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Stricken und Sticheln unter guten Freunden

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
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Dreieinhalber Nadeln und feines Garn: Strickkreis im Naturfreundehaus Merkstein. Vielleicht nicht total hipp, aber voll im Trend. Foto: Verena Müller

Herzogenrath. Helga lugt über die Lesebrille zu Erna rüber: „Du bist aber auch schon lange dran an dem Schal!“ Erna schaut von ihren dicken, silberglänzenden Stricknadeln auf und erwidert schmunzelnd den Blick ihrer Sitznachbarin: „Wo du überall hinguckst ...“, antwortet die 83-Jährige nur. Kleine Sticheleien unter alten Bekannten in der Sitzecke des Naturfreundehauses Merkstein.

Sie geschehen zwischen Holzvertäfelung und ungelenken Naturstudien an den Wänden, zwischen Thermoskannen und Kunststoffblumensträußchen auf roten Tischdecken.

Helga Nacken (74) aus Merkstein und Erna Korstick aus Alt-Merkstein gehören dem neu gegründeten Strickkreis des Vereins an, der für viele Hobbys mit Familienanschluss bietet. „Wenn ich zu Hause weitergestrickt hätte, hätte ich ja hier nichts mehr zu tun“, rechtfertigt sich Erna für ihren noch nicht vollendeten Loop-Schal. „Machste lieber Kreuzworträtsel“, hätte sie sich also gesagt.

Mit Stricken liegen die Damen voll im Trend, von großstädtischen Hipstern, von Guerilla-Stricken und Street-Art sind sie aber so weit entfernt wie Skateboarden von Skat.

Traudi Stefani (65) aus Merkstein erscheint ein paar Minuten zu spät, sie musste noch schnell die Enkel versorgen. Sie flankiert Helga von der anderen Seite. „Wie weit biste – zeig mal“, will die gleich wissen. „Ich hab das wieder aufgeribbelt“, sagt Traudi und ein Stöhnen geht durch die Sitzecke. „Es hat mir nicht gefallen“, meint sie achselzuckend. Mit ihren dreieinhalber Nadeln und dem feinen beigen Garn strickt sie ein Lochmuster.

Sie hat übrigens nicht nur die wildesten Muster durch einen Blick auf die Abbildung drauf, sie ist auch amtierende Trägerin des vereinsinternen „goldenen Wanderschuhs“, hat also an den meistern Wanderungen der Naturfreunde teilgenommen. 2011 und 2012 hatte Helga das Rennen gemacht. Die bleibt montags, ebenso wie Erna, nach dem Strickkreis da und nimmt an der Probe der Musikgruppe teil.

So geht es den meisten. Wer Mitglied der Naturfreunde wird, erhält im Jahresbeitrag alle Angebote inklusive und nimmt häufig mehrere wahr. Der zehnköpfige Strickkreis ist sogar aus einer Wandergruppe entstanden. Auf einmal wollte jeder solche Stulpen wie Rosalie Vollbach und so einen schicken Poncho wie Heike Kappes (beide 61). „Nö, das macht ihr mal schön selbst“, hat Rosalie da geantwortet und so wurde die Idee einer neuen Gruppe geboren.

Anfänger gibt es keine, aber Kenntnisstand und Lernbegeisterung sind recht verschieden: „Ich brauche keine Anleitung“ (Traudi), „Ich kann kein Muster“ (Helga), „Ich nehme nur Strumpf-Stricknadeln“ (Erna) und „Bremer Muster, mit fünf Nadeln gestrickt. Wenn man es mal gemacht hat, ist es ganz einfach“ (Rosalie).

„Gaststricker“ kommen zwar auch, sind aber eher die Ausnahme im mit Kissen gepolsterten Eckchen im Naturfreundehaus. Eine befand: „Nur alte Leute“ und ward nicht wieder gesehen. Eine andere Frau mit Tochter blieb.

„Wir würden auch Anfänger in unsere Gruppe aufnehmen und uns zum Erklären mit ihnen ein bisschen abseits setzen“, sagt Rosalie Vollbach. Die nötige Geduld bringt sie als ehemalige Kindergärtnerin sicherlich mit. Interessenten melden sich unter Telefon 02407/9048695 bei ihr.

„Nimmste mich nachher ein Stück mit zurück?“, fragt Helga Erna. Wie die meisten in der Runde kommen die beiden zu Fuß in die Comeniusstraße. Die neuesten Mützen, Schals oder Ponchos können dabei auf Winterfestigkeit gestestet werden und ein bisschen Training für die nächste Wanderung ist das auch.

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