Stolpersteine für die Familie Falke in Baesweiler verlegt

Von: Stefan Schaum
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Erinnerung an die Familie Falke: Drei Stolpersteine hat Künstler Gunter Demnig in Baesweiler verlegt – im Beisein von Angehörigen der Familie, die aus Israel angereist waren. Elisha Gill (l.) sowie Li Heyman und Schlomith Zylberberg (Mitte, v.l.) nahmen an der Gedenkstunde in Baesweiler teil. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. In Baesweiler erinnern Stolpersteine an die jüdische Familie Falke. Hinterbliebene reisten zur Verlegung aus Israel an. Weitere Steine des Künstlers Gunter Demnig für Opfer des Nazi-Regimes sind geplant.

Tränen fließen nicht. Doch dass Schlomith Zylberberg von ihren Gefühlen überwältigt wird, kann sie nicht verbergen. Das will die 74-Jährige auch nicht. Es spielt keine Rolle, dass sie Rosa Falke nie kennengelernt hat, an die ein Stolperstein in Baesweiler erinnern soll.

Schlomith Zylberberg war ja erst ein Jahr alt und lebte nicht in Deutschland, als ihre Tante Rosa dort die Wohnung an der Baesweiler Breite Straße verlassen musste und deportiert wurde, um irgendwo zu sterben. Mit ihrem Sohn Simon fiel sie den Nazis ebenso zum Opfer, wie bereits zwei Jahre zuvor ihr Mann Herschel.

Drei Stolpersteine für die Familie Falke hat der Künstler Gunter Demnig in den Gehweg vor deren ehemaligem Haus eingelassen. Das hätte bereits Anfang Februar geschehen sollen, als die ersten Stolpersteine in Baesweiler verlegt wurden. „Aber damals wussten wir bereits, das Schlomith Zylberberg gern bei der Verlegung anwesend sein wollte.

Das wollten wir ihr ermöglichen“, sagte Bürgermeister Dr. Willi Linkens. Über einen israelischen Familienforscher, der wiederum Kontakt zu dem Baesweiler Genealogen Horst Gießler aufgenommen hatte, kam es zu einem Austausch und letztlich zu der Reise. Gemeinsam mit ihrem Bruder Elisha Gill und Li Heyman, einer Großnichte von Herschel und Rosa Falke, flog Schlomith Zylberberg aus Israel in ein Land, dessen Sprache sie nicht spricht.

Elisha Gill versteht einige Worte. Er war bereits in Berlin und hat Gedenkstätten besucht, die an die Opfer des NS-Regimes erinnern. Aber hier, in Baesweiler, ist der persönliche Bezug ungleich größer. „Meine Gefühle kann ich nicht beschreiben. Es ist überwältigend, dass Menschen heute ein solches Gedenken ermöglichen.“

Nein, er verspüre keinen Hass, doch er sei sehr bewegt. Und er könne den Worten nur zustimmen, die Bürgermeister Linkens gesprochen habe: „Niemals dürfen wir zulassen, dass erneut irrationaler und blinder Hass entsteht und solche Ausmaße annimmt“.

Gunter Demnig wird nicht das letzte Mal in Baesweiler gewesen sein, denn insgesamt lebten zur NS-Zeit 44 Juden in Baesweiler. Einige von ihnen konnten rechtzeitig fliehen. Doch die Mehrheit wurde ermordet: 25 Menschen fielen dem Rassenwahn zum Opfer. Linkens: „Mit den Stolpersteinen wollen wir diesen Menschen ein Stück ihrer durch die Nationalsozialisten genommenen Würde zurückgeben.“

Nur zwei Tage lang waren die Besucher aus Israel in Deutschland. Nein, sagen sie, sie wollen sich dort nichts anderes mehr anschauen. Doch einmal an der Stelle zu stehen, wo ein Teil ihrer Familie lebte, das sei ihnen unendlich wichtig gewesen.

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