Terror-Übung: Im Ernstfall setzen die Retter auf Teamarbeit

Von: Elisa Zander
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Hektischer Moment: Die schwerv
Hektischer Moment: Die schwerverletzte Frau wird von den Rettungskräften aus dem zerstörten Kleinbus befreit. Foto: Elisa Zander

Kerkrade. Rauchschwaden wabern über den noch mit Tau bereiften Rasen. Das Dach des gerade explodierten Kleinbusses ist neben das demolierte Auto geschleudert worden. Verletzte liegen am Boden, drei Menschen halten sich auf den Beinen und gehen apathisch um den Unfallort herum.

Blut zeichnet ihre Gesichtszüge nach, eine Frau hält sich ihren scheinbar gebrochenen Arm. Es wird sich herausstellen, dass sie im Gegensatz zu ihren Mitreisenden noch Glück im Unglück hatten. Ein Toter und drei Schwerverletzte werden später in der Statistik stehen. Darunter eine junge Frau, die Beifahrerin des Fahrzeuges, die in ebenjenem eingeschlossen ist und nur durch die Feuerwehr befreit werden kann. Sie schreit vor Schmerz, weint. Aber darauf können die Einsatzkräfte nur bedingt Rücksicht nehmen. „Sie muss hier raus. Sofort!”

Schnell steht fest, dass es ein terroristischer Anschlag war. Drei Sprengsätze waren an dem Kleinbus befestigt worden. Das Motiv ist unklar, die Täter noch nicht identifiziert. Damit wird sich das Spezialkommando beschäftigen. Doch vorerst muss noch die Bombe im entfernt stehenden Kastenwagen begutachtet und möglichst entschärft werden. Ein Roboter spritzt hierzu mit viel Kraft einen kalten Wasserstrahl auf den Bau, bevor sich ein Mitarbeiter im Spezialanzug dem Pkw nähert und Entwarnung gibt.

Alle beteiligten Katastrophenkräfte sind erleichtert, dass dieses Szenario lediglich eine Übung gewesen ist. Zahlreiche Einsatzkräfte vom niederländischen und deutschen Rettungsdienst, der Feuerwehr und Polizei beteiligten sich auf dem Gelände der Abtei Rolduc an dem Manöver. „So oder ähnlich könnte das auch bei uns passieren”, sagt Jo Krewinkel von der Limburgse Vereniging voor Intensive Zorgverlening (LVIZ/Limburgische Vereinigung für Intensivmedizin). Die LVIZ organisiert bereits zum 17. Mal das Symposium zur Akutversorgung. Erstmals arbeitet die organisation zu diesem Thema mit der Marechaussee-Süd, der niederländischen Nationalpolizei zusammen, die die Ausführungsleitung übernommen hat.

Das, was für den Zuschauer bei der Übung auf dem Sportplatz der Abtei Rolduc unspektakulär und bisweilen sogar amüsant aussieht, ist für die Rettungskräfte eine große Kraftanstrengung - sowohl körperlich als auch mental. Die Beschreibung von Matt Smeets, Vorsitzender der LVIZ, kann Benjamin Schöngen vom DRK Kreis Aachen nur bestätigen. „Für uns ist es eine große Herausforderung, mit relativ wenigen Einsatzkräften eine solche Situation zu bewältigen.”

Er war gemeinsam mit zwei Kollegen mit dem Herzogenrather Rettungswagen an der Übung beteiligt und lobt im Nachhinein insbesondere die Zusammenarbeit mit den niederländischen Kollegen. „Die Möglichkeiten für solche grenzübergreifenden Übungen sind leider nicht so häufig. Aber wenn so eine Katastrophe hier in Kerkrade passieren würde, wären wir als Einsatzkräfte auch dabei.”

Über zwei Tage erstreckt sich das Symposium, die Übung zum Auftakt ist das visuelle Highlight. Nicht zu unterschätzen sind jedoch die Gespräche, die auf das Manöver aufbauen. Die Reflektion des Erlebte und das Finden neuer Ansätze stehen dann im Fokus. Eines kann der Vorstand der LVIZ aber bereits kurz nach dem Ende der Übung festhalten: „Es war sehr realistisch und alles hat wunderbar funktioniert.”
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