Nordkreis - Streikwelle trifft im Nordkreis vor allem Eltern

Streikwelle trifft im Nordkreis vor allem Eltern

Von: Stefan Schaum und Stefan Klassen
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Aktion am Medizinischen Zentru
Aktion am Medizinischen Zentrum mit Schrubber und Hochdruckreiniger: Verdi-Mitglieder machten gestern in Bardenberg „...den Weg frei für 6,5”. Foto: Wolfgang Sevenich

Nordkreis. Die Tonlage wird rauer, die Warnstreik-Aktionen nehmen an Intensität zu: Der Tarifstreit im öffentlichen Dienst soll nach dem Willen der Gewerkschaften am Mittwoch auch im Nordkreis deutlich zu spüren sein.

So werden einige Bürger auf Liebgewonnenes verzichten müssen: etwa den Sprung ins Becken des Baesweiler Freizeitbads. Dieses öffnet am Mittwoch lediglich für den Schulsport. Darüber hinaus heißt es an der Parkstraße: Wegen Streik geschlossen!

An den Türen der Rathäuser in Baesweiler und Setterich werden solche Schilder wohl nicht zu finden sein. Nach Angaben von Bürgermeister Dr. Willi Linkens nehmen zwar einige Verwaltungsmitarbeiter an der Gewerkschafts-Großkundgebung in Köln teil.

Eine Einschränkung des Bürgerservices wird es nach Einschätzung des Verwaltungschefs aber nicht geben. „Das wird wahrscheinlich nicht spürbar sein.”

Einige Notgruppen

Die schwelende Tarifauseinandersetzung und somit den Kampf um mehr Einkommen wollen die Gewerkschaftsmitglieder für die Bürger dafür andernorts spürbar machen, und zwar in Alsdorf. Zielgruppe sind vor allem Eltern. Die städtischen Kitas sind am Mittwoch nämlich bis auf wenige Ausnahmen geschlossen.

Am Montagmittag haben die Erzieherinnen Schilder an die Eingänge der Kitas gehängt, die Eltern über den Warnstreik informieren. „Wir können nur in den Einrichtungen an der Florianstraße und an der Straßburger Straße Notgruppen anbieten”, sagt der Erste Beigeordnete Ralf Kahlen. Maximal drei pro Kita werden das sein, mehr ist personell nicht drin. „Wir werden daher voraussichtlich nicht alle Betreuungswünsche erfüllen können.”

So erreicht der Streik sein Ziel - und sorgt für den gewünschten Unmut: Sandra Güttner hat dabei noch Glück gehabt. Die berufstätige Mutter muss am Mittwoch nämlich erst ab 16 Uhr arbeiten, also kann Töchterchen Anna morgens daheim bleiben.

„Hätte mein Dienstplan anders ausgesehen, hätte ich aber nicht gewusst, was ich ohne einen Platz in der Notgruppe gemacht hätte”, sagt sie. Zwar kann sie die Forderungen der Erzieherinnen verstehen, „doch wenn man auf eine Betreuung angewiesen ist, ist die Solidarität bei Eltern auch rasch erschöpft”.

Im Fall von Diane Florack beispielsweise ist es ihre Mutter, die sich um Enkelin Laura kümmern wird. Für sie selbst bedeutet der Streik vor allem das: Stress.

Nach einigen Telefonaten weiß sie zwar, dass sie am Mittwoch beruhigt zur Arbeit gehen kann, doch der Ärger bleibt. „Wir Eltern zahlen schließlich unsere Beiträge für die Betreuung und das Mittagessen der Kinder. Gibt es denn auch Geld zurück, wenn gestreikt wird?”

Diese Frage stellt sich in Herzogenrath nicht. Denn dort bleiben alle Kitas offen, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung im Rathaus. Ebenso wird es in Würselen sein. „Es gibt zwar einen Streikaufruf, aber es wird keine Schließungen geben”, sagt Stadtsprecher Bernd Schaffrath. So wird in der Verwaltung und in den Kitas alles so sein: ganz normal.

Den Normalzustand hergestellt haben unterdessen am Montagnachmittag einige Verdi-Gewerkschaftsmitglieder am Medizinischen Zentrum (MZ) der Städteregion in Bardenberg und Marienhöhe. Dort war kürzlich jeweils auf dem Krankenhausgelände mit Sprühkreide zahlreich der Schriftzug „sozial + unbescheiden - helfende Berufe helfen sich selbst” aufgebracht worden.

„Sehr gefreut” hat sich über diese Solidaritätsaktion etwa Harald Meyer vom Verdi-Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen.

Doch nun machten sich die Gewerkschafter mit einem Hochdruckreiniger daran, „dem Arbeitgeber zu helfen und unter dem Motto ,Wir machen Euch den Weg frei für 6,5 die Kreidezeichnungen zu entfernen”, wie es Meyer ausdrückte.

Wohin dieser Weg in den nächsten Wochen noch führt, bleibt abzuwarten...
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