Streit um Vorschlag zur Erweiterung der Gesamtschule

Von: Beatrix Oprée
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Guten Ruf nicht gefährden: Seit 20 Jahren bewerben sich mehr Schüler in Merkstein, als aufgenommen werden können. Foto: Stefan Schaum

Herzogenrath. „CDU und Bündnis90/Die Grünen verweigern weiteren Zug”, titelt die SPD eine Stellungnahme im Nachgang zum Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur. Im nichtöffentlichen Teil hatten die Schulpolitiker einen Antrag der SPD diskutiert, die Gesamtschule in Merkstein, zertifizierte Europaschule, von fünf auf sechs Züge zu erweitern.

Anlass: 70 Kinder mussten beim Schulaufnahmeverfahren abgelehnt werden, über ein Drittel aller Anmelder.

„Die Gesamtschule ermöglicht alle Schulabschlüsse. Aus diesem Grund wählen offenbar immer mehr Eltern diese Schulform, um ihren Kindern bessere Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und um sie vor einer Vorabfestlegung zu bewahren”, sagt Vize-Bürgermeister Dr. Manfred Fleckenstein. Dem „völlig verständlichen Elternwunsch” gemäß, hatte die SPD kurzerhand eine zusätzliche Klasse beantragt.

„Besonders bitter”

Was aber eine „barsche Ablehnung” durch die schwarz-grüne Kooperation erfahren habe. Eine „sachorientierte Begründung” hätten CDU und Grüne nicht geben können, legt die SPD dar, denn die nötigen Räumlichkeiten seien vorhanden, so die Überzeugung des Ausschussvorsitzenden Bruno Barth. Schließlich sei die Gesamtschule einst sechszügig angelegt worden. Fleckenstein und Barth gehen mit der Kooperation hart ins Gericht: „Es ist besonders bitter, wie die CDU aus rein ideologischen Gründen mindestens 28 Kindern den Zugang zu der von ihnen gewünschten Schule verwehrt und dies in vollem Wissen, diesen damit möglicherweise ihre Zukunftschancen zu verbauen.”

„Nicht ohne zuverlässige Zahlen”

Vize-Bürgermeisterin und Fachausschussmitglied Marie-Theres Sobczyk (CDU) allerdings verweist auf die Situation der Schule, deren guten Ruf es nicht zu gefährden gelte - und die im übrigen schon seit Jahren Schüler ablehnen müsse. „Die Schule ständig auszubauen, geht nicht so einfach”, möchte die Kooperation realistische Zahlen in Sachen Schülerentwicklung zu Rate ziehen können.

Sobczyk betont: „Im Vergleich zu anderen Städten ist Herzogenrath schulisch sehr gut ausgestattet. Insgesamt gehen die Schülerzahlen nun aber zurück. Mit Blick auf die Entwicklung im Zuge des RWTH-Campus brauchen wir erst überarbeitete zuverlässige Prognosen und sollten bei der Schulentwicklungsplanung nicht vorschnell handeln.”

Vielmehr schlägt die Vize-Bürgermeisterin überparteiliche Überlegungen für eine längerfristige Gestaltung der Schullandschaft vor.

Daniel Bick, Direktor der Europaschule, hat sich indes über den plötzlichen Antrag der SPD gewundert, „über den mit mir niemand geredet hat”. Schon im 20. Jahr in Folge müsse die Gesamtschule - ein genau umrissenes und vom Regierungspräsidenten überprüftes Auswahlverfahren befolgend - jedes dritte Kind ablehnen.

Aus welchem Grund auch immer zum jetzigen Zeitpunkt nach dem Motto „Irgendwo kriegen wir eine Klasse schon unter” eine Aufstockung zu beantragen, sei zwar populär, untergrabe aber das Konzept der zertifizierten Europaschule.

Davon abgesehen, dass für derartige Entscheidungen eigentlich die Bezirksregierung zuständig sei („Aber die Stadt kann natürlich eine Initiative ergreifen”), stoße das Aufstockungsanliegen schon personell an Grenzen. Die Europaschüler lernen ab der fünften Klasse neben Englisch drei weitere Fremdsprachen. Zurzeit schon seien drei Lehrerstellen unbesetzt (Mathe und Niederländisch für die Oberstufe sowie Chemie). „Wir haben einen hohen Sprachlehrerbedarf und schon für Spanisch und Französisch zwei Muttersprachlerinnen eingestellt. Die Niederländisch-Stelle ist auch im Nachbarland ausgeschrieben. Ohne Sprachen bricht unser System zusammen.” Auch in der Raumfrage kann der Direktor der SPD nicht folgen: „Es sei denn, wir wandeln Fachräume um und verzichten auf Fachunterricht...”

„Problem in Kohlscheid lösen”

Wenn die Ratsfraktion alles das ausklammere, würde dies in Jahresfrist unweigerlich zu Beschwerden führen, dass der Unterricht nicht mehr vernünftig erteilt werden könne. „Hier muss man ein größeres Rad drehen”, sieht Bick eine Lösung vielmehr in der Neugestaltung der Schullandschaft in Kohlscheid: Denn von hier wanderten alljährlich rund 60 „zur Gesamtschule tendierende” Schüler nach Aachen ab. Bick: „Dadurch verliert Herzogenrath im übrigen auch noch viel Geld, in Form von Schlüsselzuweisungen, die nun nach Aachen fließen.”
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