Würselen/Aachen - Tödliche Schüsse auf 18-Jährigen: Turbulenter Prozessauftakt

Tödliche Schüsse auf 18-Jährigen: Turbulenter Prozessauftakt

Von: Wolfgang Schumacher
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Sichtbare Spuren: In und vor einer alten Gaststätte in Würselen fielen die tödlichen Schüsse. Foto: Roeger
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Am Tatort: Mit Hilfe aufwendiger Vermessungen und Berechnungen versuchten die Ermittler, die Tat zu rekonstruieren. Foto: Roeger
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Foto: dmp

Würselen/Aachen. Seit Mittwoch stehen zwei Männer wegen Totschlags, versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Aachener Schwurgericht. Dem Hauptangeklagten Denis Y. (27) wird zur Last gelegt, am Abend des 21. Mai letzten Jahres in Würselen mehrfach auf einen 18-Jährigen geschossen und ihn getötet zu haben.

Der 28-jährige Begleiter des Getöteten erlitt bei dieser Schießerei einen Bauchschuss, überlebte die Tat aber.

Zum Auftakt des Prozesses wurde zunächst nur die Anklage verlesen. Demnach waren die Opfer, der 18-Jährige und der 28-Jährige, gegen 21 Uhr an der Hintertüre einer ehemaligen Gaststätte in Würselen aufgetaucht, vermutlich um Schulden aus Drogengeschäften einzutreiben, wie der Nebenklagevertreter, Anwalt Christian Franz, berichtete. Die Ankunft der beiden wurde aus der Gaststätte heraus über eine Videoanlage beobachtet.

Als die Hintertüre einen Spalt offen war, so heißt es in der Anklageschrift, sei von dem 27-jährigen Angeklagten sofort auf die Männer vor der Tür geschossen worden. Der zweite Angeklagte habe sich ebenfalls im Haus aufgehalten, er war mit einer Schreckschusspistole bewaffnet. Einer der Schüsse habe das Opfer in den Kopf getroffen. Bei der Flucht der Männer sei weiter aus dem Inneren des Hauses heraus geschossen worden, dabei seien die Männer ebenfalls wieder getroffen worden.

Begleiter der beiden Opfer hatten in einem Auto vor der Gaststätte gewartet. Sie zogen den schwer verletzten 18-Jährigen ins Auto, eröffneten ihrerseits das Feuer und fuhren dann in ein Krankenhaus. Als sie dort ankamen, soll der junge Mann bereits seinen Verletzungen, einem Kopfschuss und weiteren Körpertreffern, erlegen sein. Der zweite Verletzte konnte durch eine Notoperation gerettet werden.

In den Medien wurde die Tat damals als Auseinandersetzung im Rockermilieu bezeichnet. In der Tat kommen die beiden Opfer aus dem Umkreis eines Charters der Hells Angels, wie Rechtsanwalt Franz sagte. Ob allerdings die Angeklagten einem gegnerischen Rockerclub angehören, ist bislang unbekannt, sie haben sich noch nicht zur Sache geäußert. Der Opferanwalt betonte am Mittwoch, dass bei der Tat in Würselen Auseinandersetzungen um Drogengeschäfte im Vordergrund gestanden hätten.

Der Prozessauftakt am Landgericht war turbulent. Verteidiger Björn Hühne hatte noch vor Beginn der Anklageverlesung den Antrag gestellt, die Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann wegen Befangenheit abzulehnen. Gegenüber unserer Zeitung sagte er später, die Kürze der Anklageschrift werde den massiven Tatvorwürfen eines solchen Kapitaldelikts nicht gerecht.

Denis Y. war im Juni 2015 in der Schweiz festgenommen worden, der zweite Angeklagte befindet sich auf freiem Fuß, erschien aber zum Prozess. Der wird am 12. Januar fortgesetzt wird.

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