Tiefer Keil zwischen Parteien und Vereinen in Würselen

Von: vm
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Würselen. Der Koalitionsbruch zwischen CDU und SPD im Würselen Stadtrat schlägt weiter hohe Wellen: Die Vorsitzenden von SPD-Fraktion, Christoph Küppers, und -Stadtverband, Andreas Dumke, haben am Freitag in einem umfangreichen Papier Stellung bezogen.

Darüber hinaus hat die FDP-Fraktion – unabhängig vom Koalitionsbruch, aber auch in Sachen Sportstätten – den Antrag gestellt, den Punkt „Sportzentrum Kauseneichgasse und Sportanlage Parkstraße“ für den 4. Juli von der Tagesordnung des Sportausschusses zu nehmen. Argument: Die Vorlage gehe von falschen Zahlen aus, dabei seien diese doch von „größter Wichtigkeit“, wie Carduck „mit Entsetzen“ festgestellt hat. Er nennt als Beispiel veraltete Mitgliederzahlen des VfR. Und das nicht von Ungefähr.

Aber der Reihe nach: Die SPD schreibt, sie habe keinen „Anlass zum Koalitionsbruch gegeben“ und kritisiert die angebliche Position der CDU, Bürgermeister Arno Nelles (SPD) sei mit seinem Vorschlag, einen Bürgerentscheid zum Sportpark durchzuführen, maßgeblich für die Spaltung verantwortlich. „Die CDU stellt sich nicht grundsätzlich gegen einen Bürgerentscheid“, betont der Unions-Fraktionsvorsitzende Karl-Jürgen Schmitz ausdrücklich. Wie berichtet, war der Vertrauensverlust der entscheidende Punkt, der zum einstimmigen Beschluss der CDU zur Auflösung des Koalitionsvertrags geführt hat.

Wie Schmitz inzwischen erfahren haben will, soll Küppers über den Plan des Bürgermeisters, die Möglichkeit eines Bürgerentscheids in die öffentliche Diskussion einzubringen, im Vorfeld informiert gewesen sein – ohne mit dem Koalitionspartner darüber zu sprechen. Der sieht darin ein abgekartetes Spiel. Küppers dementiert das aufs Entschiedenste: Er habe von den Inhalten des Bürgermeister-Interviews vor dessen Entstehung keinerlei Kenntnis gehabt.

Die CDU glaubt außerdem, dass die SPD mit diesem, wie sie sagt, „vermeintlich cleveren Schachzug“ eine innerhalb der eigenen Reihen unliebsame Entscheidung auf die Bürger abwälzen will. „Nach dem Motto: Wir sind‘s nicht gewesen.“

Innerhalb der SPD gebe es Sportvereinsmitglieder, die etwa gegen den Teilaspekt Veräußerung und Vermarktung des Lindenplatzes seien. Ein Bürgerentscheid müsse diesen Punkt strenggenommen aber mit beinhalten, denn nur als Gesamtkonzept sei auch eine Gegenfinanzierung der Neubaupläne gewährleistet.

Das Volk entscheiden zu lassen, lehne die CDU nicht ab, dann hätten aber konsequenterweise auch andere kritische Fragen wie nach dem Gesamtschulstandort auf diese Weise geklärt werden müssen. „Und die Frage ist generell, was Gegenstand eines Bürgerentscheids sein soll“, sagt Schmitz. Auch eine Abstimmung über die 400-Meter-Umlaufbahn und einen Ersatzplatz für den VfR? Es sei aber schon bezeichnend, dass bislang nicht ein einziger Antrag eines Würseleners auf Bürgerentscheid vorliege. Alternativ kann nur noch der Rat einen solchen stellen.

So, wie sich die Dinge derzeit entwickelten, sagt Schmitz, breche das ganze Konzept Weiden auseinander. Mit dem Stadtsportverband mit seinen 10.000 Sportlern habe man im Vorfeld lange Gespräche geführt und auch einen Konsens gefunden. „Was der Bürgermeister mit seinem Vorstoß erreicht hat, ist, dass jetzt wieder jeder seine eigenen Interessen verfolgt: Vier fußballtreibende Vereine haben sich zusammengesetzt“, sagt er, „Armada Würselen ist mal wieder außen vor. Dabei warten die Leichtathleten seit 40 Jahren auf einen vernünftigen Platz. Vom Schulsport ganz zu schweigen.“

Als ein weiteres Symptom wertet er den Antrag des FDP-Fraktionsvorsitzenden Hans Carduck, die Vorlage zurückzuziehen. „Oder besser gesagt: den Antrag des VfR Würselen“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende spitz. Hans Carduck ist Ehrenvorsitzender des VfR, Sohn Markus Vorsitzender.

Die SPD betont ihrerseits in dem aktuellen Schreiben, zu einem „seriös finanzierten Sportpark-Konzept zu stehen“ und „bei einem möglichen Bürgerentscheid für die Zustimmung zu dem Konzept werben“ zu wollen. Sie behalte sich das Recht vor, eine „persönliche Meinung“ äußern zu dürfen und verurteilt „aufs Schärfste“, den Bürgermeister „mit der Drohung des Koalitionsbruchs zu nötigen, ein Interview nicht abzugeben“. Die CDU hatte Nelles laut eigenen Angaben nur darüber informiert, dass die kritischen Passagen zum Bruch führen könnten.

Im Nachgang schlägt Küppers auch versöhnliche Töne an: „Es waren gute drei Jahre. Ich kann sogar verstehen, dass die CDU sich stärker profilieren will.“ Aber die Art und Weise nicht.

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