Tödlicher Unfall bei Würselen: Fahrer war nicht schuldfähig

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Unfall
Zwei zerfetzte Autos und ein regelrechtes Trümmerfeld: Den Einsaztkräften bot sich am Abend des 25. Juni auf der B57 ein schrecklicher Anblick. Für die 26-jährige Frau im getroffenen Fahrzeug konnten sie nichts mehr tun. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Würselen. Mit einer ungewöhnlichen Entscheidung endete am Mittwoch das Verfahren gegen den 33-jährigen Marcus H. aus Würselen. Die Aachener Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen wies den Beschuldigten wegen eines von ihm verursachten tödlichen Unfalls in die Psychiatrie ein. Dies allerdings auf Bewährung: Er bleibt unter strengen Auflagen, was Therapie und Medikation betrifft, zunächst auf freiem Fuß.

Der Vater von zwei eineinhalbjährigen Zwillingskindern war am Abend des 25. Juni vergangenen Jahres mit knapp 140 Stundenkilometern frontal in ein entgegenkommendes Auto gefahren, dessen Fahrerin noch an der Unfallstelle starb. Marcus H. kam mit Verletzungen davon. Die Kollision geschah gegen 21.30 Uhr auf der Aachener Straße, der Bundesstraße 57, kurz hinter dem Ortsausgangsschild von Würselen in Fahrtrichtung Aachen.

H. wurde in dem Verfahren vor dem Aachener Schwurgericht vorgeworfen, er sei in Tötungsabsicht in den Gegenverkehr gerast, er habe sich mit seinem Fahrzeug selbst töten wollen und habe dabei den Tod eines Unbeteiligten billigend in Kauf genommen.

Der 33-Jährige hatte das am ersten Verhandlungstag bestritten. Er habe unter Wahnvorstellungen gelitten, sagte er, an diesem Samstag hatte er eine von ihm entdeckte „Weltformel“, die er am Morgen seiner Schwester zur Verwahrung überlassen hatte, wieder zu sich nach Hause holen wollen, um großen „Schaden von der Welt abzuwenden“.

Die Weltformel, die eine Variation der weltbekannten Einstein‘schen Formel sein sollte, hatte er aus regelmäßigem Ansehen von Internetvideos über Themen der Quantenphysik entwickelt, hatte er vor Gericht angegeben. Eine Tötungsabsicht gegen sich selbst oder gegen andere habe er bei der Fahrt nicht gehabt. Allerdings habe er im Fußraum nach dieser Formel gesucht und sei dabei in den Gegenverkehr geraten, hatte H. erklärt.

Dem folgte das Gericht nicht. „Diese Sache war weder ein Zufall noch ein Unfall“, stellte Richter Roland Klösgen in der Begründung der Entscheidung fest. Vielmehr habe Marcus H. in dieser Zeit immer stärker unter einem „psychotischen Schub“ gelitten, der ihn solche Wahnvorstellungen habe entwickeln lassen. Doch die Kollision selbst an diesem Abend sei keinesfalls fahrlässig, wie Marcus H. es geschildert habe, sondern „zielgerichtet und ihn Tötungsabsicht“ her von ihm herbeigeführt worden.

Die 26-Jährige, die als Servicekraft am Eschweiler Blausteinsee arbeitete und auf ihrer Heimfahrt gerade von der Autobahn abgefahren war und die Bundesstraße in Richtung Würselen befuhr, habe sich schicksalhaft „einfach am falschen Ort“ befunden, sie träfe überhaupt keine Schuld.

Im Gegenteil habe Marcus H. seinen Wagen mit Vollgas bergauf beschleunigt und habe, so das Ergebnis eines Gutachtens, das Fahrzeug sogar in letzter Sekunde nochmals nach links gerissen, so dass er mit der entgegenkommenden Fahrerin, für die der Geisterfahrer wegen der Bergkuppe an dieser Stelle der Straße wie aus dem Nichts kam, zusammenprallen musste.

Noch auf der Intensivstation habe Marcus H. auf Befragen der Polizei angegeben, er habe Suizidabsichten gehabt. In den Wochen vorher hatte H. verstärkt Cannabis konsumiert und war nach Angaben der Zeugen immer aufgedrehter geworden.

H. schilderte selbst, wie angespannt er gewesen sei, als er die „Weltformel“ entdeckt und dann auf einen Zettel gekritzelt hatte. Das Gericht entschied, dass H. zum Unfallzeitpunkt juristisch unzurechnungsfähig war.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert