Herzogenrath - „Swimstar”: Neues Training soll Kindern die Scheu vorm Wasser nehmen

„Swimstar”: Neues Training soll Kindern die Scheu vorm Wasser nehmen

Von: Nina Krüsmann und Stefan Schaum
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Wasserscheu? Keine Spur! Nicht bloß diese jungen Nixen haben sich mit dem „Swimstar”-System rasch angefreundet. Foto: Stefan Schaum

Herzogenrath. Krebs, Pinguin, Tintenfisch und Eisbär statt Seepferdchen: Nicht nur was die Schwimmabzeichen betrifft, geht der Herzogenrather Schwimmverein neue Wege. Kinder auf spielerische Art mit dem Wasser vertraut und zu Schwimmern zu machen ist das Ziel.

Neu entwickelt hat der Verein das Konzept namens „Swimstar” nicht. Das stammt aus der Schweiz, wo es seit gut 15 Jahren in der Schwimmausbildung populär ist.

„Mit viel Ruhe und Geduld bringen wir den Kindern erst einmal bei, dass das Wasser ihr Freund ist. Sie haben Spaß an den Kursen, gewöhnen sich sehr schnell ans Wasser und können oft schon nach drei Kursstunden schwimmen.” Schwimmausbilderin Friederike Alt ist mehr als zufrieden mit dem Start der Kurse im Lehrschwimmbecken der Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule.

50 Kinder sind dort bereits zu richtigen Wasserratten geworden. Der erste Schritt war für die meisten von ihnen zugleich der schwerste: Den Kopf unter Wasser zu tauchen und ganz und gar im nassen Element zu sein. „Die Scheu vor dem Wasser muss erst einmal weg sein”, sagt Gerd Nottelmann, Lehrwart des Vereins. Kann ein Kind mindestens drei Sekunden lang unter Wasser sein, also eine sehr kurze Zeit, ist es bereits ein Kandidat für das erste der sieben so genannten Motivationsabzeichen, den Krebs.

Schritt für Schritt

„Wir machen das Schritt für Schritt”, sagt Nottelmann, „ganz langsam.” Das klassische erste Schwimmabzeichen, das bekannte Seepferdchen, sei hingegen eine Mogelpackung, und eine gefährliche obendrein. „Da müssen Kinder ins tiefe Wasser springen und eine Bahn schwimmen”, benennt er die geforderte Leistung. Doch macht sie das bereits zu Schwimmern? Er zweifelt daran. „Da ist Brustschwimmen gefordert, wobei die Kinder in der Regel den Kopf weit über Wasser halten.”

Schon oft habe er beobachtet, was passiert, wenn der Kopf dann doch mal unter die Wasseroberfläche kommt. „Dann bekommen viele Kinder Panik, weil sie das noch gar nicht kennen.” Also besser: erst mal wie bei „Swimstar” untertauchen und dann langsam zum Schwimmen kommen.

Und bloß nicht gleich zum Brustschwimmen. Nottelmann: „Das ist Unfug. Brustschwimmen ist die komplizierteste Technik, eine eigentlich unnatürliche Bewegung, viel zu schwer für den Beginn.” Weshalb in Merkstein alles mit dem leichteren Kraulstil beginnt.

Nottelmann, ein 63-jähriger pensionierter Polizeibeamter, ist seit 40 Jahren gefragter Trainer und Ausbilder im Schwimmsport. Er findet die neue Ausbildung durchaus zeitgemäß. „Durch Spiele und einfache Übungen können schon Kleinkinder die Eigenheiten des Wassers kennenlernen, sich daran gewöhnen und danach zum Schwimmen geführt werden.”

Prozess des Umdenkens

Nach den Anfänger-Kursen geht es beim Förderschwimmen ins tiefere Wasser. Ist ein bestimmtes Niveau erreicht, gibt es einen süßen Aufnäher für den Badeanzug oder die Schwimmhose. Nach der dritten Stufe können die Kinder parallel zu den neuen Abzeichen auch das althergebrachte Seepferdchen erwerben. Viele wollen das.

Nottelmann: „In den Grundschulen ist es bei Sportlehrern leider immer noch gefragt. Erst, wenn ein Kind das Seepferdchen hat, gilt es dort als Schwimmer.” Er weiß, dass der Prozess des Umdenkens langwierig sein kann. „Wir suchen den Dialog mit den örtlichen Grundschulen, damit die Schwimmlehrer endlich die Vorteile der neuartigen Schwimmausbildung kennenlernen.”
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