Taubenschlag im Alten Rathaus: Weniger Dreck in der Innenstadt

Von: ehg
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Erfolgsgeschichte Taubenschlag
Erfolgsgeschichte Taubenschlag: Dr. Renate Knauf (2.v.l.) überreicht die Dokumentation an Bürgermeister Arno Nelles im Beisein von Alfred Sensen (THW) und den Mitarbeiterinnen Stefanie Wachowitz und Heike Haselmayr. Foto: W. Sevenich

Würselen. Im Taubenschlag auf dem Dachboden des Kulturzentrums Altes Rathaus an der Kaiserstraße herrscht Hochbetrieb. Wie die Zwischenbilanz nach vier Jahren aussieht, hat seine Initiatorin Dr. Renate Knauf, die Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen im Stadtrat, in einer Dokumentation zu Papier gebracht.

Das erste Exemplar überreichte sie jetzt Bürgermeister Arno Nelles, der sich bei allen bedankte, die sich in das Projekt eingebracht haben. Vor der Einrichtung des Taubenschlages seien viele Beschwerden von Anwohnern des Morlaixplatzes ob der Belästigungen und Verunreinigungen im Rathaus eingegangen. In jüngster Zeit habe es keine Klagen mehr gegeben. Nelles: „Der Taubenschlag hat das gebracht, was sich alle davon versprochen hatten: Die Zahl der Tiere ist deutlich zurückgegangen.”

Dr. Knauf erinnerte daran, dass seit dem Jahre 1995 von engagierten Bürgern ein Konzept zur tierschutzgerechten und nachhaltigen Regulierung der Stadttaubenpopulation erarbeitet worden sei. Die Städte Aachen, wo heute bereits der elfte Taubenschlag geplant ist, und Augsburg waren 1997 die ersten, die die entwickelten Konzepte umsetzten. Die gelegten Eier werden regelmäßig durch Gipsattrappen ausgetauscht, so dass die Taubenbestände abnehmen.

Im Jahre 2004 stellte die Stadtverordnete Dr. Renate Knauf im Würselener Rat den Antrag zur Errichtung eines kommunalen Taubenschlages. Da Stadttauben sehr standorttreu sind, musste ein Standort in unmittelbarer Nähe der City gefunden werden. Schließlich konnte er auf dem Dachboden des Alten Rathaus eingerichtet werden. Ihn kostenlos zu bauen, dazu erklärte sich das THW Alsdorf bereit. Innerhalb nur eines Tages wurde er von zehn ehrenamtlich arbeitenden jungen Männern unter der Leitung von Alfred Sensen verwirklicht. Die Kosten für das Baumaterial beliefen sich auf 1000 Euro, die zur Hälfte von einem ortsansässigen Bauhaus gesponsert wurden. Im Sommer 2008 wurden die ersten Taubenküken als Lockvögel in dem neu errichteten Schlag eingesetzt.

Schon nach kurzer Zeit nahmen die Tauben, die vorher hauptsächlich auf dem Morlaixplatz und an der Kaiserstraße anzutreffen waren, diese neue Behausung an. Schon bald wurde der Schlag auch als Nistplatz angenommen. Nach nur vier Wochen konnten die ersten zwei Eier gegen Gipsattrappen ausgetauscht werden. Im November 2008 wurden 47 Tauben im Schlag gezählt, heute sind es an die 60. Die ehrenamtlichen Helfer waren 2008 insgesamt 64-mal im Einsatz, indem sie den Tieren Futter und frisches Wasser brachten oder zusätzlich den Schlag von Taubenkot reinigten. 2008 wurden insgesamt 35 Eier entnommen, im Jahr darauf waren es 133. Die Zahl stieg in 2010 auf 209 und 2011 sogar auf 339 Eier. Fast 150 Stunden ehrenamtliche Arbeit wurden in 2011 geleistet. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2012 belief sich die Zahl der ausgetauschten Eier auf 169.

Dr. Knauf fasst zusammen: „Insgesamt konnte im Zeitraum von vier Jahren durch den Austausch von 875 Eiern eine Zunahme der Taubenpopulation verhindert werden, eine Form der Geburtenkontrolle, die sowohl im Sinne des Tierschutzes als auch im Sinne der Bevölkerung ist.” Zudem seien jährlich 530 Kilogramm Kot aus dem Schlag entsorgt worden, die so der Öffentlichkeit erspart geblieben seien. Eine Taube produziere nämlich jährlich etwa zehn bis zwölf Kilogramm Nasskot. Neben dem Kot haben die ehrenamtlichen Helfer auch noch einen nicht unerheblichen Anteil an Nistmaterialien, Federn und Staub entfernt. Die Stadt Würselen stellt monatlich 30 Euro für Futter und Reinigungsmittel zur Verfügung.

Damit auch in Zukunft eine saubere, tierschutzgerechte und kostengünstige Lösung des Stadttaubenproblems in Würselen garantiert werden kann, müssen auch weiterhin ehrenamtliche Helfer zur Verfügung stehen. Zur Entlastung der vier Frauen - neben Dr. Renate Knauf sind es Heike Havelmayr, Stephanie Wachowitz und Karin Lourdes - die sich ehrenamtlich in den Dienst des Projektes stellen, werden weitere Ehrenamtler gesucht.

Ute Wendt, die Vorsitzende des Bündnisgrünen Ortsverbandes: „Hier wird lobenswerte Arbeit im Verborgenen geleistet.” Und: „Es ist ein gutes Beispiel bürgerschaftlicher Kooperation.”
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