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Traditionsfirma 3Pagen vor dem Verkauf

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
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Auf dass die Paketbänder weiter laufen: Geschäftsführer Franz Hermanns (l.) und Betriebsrat Mussa Ouahaid setzen auf die Attraktivität ihres Unternehmens und die Zuverlässigkeit der Mitarbeiter.
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Volle Regale: Rund drei Millionen Pakete wurden im Jahr 2015 in fünf Länder verschickt. Foto: Beatrix Oprée

Alsdorf/Aldenhoven. Die selbsteinfädelnde Nähnadel, der faltbare Gehstock, die ergonomische Fensterrahmenritzenbürste, der Bananen-Frischhaltebeutel oder die gute alte Beinschaukel – es sind verblüffende Alltagshelfer wie diese, gleichermaßen faszinierend wie praktisch, die die in Alsdorf ansässige 3 Pagen Versand- und Handels-GmbH in geballter Ladung im Programm hat.

„Pfiffig! Praktisch! Preiswert!“ lautet das Konzept, das das Unternehmen seit vielen Jahren auf Wachstumskurs hält. Hauptzielgruppe: Senioren. „75 Prozent unserer Kunden sind älter als 60 Jahre, die Bestkunden sind Ende 60“, sagt Geschäftsführer Franz Hermanns. 2,4 Millionen Kunden sind es insgesamt, in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei und seit jüngstem auch in Frankreich.

Permanent auf Erfolgskurs

Und die sind treu. Sehr treu sogar, wie der Geschäftsführer betont. Alleine im vergangenen Jahr wurden 42 Millionen Kataloge und Mailings sowie drei Millionen Pakete verschickt. Der klassische 3Pagen-Kunde bestellt noch immer gerne per Telefon oder Post. 2015 lag der Umsatz bei 92 Millionen Euro, das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis bei 5,3 Millionen Euro.

Und dennoch kam kurz vor Ostern wie aus dem Nichts die Nachricht aus Croix bei Lille, Sitz der französischen Muttergesellschaft Groupe 3SI (vormals 3Suisses International), alle Handelsaktivitäten in Frankreich, Belgien, Spanien, Österreich, Tschechien und eben Deutschland aufzugeben, um sich auf den schnell expandierenden Dienstleistungssektor zu konzentrieren.

Innerhalb der kommenden zwölf Monate soll diese strategische Neuausrichtung bei 3SI vollzogen werden. 3Pagen, die Traditionsfirma aus Alsdorf, steht also zum Verkauf. Nachdem Wirtschaftsausschuss und Betriebsrat des Unternehmens an der St.-Jöris-Straße in Kenntnis gesetzt worden waren, ist am gestrigen Dienstag in zwei Betriebsversammlungen auch die Belegschaft informiert worden.

„Wir waren total überrascht“, sagt Betriebsrat Mussa Ouahaid. „Vor allem, wo wir doch eine der wenigen Tochterfirmen sind, die Plus machen.“ Für den anstehenden Verkauf sieht es der Mitarbeitervertreter durchaus als Vorteil, dass bei 3Pagen alles eigenständig aus einer Hand erfolgt – Callcenter, Logistik, Verkauf – und man auf viele langjährige Mitarbeiter setzen könne.

Aber: „Die Kollegen haben schon ein mulmiges Gefühl“, sagt Ouahaid unumwunden und kündigt an: „Wir müssen daran arbeiten, die Groupe 3SI beim Wort zu nehmen und wirklich einen Partner zu finden, der 3Pagen genauso erfolgreich fortführen möchte.“ Beim Wort nimmt der Betriebsrat auch die Geschäftsführung in ihrer Zuversicht, was die Verkaufschancen angeht.

Die Mitte 2014 erfolgte Konzentration auf den Home-Sektor, sprich Deko-, Geschenk- und Saisonartikel sowie Hilfreiches rund um das Thema Wellness und alles was den Haushalt angeht, hat sich für 3Pagen ausgezahlt. 2015 wurde der defizitäre französische Versender „Vitrine Magique“ übernommen und auf dieselbe Erfolgsspur gesetzt.

Im Bereich „Seniorenversand“ europaweit führend zu sein und mit einer Rentabilität von fünf Prozent im oberen Bereich des Marktes zu rangieren, wie Franz Hermanns darlegt, nährt die Zuversicht. Ebenso wie bereits erfolgte Verhandlungen, an denen man gemerkt habe, dass Groupe 3SI eher auf einen Fortbestand der zu veräußernden Firmen und den Erhalt der Arbeitsplätze aus sei als auf ein schnelles Geschäft.

Hermanns auf die Frage nach potenziellen Käufern für 3Pagen: „Es scheint Interessenten zu geben, die für die weitere Entwicklung unseres Unternehmens gut wären. Da kenne ich aber noch nicht die Details.“ Außer: Interessenten stammen „tendenziell eher aus dem Ausland“.

Mit Blick auf teils tief defizitäre Versandfirmen, die bislang zu 3SI gehörten, betont auch Arnulf Zuschlag, Mitglied der Geschäftsleitung, dass 3Pagen unterdessen immer noch Personal einstelle. Mitarbeiter würden für alle Bereiche gesucht – vom E-Commerce bis zur Logistik.

Sechs Azubis werden zurzeit ausgebildet, darunter zwei Dual-Studierende. Auch für sie soll es eine Zukunft bei 3Pagen geben.

In einer Firma, in der Transparenz den Mitarbeitern gegenüber groß geschrieben wird und die zum zweiten Mal hintereinander (2015 und 2016) unter die ersten Zehn der deutschen Top-Arbeitgeber im Fokus-Ranking für den Handel im Mittelstand gewählt wurde. So soll es bleiben, damit in drei Jahren auch der 65. Firmengeburtstag groß gefeiert werden kann.

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