Student misst in Alsdorf die Bordsteinhöhen

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Viel zu hoch: Denis Kruse hat in der Innenstadt einige Querungsbereiche entdeckt, die für Rollstuhlfahrer kaum zu überwinden sind. Fehlende Absenkungen wie hier an der Einmündung zur Annastraße.

Alsdorf. Sein Professor war schon mal sehr zufrieden. Eine 1,7 hat Denis Kruse als Note für seine Bachelor-Arbeit bekommen. Jetzt soll seine Forschung obendrein Folgen haben.

Zwei Monate lang hat der 28-jährige Student der Fachhochschule Aachen die Alsdorfer Innenstadt unter die Lupe genommen.

Dabei hat der angehende Bauingenieur vor allem darauf geachtet, wie Behinderte sich in ihr bewegen können. Wo wird ihnen das Fortkommen erleichtert, wo werden sie ausgebremst? Seine Verbesserungsvorschläge will die Stadt nun Schritt für Schritt umsetzen.

Wenn man so will, hatte eine ältere Dame den Stein ins Rollen gebracht. Den Fall einer Frau, die mit ihrem Rollator als Gehhilfe so manchen hohen Bordstein nur mühsam erreichen konnte, hatte Gustl Rinkens vor gut einem Jahr als Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung vorgestellt.

In diesem Gremium wuchs der Wunsch, ein verbindliches Konzept für die Beseitigung von Stolperfallen und die Schaffung geeigneter Querungshilfen etwa für Rollstuhlfahrer zu erstellen. Im Lehrstuhl für Verkehrswesen der FH fand man dazu den passenden Partner. „So bin ich dann zu dem Thema für meine Arbeit gekommen”, sagt Denis Kruse. „War zwar nicht so ganz freiwillig, hat mir aber sehr viel Spaß gemacht.”

Zu Beginn hat er das getan, was auch die Kommunen tun müssen, wenn sie neue Flächen planen oder bestehende aufbessern wollen: sich durch einen Wust von Empfehlungen, Broschüren und Richtlinien zu wühlen.

Denn einen maßgeblichen Leitfaden in Sachen Barrierefreiheit gibt es bislang nicht. „Für uns ist es ein Problem, selbst definieren zu müssen, wie Barrierefreiheit aussieht”, sagt Georg Felkel, zuständiger Verkehrsplaner in der Alsdorfer Verwaltung. „Es gibt sehr viel Unsicherheit auf diesem Gebiet.”

Zumal Barrierefreiheit sich nicht für jeden Behinderten gleich darstelle. Ist der Rollstuhlfahrer darauf angewiesen, möglichst flache oder gar bodengleiche Bordsteine ansteuern zu können, bieten solche Absenkungen einem Blinden womöglich keinen Orientierungspunkt mehr. Felkel: „Das ist jedes Mal eine Einzelfallentscheidung.”

Zerpflückt und kombiniert

Um so mehr begrüßt er, dass Denis Kruse bestehende Konzepte gesichtet, zerpflückt und neu zusammengesetzt hat.Ê„Ich habe quasi das Beste aus verschiedenen Ansätzen zur Barrierefreiheit kombiniert”, sagt der Student. Vor Ort hat er sich dazu vor allem in beiden Zentren umgesehen: in Mitte am Mariadorfer Dreieck.

Dort, wo bei der Neugestaltung schon viel Beispielhaftes geschaffen worden ist. Das man aber verbessern und andernorts umsetzen kann. „Easy Cross Systeme” beschreibt Kruse etwa in der Arbeit: Kombinationen von Absenkungen und Rillenplatten, die Sehbehinderte mit Stöcken ertasten und die Laufrichtung erkennen können. Auch moderne akustische Signalgeber an Ampeln stellt er vor.

Konzept verdichten

Die Anregungen sollen im Lauf des Jahres im Rathauses zu einem Konzept für Alsdorf verdichtet werden. Felkel: „Wir gehen jetzt in alle Ortsteile und prüfen, wo und wie wir die Vorschläge umsetzen können.” In 2012 sollen dann die ersten Bordsteine und Querungen aufgebessert werden. Der Anfang ist jedenfalls gemacht. Felkel: „Wir haben jetzt einen guten Leitfaden, mit dem wir losmarschieren können.”
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