Tipps „einfach ignoriert“: Wassersportvereine sehen sich gefährdet

Von: Beatrix Oprée
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„Warum werden wir zu Gesprächen geladen, wenn man dann nicht auf uns hört?“ Diese Frage an SPD und CDU stellen Gertrud Wollgarten, Mark Walecki, Frank Scheftner, Axel Amelung und Klaus Lambrecht (v.l.). Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Elf Meistertitel und drei Staffelsiege im Bezirk – die jüngsten Erfolge lassen sich sehen. Dennoch will beim Kohlscheider Schwimmclub (KSC) keine rechte Freude aufkommen. Auch, wenn die Wettkampfmannschaft nach der erfolgreichen Saison den Medaillenspiegel im Schwimmbezirk Aachen anführt.

Ergänzt durch 15 Bezirksjahrgangsmeistertitel, zahlreiche Podestplätze und viele neue Bestzeiten. Gar nicht zu reden von den 1. Mannschaften der Damen und Herren, die den Sprung in die Landesliga schafften. Denn: Wie lange wird es solche Erfolgsmeldungen noch geben können?

Bei den Schwimmern – bei weitem nicht nur in Kohlscheid – macht sich Unruhe breit, wie Gertrud Wollgarten, Vorstandsmitglied des KSC, berichtet. Mit der ungewissen Situation nach der Schließung der maroden Kohlscheider Halle haben die Wassersport treibenden Vereine bislang noch leben können. Eng zusammengerückt sind der KSC und der Herzogenrather Schwimmverein (HSV), die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), die Versehrten-Sportgemeinschaft Kohlscheid (VSG) und die Triathleten der DJK Jung Siegfried. Moderiert von der Stadtverwaltung, die im Konsens mit den Vereinen einen minuziösen Zeitplan zur Nutzung der Schwimmhalle an der Bergerstraße in Herzogenrath-Mitte und des Lehrschwimmbeckens Leonhardstraße ausgearbeitet hatte. Wobei es auch galt, den Schulschwimmunterricht und das öffentliche Schwimmen unter einen Hut zu bringen.

Das habe bisher auch gut funktioniert verweisen Axel Amelung, Vorsitzender des HSV, Frank Scheftner, Abteilungsleiter Schwimmen beim HSV, Mark Walecki, Abteilungsleiter Schwimmen beim KSC, und Klaus Lambrecht, Ortsgruppenleiter der DLRG in Herzogenrath, im Gespräch mit unserer Zeitung auf eine gute Kooperation mit dem Fachamt.

Bei allem guten Willen aber haben die Vereine bereits Federn lassen müssen – und beginnen, langfristig über ihre Existenz nachzudenken: Einen zehnprozentigen Mitgliederschwund verzeichnen sowohl die beiden Schwimmvereine als auch die DLRG. Der irgendwann aufzufangen wäre, da sind sich die Akteure sicher, wenn es denn erfreuliche Zukunftsaussichten gäbe in Rodas Schwimmlandschaft.

Doch daran zweifeln die Vereinsverantwortlichen seit den politischen Beschlüssen in Sachen Hallenbad Kohlscheid – nämlich an nahezu identischem Standort an der Zellerstraße einen Neubau zu errichten, mit fünf Bahnen plus Kinder- und Lehrschwimmbecken – aber ohne Sprungturm, damit der selbst gesteckte Finanzrahmen von etwas über fünf Millionen Euro nicht überschritten wird.

Eine heftige Debatte mit den Oppositionsparteien war dem in den Fachausschüssen vorausgegangen, die sich die Argumentation der Schwimmvereine zu eigen gemacht hatten.

Genau das nicht getan zu haben, werfen die Schwimmer jetzt CDU und SPD vor. „Warum werden wir zu Gesprächen geladen, wenn man dann nicht auf uns hört?“, wundert sich nicht nur Frank Scheftner. Immerhin würden über die betroffenen Vereine derzeit insgesamt rund 1200 Mitglieder repräsentiert.

Zu kurz gegriffen

Das, „was man haben müsste“, um allen Interessen gerecht werden zu können, fasst Axel Amelung zusammen: Eine vernünftige, ausreichend dimensionierte Schwimmhalle an einem für alle gut erreichbaren Ort, mit Sprungturm für die Schwimmabzeichen-Ausbildung sowie einem Lehrschwimmbecken – dazu zwei zusätzliche Lehrschwimmbecken in den Ortsteilen.

Doch nun laufe es darauf hinaus, dass, wenn denn überhaupt, eine neue Halle gebaut werden könne, die Situation in wenigen Jahren wieder eskaliere – da das Hallenbad in Herzogenrath-Mitte ähnlich alt wie das Kohlscheider Bad und deswegen auch ähnlich sanierungsbedürftig seien.

„Die Politik betrachtet immer nur kurze Zeiträume!“, prangert Amelung die Kurzsichtigkeit vor allem der Groko an, die es zweimal in Fachausschüssen abgelehnt habe, die Restlaufzeit der Halle in Herzogenrath-Mitte zu ermitteln.

Die Schwimmer betonen, keinesfalls „Luxus“ zu erwarten, aber ein gut durchdachtes Konzept für eine kostengünstige, wartungsarme, räumlich ausreichende Halle mit fünf Bahnen, der Wettkämpfe wegen. Scheftner: „Vorschläge dafür haben wir genug gemacht!“ Etwa für ein Modulkonzept mit einem Hubsystem, über das sich die Beckentiefen anpassen lassen.

Ein Kinderbecken, wie es politisch gewünscht sei, lasse sich hingegen energetisch am ungünstigsten darstellen: Denn die Lufttemperatur müsse zwei Grad höher als das wärmste Becken in der Halle liegen, damit sich kein Kondenswasser an den Fensterflächen bilde. Ein Planschbecken sei immerhin 32 Grad warm (ein Lehrschwimmbecken nur 28, ein Sportbecken 26 Grad). Zudem belaste ein Kinderbecken die Technik ex-trem, da eine verhältnismäßig geringe Wassermenge entsprechend öfters gereinigt werden müsse.

Amelung: „Wir würden dem Argument Familienbad sofort folgen, wenn die Auslastung entsprechend wäre. Im bundesweiten Bädervergleich war die Kohlscheider Halle aber stark unterfrequentiert. Die Frage stellt sich nun: Brauchen wir überhaupt ein ähnliches Bad wie bisher in Kohlscheid?“

Die Vertreter der Schwimmvereine sagen nein. Ein Planschbecken sei mit Blick auf den unverhältnismäßig hohen finanziellen Aufwand aus ihrer Sicht „völliger Unsinn“.

Und die zeitliche Dimension lässt ebenfalls wenig Hoffnung keimen bei den Vereinsverantwortlichen. Amelung: „Wenn das Bad so kommen soll, wie es jetzt beschlossen worden ist, dann muss europaweit ausgeschrieben werden, da bei den Baukosten die Fünf-Millionen-Grenze überschritten wird.“ Für die Vergabe würden dann erfahrungsgemäß zwei Jahre ins Land ziehen, bis alle Einsprüche vom Tisch seien. Und dann noch die Bauzeit ... „Wir reden von einem Zeitraum von bis zu fünf Jahren.“ Vor dem Hintergrund aber, dass die Stadt „faktisch pleite“ sei, haben die Schwimmer gar kein Verständnis dafür, „einfach ignoriert“ zu werden: „Axel Amelung: „Das, was wir für eine neue Halle vorschlagen, würde nur 30 Prozent der Energiekosten benötigen, die beide Bäder am Dienstag zusammen brauchen.“

Gemeinsam, so betonen die Vereinsvertreter, hätten die Wassersport treibenden Vereine einen Vorschlag erarbeitet: „Wir würden uns wünschen, dass unser Konzept mit langfristigen Perspektiven von der Politik auch mal gewürdigt würde. Das können wir aber leider nicht erkennen!“

Mark Walecki bringt noch einen anderen Aspekt auf den Punkt: „Wir sind Bittsteller, keine Frage. Aber wir setzen uns für Dinge ein, die Leben retten können!“ Ein Argument, das durch die tragischen Badeunfälle vom Wochenende bittere Aktualität gewinnt.

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