Theater AG St. Katharina Kohlscheid toppt auch mit 27. Darbietung

Von: fs
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Voller Körpereinsatz: Theobald Müller (Bernd Schaffrath, Mitte) wetterte im Stück auch mal kräftig los. Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath. „Politiker sind wie Tauben. Vor der Wahl fressen sie dir aus der Hand, und wenn sie dann mal oben sind, scheißen sie dir auf den Kopf“. Da geht aber die Post ab im Rathaus von Kohlscheid, wenn Theobald Müller, der als Beamter über reichlich Erfahrung verfügt, loswettert.

Mit „Der Geist im Rathaus“ hatte die Theater AG St. Katharina wieder einmal einen Glücksgriff bewiesen. Gerade im Super-Superwahljahr konnte sie keine bessere Auswahl treffen, als mit einem Stück, das von Politikern, Beamten und Geistern handelt. Aber wieso Geister?

In den Räumen des Rathauses von Kohlscheid ist der Körper von Nikolaus Nachtigall (Robert Grabo) gefangen. Aber ein Glück, dass es dieses Gespenst gibt, denn Bürgermeisterin Sieglinde Haselbusch (Sabine Böker) hat aus reinem Eigennutz vor, nicht nur Karriere, sondern auch das Rathaus platt zu machen, was sie mit Unternehmensberater Roland Hein (Mario Goldbach) überbauen will.

Pflichtbewusste Beamte

Das wollen die mehr als pflichtbewussten Beamten Elfriede Schwarz (Andrea Goldbach) und Theobald Müller (Bernd Schaffrath) verhindern, die ansonsten das Beamtentum mit allen Klischees bedienen, die es in der öffentlichen Dienstwelt nur so gibt. Reinigungskraft Regine Nussbaum (Ursula Baggen) und die beiden streitbaren Nachbarinnen und „Dauergäste“ Karla Gutknecht (Andrea Schaffrath) und Rita Knopf (Birgit Ligensa) lassen keine Gelegenheit aus, um aus der sonst so ruhigen Amtsstube eine Begegnungsstätte zu machen.

Nachdem Theobald als angebliches Medium mit dem Geist Kontakt aufnimmt, ruft dies die Wahrsagerin Emma Schwein (Daniela Havenith), alias Esmeralda, auf den Plan, die das Rathaus dann doch irgendwie gruselig findet. Natürlich darf ein Praktikant nicht fehlen. Schließlich muss Kaffee kochen und das bedauernde Kopfschütteln und mitleidige Seufzen beim Ablehnen eines Antrages ausgiebig gelernt werden. Nur gut, dass Regisseur Georg Schölzel selber „auf’m Amt“ arbeitet, denn so konnte er die Praktikanten für das Stück bestens anlernen.

An den fünf Spielabenden füllte die Rolle des Praktikanten jeweils ein Kind der Schauspieler aus. Auf der Bühne agierten dazu Daniel Baggen, Katrin und Marie Goldbach sowie Lukas und Jonas Schaffrath, die nicht nur „einen Notnagel für die Merkel“ sondern auch noch andere Überraschungen parat hatten.

Mit viel Engagement und Überzeugungskraft setzte die Laienspielschar von St. Katharina Kohlscheid ihre 27. Bühneninszenierung im Jugendheim hinter der Kirche auf dem Markt um, das ihre „Heimat“ ist. An fünf ausverkauften Abenden erlebten 700 Gäste das aberwitzige Spiel in der Amtsstube, die die Gruppe eigens für ihre diesjährige Aufführung entstehen ließ. Da wurde auch nicht an Kleinigkeiten wie Stempel oder Locher gespart, denn schließlich müssen sich Elfriede und Theobald im Beamtenmarathon beweisen und fit halten: stempeln, lochen und ablegen. „Wir Beamten halten uns schließlich fit.“

Und schließlich gab es auch ein Happy End. Das Gute siegte wie immer über das Böse. Nur, dass in diesem Jahr ein Geist die Finger mit im Spiel hatte, den leider außer Theobald sonst niemand sehen konnte. Außer dem Publikum natürlich, das seine helle Freude an dem Agieren auf der Bühne hatte und die Schauspieltruppe von St. Katharina mit langanhaltendem und herzhaftem Applaus belohnte. Für zwei Stunden schweißtreibendes Spiel – was für Beamte nicht üblich ist – auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

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