Würselen - Tauziehen um Singergelände geht weiter

Tauziehen um Singergelände geht weiter

Von: Karl Stüber
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Singergelände wie verriegelt und verrammelt: Die Stadt Würselen muss bislang draußen bleiben. Nun will die Kommune die Rahmenbedingungen für eine Bebauung definieren und nochmals auf den Eigentümer, die Firma Groz-Beckert, zugehen. Foto: Karl Stüber

Würselen. Nun will die Stadt Würselen doch noch einmal auf den Eigentümer des Singergeländes, die Firma Groz-Beckert, zugehen – diesmal mit einem Konzept, was die Kommune denn auf dem bereits sanierten und nun brachliegenden Gelände an Bebauung (zulassen) will.

Die Verwaltung will bis zur nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses im November einen entsprechenden Vorschlag erarbeiten, der den bislang erkennbaren Willen auch der Politik zusammenfasst. „Wir wollen unter anderem Lageplan, maximale Zahl der Geschosse sowie Verkehrs- und Grünflächen definieren“, sagte Manfred Schmitz-Gehrmann, Fachbereichsleiter Stadtplanung und Umwelt, in der Sitzung dieses Fachausschusses. Die Qualität eines rechtskräftigen, also bindenden Bebauungsplans habe dies jedoch nicht.

„Wenn der Ausschuss sich damit befasst hat, wollen wir das mit dem Eigentümer besprechen“, sagte der Stadtplaner. Wenn die Firma Groz-Beckert und deren Wunsch-Investor sich auf die Vorgaben einließen, wäre eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, die derzeit von einem Fachbüro rechtlich geprüft wird, gar nicht mehr notwendig, skizzierte Schmitz-Gehrmann den Idealfall.

Die Verwaltung schlägt der Politik dieses auf eine gütliche Einigung abzielende Vorgehen aus gutem Grund zu. Die juristische Vorprüfung einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme und deren Erfolgsaussicht hat wohl in einer ersten Bewertung ergeben, dass das Singergelände mit 2,4 Hektar möglicherweise in Augen eines Richters doch nicht hinreichend groß und bedeutend für die Stadtentwicklung ist, um den Eigentümer mit einer städtebaulichen Ersatzmaßnahme (bis hin zur Enteignung gegen Entschädigung) in die Knie zu zwingen.

Dagegen wird dazu geraten, alternativ eine städtebauliche Sanierungsmaßnahme in Erwägung zu ziehen. Die entspricht im Wesentlichen dem selben Verfahren, dient aber der Behebung von „Missständen“. Und ist es nicht ein Missstand, dass dieses Grundstück ruht, statt im Zuge der Stadtentwicklung dem allgemeinen Interesse folgend genutzt zu werden? Aber auch diese Frage müsste im Zweifelsfall ein Gericht klären.

Nach Stand der Dinge würde die Stadt Würselen, genauer die kommunale Stadtentwicklungsgesellschaft (SEW), knapp drei Millionen Euro zahlen wollen.

Groz-Beckert soll dagegen einen Investor an der Hand haben, der 6,5 Millionen Euro hinblättern würde. Wer so viel Geld fürs Grundstück zahlt, der will natürlich den Einsatz plus Gewinn aus dem Projekt holen. Das bedeutet, dass auf diesem Areal wohl viele anspruchsvolle (Eigentums-)Wohnungen untergebracht werden müssen, deren Vermarktung den gewünschten Ertrag bringt. Massive und hoch aufragende Bebauung – und keine Chance für sozialgebundenen Wohnraum, wie sie die Stadt Würselen wünscht. Die Rede ist gar vom „Sylt-Effekt“. Die Preisspirale für Bauland und Wohnraum würde im Speckgürtel von Aachen weiter in die Höhe getrieben, immer weniger Würselener könnten da mithalten.

Kritiker halten hingegen der Stadt Würselen vor, sie möge sich an die eigene Nase fassen. Die Kommune würde bislang bei der Vermarktung von anderen Baugebieten keineswegs so intensiv auf Sozialwohnungen bzw. günstigen Wohnraum bestehen wie jetzt beim Singergelände.

Eine erneute Nachfrage unserer Zeitung bei Groz-Beckert, was denn nun der Eigentümer zu all dem sagt und wie nun der Entwurf des favorisierten Investors aussieht, wurde abschlägig beschieden. Bei dem derzeitigen Verfahrensstand sehe man dazu keine Veranlassung.

Stets gut unterrichtete Kreise wissen allerdings zu berichten, dass der interessierte Investor ein durchaus ansehnliches Konzept durch ein renommiertes Architekturbüro aus Eindhoven (Niederlande) hat erarbeiten lassen, das allerdings in einigen wichtigen Punkten den Vorstellungen der Stadt widerspricht. So sind drei große und hoch aufragende Baukörper am Fuß der Kalkhalde fächerförmig angeordnet und mit reichlich Grünfläche umgeben. Neben dem alten Hauptzugang an der Bahnhofsstraße sind zwei massive Baukörper geplant. Weitere Gebäude stehen am Rand des Areals Richtung Kreuzstraße.

Die Haupterschließungsstraße führt von der Bahnhofsstraße in einer 90-Grad-Kurve zum alten Zugang der ehemaligen Zigarrenfabrik an der Kaiserstraße, gesäumt von weiteren Häusern. Die im Besitz der SEW befindlichen Grundstücke an der Kaiserstraße sind in die Planung einbezogen. Eine Tiefgarage soll 200 Fahrzeugen Platz bieten.

Unterm Strich attraktiv, aber nur für Interessenten mit gut gefülltem Geldbeutel.

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