Würselen - Stolpersteine halten die Erinnerung wach

Stolpersteine halten die Erinnerung wach

Von: Hanna Sturm
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Blank reiben und ihn Ruhe die Namen studieren: Die Grundschüler sind fasziniert von den Stolpersteinen am Lindenplatz. Foto: Hanna Sturm

Würselen. Ernst und betroffen sind die Gesichter der Grundschulkinder. Knapp zwanzig OGS-Schüler der Gemeinschaftsgrundschule Friedrichsstraße begleiten Lehrer Rolf Rüland und Pfarrer Rainer Gattys bei einer Stolperstein-Rallye.

Der Rundgang, bei dem die Gedenksteine für die von den Nazis verfolgten und ermordeten Würselener Juden im Blickpunkt stehen, ist eine der vielen Programmpunkte der 72-Stunden-Aktion. In Würselen steht das Engagement unter dem Motto „60 Jahre Verfassung”. „Wir versuchen, in Projekten zu erarbeiten, wie wir zu einem friedvollen und respektvollen Miteinander in unserer Gesellschaft kommen und den zunehmenden antidemokratischen Tendenzen begegnen können”, erklärt Kaplan Franz Xaver Huu Duc Tran. Das Thema Holocaust in ein besonderer Schwerpunkt im Programm.

Jugendliche sprachen zum Beispiel mit dem Aachener Autor Helmut Clahsen über seine Kindheit in der Nazi-Zeit. Der Sohn einer Jüdin überlebte nur, weil Nachbarn ihn in immer neue Verstecke brachten. Von der zunehmenden Präsenz von Neonazis in der Region und der Gefahr, die von ihnen ausgeht, berichtete der Journalist Michael Klarmann. Die Stolperstein-Rallye ist die dritte große Veranstaltung zum Thema und richtet sich speziell an die Jüngeren. Der Rundgang mit den beiden Mitgliedern des „Arbeitskreises Kein Vergessen” führt zunächst zum Lindenplatz, wo früher die Synagoge war.

Daran erinnern heute nur noch eine Seitenwand des alten Gebäudes und die im Pflaster eingelassenen Gedenkplatten davor. Diese Stolpersteine sollen eine stetige Erinnerung sein, damit weder die Opfer noch die schrecklichen Taten ihrer Mörder je vergessen werden. Auch in der Wilhelmstraße kann Rolf Rüland den Schülern die Steine zeigen, die an die Verstorbenen der Familie Voss erinnern.

„Wir erzählen Euch von dieser schrecklichen Zeit, denn Ihr müsst aufpassen, dass so etwas nie wieder geschehen kann”, erklärt der Lehrer den Dritt- und Viertklässlern. Natürlich bringt er den Schülern das schwierige Thema auf eine kindgerechte Art näher - den Schrecken verlieren seine Schilderungen dadurch keineswegs.

Mit einfachen Worten und sehr persönlichen Beispielen versuchen Rainer Gattys und Rolf Rüland, den Kindern eine Vorstellung zu geben, was es heißt, wenn ganz normale und nette Nachbarn verhaftet und gequält, wenn ganze Familien getötet werden, und die heute selbstverständlichen Regeln von Recht und Unrecht auf einmal nicht mehr gelten. „Das ist sehr traurig”, sagt die achtjährige Anna, und blickt auf die neun Stolpersteine am Lindenplatz.

Was sie und die anderen Kinder am meisten beschäftigt, ist die Frage nach dem Warum. „Ich kann das einfach nicht verstehen. Wieso haben die das gemacht?”, fragt auch Jonas fassungslos.
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