Toni André führt durch Mariadorf

Von: Elisa Zander
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Ausgangspunkt: An der katholis
Ausgangspunkt: An der katholischen Pfarrkirche in Mariadorf führte Toni André (l.) in die Geschichte Mariadorfs ein. Foto: Elisa Zander

Alsdorf. Toni André ist ein waschechter Mariadorfer. Hier lebt er, kennt seine Mitmenschen. Unter anderem, weil er ihnen 13 Jahre lang die Post zugestellt hat. „Ich habe mich gerne mit älteren Menschen unterhalten, die hier geboren wurden”, sagt er und erklärt damit sein breit gefächertes Wissen über den Alsdorfer Ortsteil.

Viele Anekdoten, historische Ereignisse und Veränderungen im Ortskern kann er berichten, während er eine Gruppe von Spaziergängern durch den Ort geleitet. Es ist eine Führung, die im Rahmen der Spaziergänge des Vereins „Bergbaumuseum Wurmrevier” angeboten werden. Die Bergbaugebiete besser kennenlernen und die dahinter befindliche Historie nicht in Vergessenheit geraten lassen, sind die Ziele des Vereins, wie Resi Kohnen vom Bergbaumuseumsverein erläutert.

In Toni André, der auch regelmäßig Mundartgedichte in unserer Zeitung veröffentlicht, hat der Verein den idealen Ortsführer gefunden. Mariadorf - der Ort, der um 1850 im Zusammenhang mit dem Abteufen der Schächte und der Entstehung der Schachtanlagen Form annahm - erhielt seinen Namen der Überlieferung nach von dem Vornamen von Maria Honigmann, geborene Bölling, der Ehefrau des Bergmeisters. War es anfangs noch „Maria-Grube”, so erhielt der Ort in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen Namen Mariadorf.

An der katholischen Pfarrkirche St. Maria Empfängnis weist Toni André auf die Kirchenfenster hin, die in ihren unterschiedlichen Farbgebungen die Carbon-Steinschichten im Aachener Revier aufgreifen. 1868 wurde der Grundstein für die Kirche gelegt, die unter der Mithilfe der Bergleute entstand. Auch zur Finanzierung trugen die Knappen bei: Von jeder Schicht flossen drei bis sechs Pfennigen, der Schichtlohn betrug zu dieser Zeit etwa 1,21 Reichsmark, in den Bau. Eine beachtliche Summe, wenn man bedenkt, dass Bergleute kinderreiche Familien hatten.

An den Bergbau erinnert

Um ihnen eine schulische Ausbildung zu bieten, wurde mit der Kirche auch ein Schulgebäude errichtet. Die Marienschule steht bis heute und wurde vor zehn Jahren restauriert.

Unweit entfernt führt Toni André die Spaziergänger zu dem Punkt, an dem um 1848 der Förderschacht Maria I entstand. Betrug die Fördermenge aus dem Förderschacht I anfangs noch 200 Tonnen Fettkohle, förderte man schon mit Maria II, die zwischen 1858 und 1865 entstand, etwa eine Million Tonnen, die teilweise an Ort und Stelle verkokt wurden. Die nicht verkokte Kohle wurde über die heutige Lindenstraße ab 1855 - die Eschweilerstraße querend von einer schmalspurigen Pferdeeisenbahn - von Mariadorf nach Merzbrück transportiert. Von dort aus gelangte die Kohle zu den Industriegebieten des Rheinlands und des Ruhrgebiets. Bis 1925 wurde an insgesamt drei Schächten in Mariadorf gefördert.

Auf viel Sehenswertes geht Toni André während des Spazierganges ein, beantwortet geduldig die vielen Fragen. In der Pützdrieschstraße etwa verweist der Ortskenner auf Reihenhäuser, „in denen seinerzeit Kommunisten die dort lebende Bevölkerung überfielen”.

Immer wieder äußern die Interessierten ihr Erstaunen und sind beeindruckt von den vielen kleinen Geschichten, die der Mariadorfer zu erzählen weiß. „Man bekommt einen neuen Eindruck von dem Ort”, findet Dieter Wandel, der, wie schon seine Eltern, in dem Ort groß geworden ist.

Wie viele der Spaziergänger entdeckt er an jeder Straßenecke Bekanntes, das Erinnerungen weckt. Etwa in der Eichenstraße, in der heute viele Nachkriegsbauten stehen, oder der Paul-Gerhardt-Straße, in der in den 1860er Jahren die von der Grubengesellschaft gebaute Arbeiterkolonie „Op dr Böisch” (Im Busch) entstand. „Aus Karten des EBV geht hervor, dass 1907 in der Kolonie ein größerer See war”, erzählt Toni André und führt weiter an die Einmündung der heutigen Querstraße. Dort standen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ein Beamtencasino und ein Ledigenheim. Letzteres bot Bergleuten eine Obhut, die bei den Bergarbeiterfamilien, die teilweise sehr beengt wohnten, keine Unterkunft bekommen konnten; das Ledigenheim wurde 1991 abgerissen.

Die umfangreiche Historie wird an vielen Stellen in Mariadorf sicht- und greifbar. Toni André und der Bergbaumuseumsverein haben einen Teil davon in Erinnerung gerufen. Eine fruchtbare Idee, die sich an vielen Stellen wiederholen ließe.

Weitere Spaziergänge sind geplant

Im nächsten Jahr möchte der Bergbaumuseumsverein die Spaziergänge auf andere Bergbaugebiete wie Übach-Palenberg, Baesweiler und Hückelhoven ausweiten, erzählt Resi Kohnen.

Bis es soweit ist, wird Rudolf Bast einen Spaziergang durch Kellersberg anbieten. Treffpunkt ist am Samstag, 15. Oktober, um 15 Uhr an der Herz-Jesu Kirche, Hebbelstraße.

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