Würselen - Tag der Befreiung zum Feiertag erklären

Tag der Befreiung zum Feiertag erklären

Von: ehg
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Niemals vergessen: Gymnasiasten, Friedensgruppen und die Stadt Würselen richten die Gedenkveranstaltung an der Bahnhofstraße/Nordstraße alljährlich aus.

Würselen. Im Zeichen der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten vor 80 Jahren stand die Gedenkveranstaltung 2013, die anlässlich der Befreiung von der NS-Herrschaft am 8. Mai 1945 am VVN-Mahnmal an der Bahnhofstraße/Ecke Nordstraße stattfand.

Organisiert wurde sie vom Gymnasium der Stadt mit Unterstützung des Arbeitskreises „Kein Vergessen“ und der Würselener Initiative für den Frieden. Mit der Thematik der Bücherverbrennung hatten sich Schüler des Grund- und Leistungskurses Geschichte Q 1 in den vergangenen Wochen intensiv auseinandergesetzt und das Thema unter den verschiedensten Aspekten beleuchtet.

Die Ergebnisse ihrer geschichtlichen Aufarbeitung stellten sie bei der Gedenkveranstaltung vor. „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“ – mit diesem prophetischen Wort des Dichters Heinrich Heine aus dem Jahre 1821 stimmten die beiden Lehrerinnen Carina Asikan und Nicola Justen in die Gedenkveranstaltung ein. Dass junge Menschen sich so intensiv mit dem Thema beschäftigt hatten, lobte Bürgermeister Arno Nelles als außergewöhnlich bemerkenswert.

Den Initiatoren der Veranstaltung und vor allem dem Städtischen Gymnasium sagte er Dank. Obwohl die Folgen des Weltkriegs überall präsent gewesen seien, sei der 8. Mai 1945 ein Glückstag für Deutschland gewesen, führte Nelles aus. Habe doch die Gesellschaft einen freiheitlich-demokratischen Neubeginn starten können. Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 hingegen sei ein Verbrechen an der Gesellschaft gewesen. In Anlehnung an Heinrich Heine sagte der Bürgermeister: „Wer Bücher verbrennt, vernichtet das Gedächtnis von Generationen.“

Er appellierte: „Wenn unsere Geschichte in Frage gestellt wird, müssen wir vehement einschreiten.“ Und: „Not, die durch Arbeitslosigkeit hervorgerufen wird, gipfelt oftmals in kriegerischen Auseinandersetzungen.“ Dafür führte Nelles aktuelle Beispiele außerhalb Europas an.

Für das Leid und die Gräueltaten, die der deutsche Faschismus in die Welt brachte, ließ die Sprecherin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), Susanne Hendeß, Zahlen sprechen: 60 Millionen Kriegstote, sechs Millionen ermordete Juden sowie eine halbe Million getötete Sinti und Roma. Sie erinnerte, dass es einst in Würselen Widerstand gegen die Errichtung des Mahnmals gegeben habe, das ursprünglich an der Bissener Straße stehen sollte.

Und dass der 8. Mai erst 1985 zum ersten Mal vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum Tag der Befreiung deklariert worden sei. Den Tag zum Feiertag zu erklären, dafür plädierte Hendeß. Die Verbrechen der Nationalsozialisten seien einzigartig in der Geschichte und dürften nie vergessen werden. Auf den alljährlich Gedenktag am VVN-Mahnmal dürfe Würselen stolz sein.

„Wir tragen als Deutsche in besonderer Weise Verantwortung für den Frieden in der Welt“, meldete sich der aus Brüssel noch rechtzeitig angereiste Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, zu Wort. Er sprach dass Deutschland in Europa derzeit unpopulär sei, obwohl doch ein sehr solidarisches Land. Was Schulz darauf zurück führte, dass die Mitte Europas stark sei, die Menschen an der Peripherie aber „darbten“.

Allen Verantwortlichen gab er mit auf den Weg: „Wenn wir anderen Völkern unseren Willen aufzwingen, endet das in einem Desaster.“ Seine Behauptung untermauerte Schulz mit Beispielen aus der Geschichte. Wer das Gute wolle, müsse etwas dafür tun, schrieb der Präsident seinen Zeitgenossen ins Stammbuch.

Angela Ortmanns-Dohrmann, ehemalis Leiterin der Stadtbücherei, trug als Vertreterin des Fördervereins Texte von bei den Nazis verfemten Autorinnen vor. Bernd Wiesemann und Mitglieder des Schulchors des Städtischen Gymnasiums umrahmten die Gedenkfeier musikalisch.

Zum Schluss stimmten alle „Wir sind die Moorsoldaten“ an, das Lied der Häftlingedes KZ Börgermoor bei Papenburg. Die Würselener Friedensinitiative sammelte derweil Unterschriften gegen den Waffenhandel.

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