Thema Demenz: „Konfetti im Kopf“ kommt nach Roda

Von: mabie
Letzte Aktualisierung:
9274286.jpg
Der Hamburger Fotograf Michael Hagedorn machte bei seinem Weg durch die Republik in Sachen Demenz auch am symbolisch erhaltenen Grenzstein an der Herzogenrather Neustraße und Kerkrader Nieuwstraat Halt. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Ein kleiner Handwagen mit drei Rädern ist derzeit die ganze Habe, mit der Michael Hagedorn sich entlang der Grenzen durch Deutschland bewegt. Zu Fuß und auch mit dem Bus, aber keinesfalls im eigenen Auto ist der Hamburger Fotograf auf rund 1000 Kilometern entlang der deutschen Grenzen unterwegs, um nicht nur Grenzen zu überwinden, sondern den Menschen auch ein neues Bild von Demenz zu bringen.

Nun traf er bei dieser Grenzerfahrung der ganz besonderen Art auch in Herzogenrath ein. „2005 startete ich das Projekt mit Menschen mit Demenz und habe sehr schnell festgestellt, dass es für mich ein Lebensprojekt wird“, so Hagedorn. Er will das Thema aus der Tabuecke holen, in die Gesellschaft bringen und nutzt dazu seine Gabe, mit ungewöhnlicher Bildsprache die Menschen ganz nah an das heranzurücken, was Demenz, oder eben das von den Betroffenen als „Konfetti im Kopf“ umschriebenen Gefühls, ausmacht. Und er hat in großen Städten wie Hamburg oder Stuttgart Projekte gestartet, die zeigen, dass Demenz etwas anderes bedeutet als schwarz und weiß gezeichnete Eindrücke von Elend und Trostlosigkeit.

Seine Fotos erzählen Geschichten: Wie die Frau, die wie ein Kind im Gras liegt und das Treiben eines frei laufenden Kaninchens beobachtet, oder die Dame beim Sitztanz, die ausgelassen und fröhlich ihren Gefühlen freien Lauf lässt. „Großformatige Bilder, Kunstinstallationen, Performances, all das kann Konfetti im Kopf sein“, sagt Michael Hagedorn, der sich bei seinem ganz persönlichen Pfad entlang der Grenzen dazu aufgemacht hat, den Menschen Demenz näherzubringen. „Ich gehe aus verschiedenen persönlichen Gründen diesen Weg“, sagt Hagedorn, und auch, wenn er meint, vielleicht etwas zu viel in seinen kleinen Wagen gepackt zu haben, wird er seinen Weg weiter beschreiten.

Zwar hatte er schon nach zwei Tagen zu je 35 Kilometern bei Wind und unfreundlichem Januarwetter ein paar Probleme mit seinen Beinen. Doch aufgeben ist nicht für den sympathischen Familienvater, der zugleich ein echter Überzeugungstäter für das ist, was ihn antreibt.

Kein Konzept aus dem Katalog

„Ich kann die Sachen nur anstoßen“, sagt er, darum ist er mit viel Infomaterial unterwegs, „aber vor Ort entwickeln wir jeweils nur ein maßgeschneidertes Konzept, das auch passt.“ Damit und mit der Zusage der Stadt Herzogenrath, ist klar, dass „Konfetti im Kopf“ voraussichtlich im Jahr 2016 auch in Roda stattfinden wird. Wann und wie ist noch unklar, welche Mitstreiter außer der Stadt, dem städtischen Koordinationsbüro „Rund ums Alter“, sowie den vielen Einrichtungen und Vereinen, die in der lokalen Allianz für Demenz zusammenarbeiten, dabei sind, steht auch noch nicht fest. Doch auch hier wird sich der Konfettirausch der Ideen sicherlich noch glätten, wie Michael Hagedorn aus Erfahrung weiß.

„Wir bieten hier schließlich kein Konzept aus dem Katalog an, sondern setzen es mit lokalen Partnern nach deren Ideen um“, schließt er. Ende Mai 2013 waren es in Hamburg mehr als 200 Kooperationspartner, die zehn Tage lang 250 Aktionen vorstellten. Die Schirmherrschaft ist für Herzogenraths Bürgermeister, der auch beim Termin weilte, nach eigener Aussage selbstverständlich. Allerdings will er für das Thema auch die besondere Lage Herzogenraths direkt an der Grenze und mit einer gemeinsamen Straße mit der Nachbar- und Partnergemeinde Kerkrade nutzen.

Wie das aussehen wird, steht allerdings nicht fest, und vielleicht, so von den Driesch weiter, könnten auch die Kollegen aus der Städteregion und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens mittun. Entsprechende Verbindungen sind jedenfalls vorhanden und werden sicherlich auch gerne genutzt, um Demenz überall aus der Tabuzone zu holen. Ob dann tatsächlich auch die Konfettiparade durch Herzogenrath kommt, ist noch offen, klar ist jedoch, dass sich des Themas angenommen wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert