Transistoren, Lautsprecher und Lötkolben

Von: Lars Odenkirchen
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Ärzte unter sich: Dr. Ute Lindemann und Dr. Ottmar Rollmann schrauben auch gerne an alten Radios. Foto: Lars Odenkirchen

Würselen. Es ist ein kleiner Schatz, an dem Jörg Rennebrath da schraubt. „Ein Siemens Spitzensuper 52”, erklärt Holger Pflug mit Blick auf seinen beschäftigten Hobbyfreund, „unter den Radios ist das ein Mercedes 300.”

Rennebrath und Pflug treffen sich selten, was vor allem daran liegt, dass der eine in Potsdam und der andere in Nettetal wohnt. Verbunden sind die beiden durch ihr Hobby: Sie sind begeisterte Sammler und Schrauber.

Alte Radios, etwa aus den 50er Jahren, sind ihre Leidenschaft. Mit 23 anderen Radiofreunden und -freundinnen trafen sich die beiden auf dem Flugplatz Merzbrück beim Jüngsten „Radio-Stammtisch”. Das Wort „Stammtisch” ist allerdings ein wenig irreführend, denn beim Treffen wird mehr als nur geplaudert: Anpacken lautet die Devise, denn so manches alte Schmuckstück wollen die Bastler wieder zum Klingen bringen.

Dem Rauschen auf der Spur

Dass die Sammler, die schwerpunktmäßig aus dem Rheinland dem Ruhrpott und dem Münsterland, aber auch aus Potsdam, Berlin oder dem hohen Norden angereist sind, sich ausgerechnet in Broichweiden treffen, ist Detlev Krill zu verdanken. Krill, Schulungsleiter beim Würselener Spediteur Offergeld und DRV-Fahrsicherheitstrainer, ist öfters im Restaurant „Albatros” auf dem Flugplatz Merzbrück zu Gast.

Den Wintergarten des Restaurants machte er als idealen Treffpunkt aus, was auch Holger Pflug bestätigt: „Hier hat man viel Licht von oben, das ist fürs Reparieren ideal.” Und repariert wird heute lange: Los geht es bei den dreimal jährlich stattfindenden Stammtischen nachmittags um drei, Schluss ist meist erst kurz vor Mitternacht. Vor allem Problemfälle stehen auf den Tischen: Jedes Stammtischmitglied kann Geräte, die nicht mehr richtig funktionieren, mitbringen, um den Rat der anderen Experten einzuholen.

Ein solches Gerät ist das „Spitzensuper 52”. Bei seinem Erscheinen war es das zweitteuerste Radio auf dem Markt, für das so manche Familie einen Kleinkredit aufgenommen hat. „Das Gerät, an dem Jörg gerade schraubt, ist ein echtes Mysterium”, erklärt Holger Pflug, „schon verschiedene Sammler hatten es in Händen, aber keiner ist dahinter gekommen, warum es rauscht.” Genau solche Probleme sind es, die für die Radiofans den Reiz ausmachen.

„Für mich ist es etwas besonderes”, erzählt Pflug, „wenn man so ein altes Gerät wieder fit macht. Die alten Schätzchen haben eine Geschichte: In den 50er Jahren musste man enorm viel Geld für sie bezahlen. In den 70ern aber sind viele auf dem Sperrmüll gelandet.”

Wenn die Geräte dann laufen, ist es die Mühe wert, weiß Detlev Krill: „Die Geräte sind ja alle noch mit Holz verkleidet. Dadurch haben sie eine ganz andere Akustik, einen viel wärmeren Klang.” So faszinieren die alten Röhrengeräte und Holzradios Menschen aller Altersstufen und Berufe. Ob 16 wie das jüngste oder 79 wie das älteste Stammtischmitglied, ob Fahrsicherheitstrainer, Fernsehtechniker oder Arzt - wer einmal infiziert ist, kommt von diesem Hobby so schnell nicht wieder los.

Eine enorme Erleichterung bietet Jahren das Internet. Auktionshäuser und Foren sind eine wahre Fundgrube - nicht nur für den Kauf von Geräten und Ersatzteilen, sondern auch, um an Schaltpläne zu kommen und sich mit anderen Sammlern auszutauschen.

Gehandelt wird aber auch beim Stammtisch: Einige Tische dienen als „Flohmarkt”, bei dem die Sammler einige nicht mehr benötigte Exemplare an Gleichgesinnte abgeben. Davon machen sich auch vier Radiofreunde aus Heerlen ein Bild, zu denen Pflug Kontakt aufgebaut hat. „Wir haben festgestellt, dass es in Heerlen auch eine Gruppe gibt, mit der wir uns nun weiter austauschen möchten”, erzählt er.

Kindheitswunsch

Detlev Krill geht derweil der Frage auf den Grund, wie er überhaupt zu seinem außergewöhnlichen Hobby kam. „Als Kind wollte ich gerne Rundfunktechniker werden, aber als der Berufsberater in der Schule kam, hat er mich auf andere Ideen gebracht. Als ich dann vor zehn Jahren ein altes Radio bei meinen Eltern im Keller fand, kam der Kindheitswunsch wieder hoch. Seitdem sammele ich die Radios, dabei gibt es nur eine Regel: Es darf immer nur ein Radio in die Wohnung, die anderen kommen in den Keller oder die Garage. Das hat meine Frau sich so gewünscht”, erzählt der sympathische Sicherheitstrainer mit einem Grinsen und fügt hinzu: „Dabei habe ich eigentlich so viel um die Ohren, dass ich gar keine Zeit für die Radios habe.”

Auch Oldtimer-Fans

Die Finger möchte Krill trotzdem nicht von den alten Schmückstücken lassen, und so werkeln er und die anderen Liebhaber bis in die späten Abendstunden an den Geräten, tauschen Neuigkeiten aus und erzählen sich Anekdoten. Dabei geht es manchmal allerdings nicht nur um Radios, sondern auch um Autos.

Denn Freude haben viele der Bastler nicht nur an den alten Klangwundern, wie Pflug weiß: „Das ist ganz witzig. Mittlerweile haben wir bemerkt, dass viele von uns nicht nur Fans von alten Radios, sondern auch von Oldtimern sind.” Was zählt, ist die Herausforderung.
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