Thema Demenz aus der Tabuzone geholt

Von: nina
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Ein intensives Bühnenstück: Schauspieler An Geenen und Arno Deckers agieren im Besucherzentrum im Grube-Adolf-Park. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. „Plötzlich ist der Vater nur noch ein Haufen Elend, geistesabwesend, irgendwie ganz weit weg und ein Schatten seiner selbst. Er war doch immer in Vereinen aktiv und so sensibel“, beklagt An Geenen.

Die Schauspielerin vom Maastrichter „Setheater“ agiert derzeit in dem Theaterstück „Vergessen und Versunken“ zum Thema Demenz, einem intensiven Bühnenstück, das sie mit Arno Deckers in der Rolle des Vaters Wolfgang aufführt.

Bei der Aufführung in Kooperation mit dem Demenz-Servicezentrum Regio Aachen/Eifel im Besucherzentrum im Grube-Adolf-Park in Merkstein zeigt sich schnell: Menschen mit Demenz leben im Moment, deshalb ist jeder Augenblick für sie so wertvoll. Rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz, in der Region Aachen sind es rund 8000. „Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß es echt nicht mehr.“, sagt Arno Deckers hilfesuchend.

Das Stück geht auch auf den Unterschied von Demenz und Depression ein: „Depression ist, wenn man nichts mehr kann, noch nicht mal aufstehen möchte, wenn jeder Versuch zu essen einem Marathon gleicht“, wie An Geenen erklärt. Dabei sei es sinnvoll spazieren zu gehen, mit dem Fahrrad zu fahren, sich unter die Leute zu mischen, ein Hobby zu pflegen und das Leben zu genießen. „Depressive fühlen sich leer, wie eine erloschene Kerze.“

Demenz fange harmlos an: Anfangs ist vielleicht nur der Schlüssel verloren, das Gedächtnis lässt immer mehr nach. Dann ist es wichtig, dass Bezugspersonen da sind, betont An Geenen in der Rolle der Tochter Claudia. Die Schauspieler stellen eindrucksvoll verschiedene kurze Gesprächsszenen zwischen Angehörigen von dementiell veränderten Menschen beziehungsweise auch zwischen Angehörigen und ihren erkrankten Partnern dar. Solche oder ähnliche Wortwechsel finden sicherlich in vielen Familien statt. Dabei werden anschaulich die Gefühle der Angehörigen, wie zum Beispiel das Wissen, dass es nie wieder gut wird, dargestellt. Die vielen Kleinigkeiten häufen sich, fallen irgendwann massiv auf.

Vater Wolfgang hat zum Beispiel beim Einkauf die Hälfte vergessen. Oder er hält einen Brief in der Hand. Hat er ihn nun bekommen oder will er ihn abschicken? Er weiß es nicht. Und Tochter Claudia merkt, dass dies mehr als Altersvergesslichkeit ist und, was Demenz eigentlich bedeutet: Zu vergessen und zu versinken.

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