Tihange-Aus-Säule: Einfach Hebel umlegen und ausschalten

Von: Beatrix Oprée
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Sie waren die ersten Passanten, die am Donnerstag den Aus-Hebel drückten: Franz und Maria Steinleitner aus Kohlscheid (l.). Sehr zur Freude der Projekterfinder, Rolf Jägersberg (r.) und Lars Harmens. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Der Einweihungstermin war eigens auf den Wochenmarktdonnerstag gelegt worden. Doch die Minustemperaturen ließen es noch mangeln an der erwünschten Publikumsfrequenz, die sich sehr bald aber einstellen wird, da sind sich alle Beteiligten sicher.

Seit Donnerstag können die Bürger auch in Herzogenrath ihren Unmut über das pannenträchtige Atomkraftwerk im belgischen Tihange tatkräftig zum Ausdruck bringen. Per Hebeldruck an der Tihange-Aus-Säule, die für einen Monat auf dem Ferdinand-Schmetz-Platz postiert ist.

Auf Initiative von Bürgermeister Christoph von den Driesch hatte die Bürgerstiftung Herzogenrath unter Vorsitz von Peter Waliczek Gelder gesammelt, um das von Designer Lars Harmens und Künstler Rolf Jägersberg ins Leben gerufene Protestprojekt auch in der Rodastadt verwirklichen zu können.

In Anwesenheit der beiden Initiatoren enthüllte von den Driesch den strahlend gelben Kopf der ansonsten roten Säule, die unverkennbar neben der Sparkasse in die Höhe ragt. „Die Säule steht zwar stabil, ist aber transportabel“, kündigte er an, dass der symbolische Kampf gegen den Pannenmeiler im Anschluss auch nach Merkstein und Kohlscheid getragen wird.

Jeder, der gegen den gefährlichen Atommeiler von Tihange protestieren möchte, kann diesen hier jetzt symbolisch abschalten. Ein Zählwerk registriert jede Hebelbewegung. Zahlen, die wöchentlich aktualisiert auf der Projekt-Homepage nachgelesen werden können. Und die regelmäßig auch an die belgische Regierung respektive die Medien weitergereicht werden. „Reaktionen hat es bislang noch keine gegeben“, erzählt Lars Harmens, während die zahlreich versammelten Kommunalpolitiker per Handy Erinnerungsfotos vom eigenen Protest gegen die belgische Atomaufsicht schießen, auch, um sie auf die jeweiligen Partei- und Institutionshomepages im Internet zu setzen.

120.000 Aushebelklicks habe es bislang in Aachen gegeben, wartet Rolf Jägersberg mit den neuen Zahlen auf. Für einige Passanten, so habe er beobachtet, gehöre der Abschalthebel offenbar zum täglichen Ritual: Mit dem Rad vorfahren, absteigen, Schalter betätigen, aufsteigen, weiterfahren.

Vor dem Eingang des Bürgerservices am Katschhof hatte die Aachener Säule zuerst gestanden und ist mittlerweile vor die Mayersche Buchhandlung umgezogen. Mit bester Resonanz, wie die Initiatoren zufrieden feststellen: „Innerhalb von zweieinhalb Tagen gab es dort 12.000 Klicks. Das ist verdammt viel.“ Sogar nachts würden dort bis zu 500 Hebelbewegungen registriert. Jetzt sind alle gespannt, wie viele es in Herzogenrath werden. „So!“, drückte unter anderem Vize-Bürgermeisterin Marie-Theres Sobczyk (CDU) den Hebel demonstrativ nochmals nach unten, als sie sich nach dem Eröffnungszeremoniell verabschiedete.

Online-Monitoring gefordert

Und Grünen-Fraktionschef Dr. Bernd Fasel setzte sich mit den Fakten auseinander: „Was ich nicht verstehe – davon abgesehen, dass ich die Nutzung der Atomenergie grundsätzlich nicht verstehe: 2012 wurden rund 2000 Risse im Reaktordruckbehälter festgestellt, 2014 waren es über 3000 – für mich eine sehr besorgniserregende Entwicklung.“

Die zentrale Frage müsse also lauten: Wie ist die Entwicklung der Risse weitergegangen? Fasel: „Ich würde erwarten, dass bei dieser Ausgangssituation ein Online-Monitoring erfolgt, das die Risse permanent überwacht. Falls das technisch nicht möglich sein sollte, wäre doch die Mindestforderung, dass in engen zeitlichen Abständen eine Kontrolle der Risse erfolgt, mindestens mehrfach jährlich. Das scheint alles nicht zu geschehen – oder die Ergebnisse werden nicht veröffentlicht.“

Der massive Protest jedenfalls soll weiterlaufen – „interaktiv und durativ“, wie Jägersberg sagt: „Die Aktion wird erst beendet, wenn Tihange endgültig vom Netz geht.“

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