Streit um evangelischen Kindergarten in Alsdorf

Von: Karl Stüber
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Alsdorf. Wird die Stadt Alsdorf in der Tat den neunprozentigen Anteil des evangelischen Kindergartenvereins Alsdorf (EVA) an der Trägerschaft der beiden Kindergärten in Alsdorf-Mitte und Ofden - es geht um knapp 77.000 Euro jährlich - übernehmen?

Der Jugendhilfeausschuss hat am Donnerstagabend die zu erfüllenden Voraussetzungen für die Zustimmung deutlich ausgeweitet, obwohl seitens der Verwaltung dringend davon abgeraten wurde. Diese wollte „nur“ einen Grundsatzbeschluss ohne größeren Forderungskatalog seitens der Stadt, um in konkrete Verhandlungen mit EVA einzutreten und die Kirche nicht mit zu großen oder nicht so schnell zu erfüllenden Forderungen zu konfrontieren.

Neben der bereits im Raume stehenden definitiven Zusicherung der Evangelischen Gemeinde Alsdorf - diese ist nicht mehr in der Lage, dem Verein EVA das Geld für die anteilige Trägerschaft zur Verfügung zu stellen -, mit einem einmaligen Betrag aus dem Verkaufserlös von Kirchengrund den vorhandenen Kindergarten in Ofden zu sanieren und für die U3-Betreuung herzurichten, geht es nun zusätzlich um Mitbestimmung.

Nach der Devise, wenn ich als Stadt schon die Musik bezahlen sollen, will ich auch die Auswahl der Stücke mit beeinflussen, soll die Stadtverwaltung nun =96 vorbehaltlich der Sichtweise des Stadtrates, der am 4. Juli tagt - in den Verhandlungen mit der evangelischen Kirche darauf drängen, dass der „arme Träger“ EVA der Stadt Mitspracherecht einräumt, was allerdings schon aus Satzungsgründen nicht so einfach möglich ist. Zudem soll das Vorkaufsrecht der Immobilie für die Stadt eingeräumt werden, wenn etwas schief gehen sollte. Aus Reihen des Ausschusses wurde die Befürchtung geäußert, dass die Kirche vielleicht nicht den notwendigen Erlös aus dem Verkauf von Grund erzielt, um ihren Beitrag, die Ertüchtigung des Ofdener Kindergartens, zu finanzieren.

Was dann? Die Zeit drängt. Um die U3-Betreuung in Ofden zu ermöglichen, soll der Kindergarten bis 1. August 2014 (Beginn des neuen Kindergartenjahrs) hergerichtet sein. Auch dieser Termin wurde seitens der Politik der Verwaltung in den geänderten Beschluss diktiert. Pfarrer Ulrich Eichenberg, Vorsitzender des Presbyteriums, reagierte sehr verärgert. Nach Ende der öffentlichen Sitzung klagte er gegenüber unserer Zeitung über sich abzeichnende Ungleichbehandlung durch die Stadt in Bezug zum Beispiel auf Deutsches Rotes Kreuz und Arbeiterwohlfahrt. Hier verzichte die Stadt trotz Förderung auf inhaltliche Mitbestimmung. In erster Rage sprach der streitbare Kirchemann von einem „kirchenfeindlichen Akt“ und „Unding“ .Wir wollen ja gerade den Kindern die Bibel nahe bringen und die Eltern zur religiösen Erziehung ermutigen. Wozu haben wir denn all die Jahre einen evangelischen Kindergarten, zürnte er.

Mit Blick auf die jetzt eingeforderte Mitbestimmung seitens der Kommune befürchtet er, dass die evangelische Landeskirche es nicht zulassen wird, dass unter dieser Bedingung Geld aus der Veräußerung von Kirchengrund für die Ertüchtigung des Ofdener Kindergartens dient. „Die Arbeit in dem Kindergarten muss evangelische Arbeit sein und bleiben“, bekräftigte er. Schließlich sei das Presbyterium bereit, zwei Kirchen – Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden und Immanuelkirche in Busch – zu schließen, um das strukturelle Defizit von 150.000 Euro im Jahr zu beseitigen und den Ausbau des Kindergartens in Ofden zu finanzieren.

Diplomatischer äußerte sich der Vorsitzende des Vereins EVA, Udo Kals, der ebenfalls die Sitzung des Jugendhilfeausschusses mit Spannung verfolgt hatte. Es sei jetzt erst einmal zu klären, was mit der geforderten Mitbestimmung überhaupt gemeint ist. Er zeigte sich froh über das grundsätzlich positive Signal seitens des Ausschusses, ernsthaft die Übernahme des Trägeranteils zu erwägen und setze jetzt auf die anstehenden Verhandlungen. Er sehe das Ganze nicht als Affront.

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