Herzogenrath - Theater AG: 30 Jahre alt, aber weiter frisch am Werk

Theater AG: 30 Jahre alt, aber weiter frisch am Werk

Von: fs
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Die Theater AG Sankt Katharina Kohlscheid begeisterte ihr Publikum mit dem Stück „Die Seniorenklappe“. Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath. Was für ein Theater. Zu ihrem 30-Jährigen Bestehen hatte die Theater AG Sankt Katharina Kohlscheid wieder eine perfekte Auswahl getroffen. „Die Seniorenklappe“ passte nicht nur zur Gruppe, die selber älter und reifer geworden ist, sondern traf wieder einmal den Zeitgeist. Ob es des der vielzitierte „demografische Wandel“ oder die boomenden Seniorenhäuser sind. Jeder bekam sein Fett weg.

Dabei betonte Bernd Schaffrath bei seiner Begrüßung, dass das Stück nur all‘ das auf die Spitze treiben würde, was sowieso Alltag sei, man sich aber selber nicht zu ernst nehmen und das Leben auf die leichte, humoristische Weise leben solle. So kam es dann auch. Als der unter Arthrose leidende „Senior-Bankräuber“ Freddy Kox (Paul Schäfermeier) die Kohlscheider Bank um 500.000 Euro erleichterte, musste er schnell untertauchen.

Fünf ausverkaufte Vorstellungen

Dafür suchte er sich die Seniorenresidenz „Freundeshaus“ aus, in der Heimleiterin Graatz (Birgit Ligensa) bis dahin meinte, alles im Griff zu haben. Kox traf dort aber auf eine Menge menschlich unterschiedlicher Charaktere.

Da war zum einen Herr Hoppmann (Robert Grabo), der als früherer technischere Betriebsleiter der Aachener Verkehrsbetriebe noch immer das Kommando behalten wollte, Estelle Dumont (Andrea Schaffrath), die den Weltuntergang berechnet und sich und ihre Umwelt darauf akribisch mit Lebensmitteleinkäufen und einer Segeljolle vorbereitet, Hera Blank (Sabine Böker), die als Kriminalautorin an ihrem Bestseller arbeitet, sich aber auch noch in Freddy verliebt und Blanche Duval (Andrea Goldbach), die als Schauspiel-Diva allerorts – gefragt oder auch ungefragt – Kultur vermittelt.

Neben diesen Mitbewohnern spricht Frau Freudenberger (Ursula Baggen) allen Mut zu, jedoch mit Talent für die am wenigsten passenden Worte und dem Gespür für den stets schlechtesten Moment, den auch Hauptkommissar Bepenbrink (Mario Goldbach) bei seinen Ermittlungen in der Seniorenresidenz immer wieder trifft und seinen vermutlich letzten großen Fall vor seiner Pensionierung zu lösen sucht.

Wenig hilfreich ist dabei auch das Pflegepersonal. Raki Satar (Daniela Havenith), die meist als „Schwester Rabiata“ verwechselt wird und Rudi Rosenrunge (Bernd Schaffrath), der als älterer Pfleger dank Enkeltochter noch immer mit der Zeit geht, wimmeln Telefonanrufe in der Seniorenresidenz als live singende Warteschleife stets ab. Kurzum: was für ein Theater.

Als Neuzugang in der 30 Jahre alten Gruppe bewies sich Biggi Müller mit einem professionellen Technikeinsatz. Fernsehszenen über die Berichterstattungen zu dem Banküberfall oder auch Einspieler setzte sie gekonnt ein und um.

Insgesamt fiel es Regisseur Georg Schölzel, der zudem an jedem der fünf restlos ausverkauften Abende in den Souffleurkasten stieg, dabei wieder leicht, diese Truppe auch bei diesem Stück wieder gut zusammen zu halten. Schließlich kennen sich die meisten mindestens über die 30 Jahre des Bestehens der Arbeitsgemeinschaft in der katholischen Kirchengemeinde hinaus.

Was so vor 30 Jahren in der Pfarre Sankt Katharina mit bescheidenen Mitteln entstand, hat sich längst zu einer gefragten Kultureinrichtung entwickelt. So werden die Stücke seit einigen Jahren auch im Rahmen des städtischen Kulturprogramms präsentiert, worauf die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Marie-Theres Sobczyk bei ihrem Besuch aufmerksam machte.

Pfarrer Rainer Thoma, der nach seinem Wechsel im vergangenen Jahr nach Kohlscheid zum ersten Mal diese pfarrliche Gruppierung so kennen lernte, zeigte sich ebenso begeistert, wie alle anderen 700 Gäste, die schon Wochen vor der Premiere dafür sorgten, dass die Karten für die Aufführungen in rasanter Geschwindigkeit vergriffen waren. Auch etwas, was für die Gruppe, deren Bodenständigkeit, die gute Auswahl der Stücke und deren Umsetzung eine deutliche Sprache spricht.

Da sich die Gruppe 1986 gründete, aber erstmals 1987 auf die Bretter, die die Welt bedeuten, stieg, wies Bernd Schaffrath noch darauf hin, dass man nach dem diesjährigen runden Geburtstag im kommenden Jahr das 30. Stück präsentieren werde …

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