorf. Termine: Mittwoch, 2., 16., 30. September, 14., 28. Oktober, 9. Dezember, 6. und 20. Januar, jeweils um 19 Uhr

Anmeldung: Hospizdienst St. Anna, 02404 / 9877423

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