Theologe und Seelsorger Klaus Aurnhammer referiert über Hospizarbeit

Von: ath
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Immer wieder schlüpft Klaus Aurnhammer in das blaue Klinikhemd und damit in die Rolle des Patienten Herrn Jedermann, um an seinen Erfahrungen erfahrbar zu machen, was Hospizarbeit braucht. Foto: Andrea Thomas

Alsdorf. Achtsamkeit, ein Begriff, den man nicht unbedingt jeden Tag verwendet. Achtsam mit jemandem umgehen, heißt aufmerksam und wertschätzend zu sein. Dahinter verbirgt sich eine Haltung, einen Menschen so zu nehmen, wie er ist, ihn nicht sofort einer Bewertung zu unterziehen, positiv wie negativ.

Die Dinge zu akzeptieren, wie sie im Moment gerade sind. Haltung, spielt wiederum eine große Rolle in der Hospizarbeit, der Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen. Wie stehe ich zu dem schwerkranken Menschen, was ist meine Absicht, welche Einstellung zu Sterben, Tod und Trauer habe ich? Wie verhalte ich mich ihm gegenüber?

Achtsamkeit

Der Theologe Klaus Aurnhammer hat in einem Vortrag im Rahmen des Hospizforums Alsdorf im Seniorenzentrum St. Anna vorgestellt, wie wichtig es in der Hospizarbeit ist, dass diese Haltung auch eine achtsame ist. Achtsamkeit bedeutet in der buddhistischen aber auch in der christlichen Mystik, alle Gedanken bis auf das Hier und Jett zu verdrängen und den Blick zu öffnen für den Moment.

So geht es auch oft Sterbenden, wie Aurnhammer, der als Seelsorger auf einer Palliativstation tätig ist, beobachtet hat. „Ihre Zukunft ist begrenzt und ihre Vergangenheit ist erfüllt von Erinnerungen und Gedanken, die sie immer wieder zu ihrer bedrohten Gegenwart führen. Wenn überhaupt noch etwa wichtig ist, dann muss es jetzt getan werden.”

Das gilt es als Haltung zu übernehmen, wenn man jemand in einer solchen Situation Halt geben will. Der Begleiter sollte schauen, „was ist heute dran”, was bewegt diesen Menschen. Dann, sagt Aurnhammer, werde aus Anwesenheit Präsens, aus Plaudern ein Gespräch und aus pragmatischem Handeln echte Solidarität.

Was das bedeutet, macht er den gut 50 Zuhörern, immer wieder am konkreten Beispiel klar. Er schlüpft in ein hellblaues Klinikhemd und damit in die Rolle von Herrn Jedermann, einem Patienten, der weiß, er wird sterben. Herr Jedermann erzählt, wie man ihm begegnet, mit ihm umgeht.

Da sind Ärzte und Pflegepersonal, die sachlich bleiben, die Familie, die sich schwer tut mit der Situation, weil sie mit und um ihn leidet und die Freunde, die kein echtes Gespräch mehr hinbekommen, wenn sie zu Besuch kommen. Aber da ist auch die Dame vom Hospizdienst, bei der er Achtsamkeit spürt, die ihn nicht bewertet sondern akzeptiert.

Die Dinge akzeptieren, ohne sie ändern zu wollen. Das sei in der Hospizarbeit heikel, weil man ja helfen möchte und sich nicht einfach zurücklehnen könne. „Ich akzeptiere jetzt einfach mal, dass du Schmerzen hast. Das geht nicht.”

In anderen Situationen führe dagegen gerade das Akzeptieren zu einer positiven Veränderung. So habe sich eine seiner Kolleginnen einfach mal auf eine Angehörige eingelassen, ihren wenig hilfreichen Umgang mit der Krankheit ihres Mannes akzeptiert.

„Die Dame hat sich geöffnet und von noch nicht verarbeiteten Erlebnissen mit dem Tod ihres Vaters erzählt und so einen Weg gefunden sich auf das Sterben ihres Mannes einzulassen”, macht der Theologe klar, was akzeptieren bedeutet.

„Es hat mich sehr bewegt. Ich muss die Gedanken, die Sie aufgeworfen haben erst einmal sinken lassen”, bringt eine Dame es auf den Punkt. Er habe eine gute Richtung aufgezeigt, die jedoch nicht immer leicht durchzuhalten sei, fasst es Beatrix Hillermann, die Leiterin des Hospizdienst St. Anna zusammen.
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